Das Jahr 2006 begann genauso geschäftig, wie 2005 aufgehört hatte. Die zweite Hälfte des Winters trieben wir uns ständig auf Konzerten rum als da wären Seelenthron & Kirlian Camera in Meißen, wo die eigentliche Aftershow-Party hinter unseren Ständen stattfand. Dann gab's nochmal Seelenthron zusammen mit Of the wand and the moon in Leipzig.
Mittelalter darf auch im Winter nicht fehlen, deshalb waren wir auch bei Schelmish und Nachtwindheim zum Konzert. Doch dann kam unser Highlight der Festivals, das wir in Zukunft nicht mehr missen wollen: das Ragnarök-Festival in Lichtenfels. Was für eine Party in jeglicher Beziehung. 2 Tage lang feinster Pagan-Metal mit kaufwütiger Kundschaft.
Das Schöne an paganen Metalern ist: 1. sie können und wollen lesen und sich weiterbilden! 2. sie sind trotzdem genauso trinkwütig, wie ihre Metal-Kollegen 3. verlieren deshalb beim Rumspringen vor der Bühne die Trinkhörner, die sie eben erst gekauft haben und 4. kaufen sie gleich nochmal. Außerdem ein sehr geselliges Völkchen und für jeden Spaß zu haben. Was für eine Party, vor allem als dann Stickel von Odroerir sich mit seinem 2-Liter-Horn gefüllt mit bestem Met vor unsrem Stand abparkte ;-) und Wolle in voller Wikingerrüstung hinter unsrem Stand schnarchte.
Weil's so schön war, versuchten wir das Feeling nochmal in Elterlein bei Heidefolk, Kampfar u.a. nachzuempfinden - hach, aber nichts geht eben über's Ragnarök.


Walpurgis feierten wir dann in Halle bei Sonne Hagal und Fire & Ice - auch sehr hübsch und im Mai begann dann unsre Marktsaison mit der Museumsnacht in Chemnitz mit Schneesturm & Kanonengeböller von den Landsknechten nebenan - was tut man nicht alles für Freunde... Himmelfahrt in Magdeburg war dann auch wieder ein Wetterfiasko. Ich war mit Micha hingefahren und es war schon recht stürmisch. Als ich Sonntagmorgen nach einer durchwachten Nacht (ich erwartete jeden Moment, daß mein Zelt irgendwo bricht) mein Zelt öffnete, wunderte ich mich noch, daß der Plastepavillon der Märchenerzählerin von gegenüber noch stand. Ich bückte mich, um den letzten Knoten meiner Türe zu lösen und als ich wieder nach oben sah - war er weg der Stand. Schnell hinterher, wieder eingefangen und ordentlich zusammengelegt. Auch andere Pavillons hatten schon das Weite gesucht. In Anbetracht der Situation ging ich mit Micha erstmal zu den Semnonen in Ruhe frühstücken. Dabei wurden Wetten abgeschlossen, welcher Stand als nächstes fliegt. Den Bücherstand und die Haarfee hinter dem Semnonenzelt bauten wir lieber gleich kontrolliert ab, nicht das die Zelte beim Wegfliegen noch das semnonische Sonnensegel beschädigten. Selbst das Ritterzelt der Tschechen gab auf, indem einfach die hölzerne Mittelstange durchbrach und das Zelt davonflog. Nach kurzer Weile erhob sich aus einer Liege ein Ritterkopf, brummte irgendwas, drehte sich um und schlief weiter. Innerhalb kürzester Zeit hatte man so einen wirklich "authentischen" Markt, alles aus Plaste und gekauftem Baumarkt-kram war davongeflogen. Als wir dachten, es kann gar nicht mehr schlimmer werden, kam der Veranstalter Dietmar und meinte, wir sollten doch unsre Autos auf's Gelände fahren. Häh, wieso denn? Ist gerade so schön authentisch alles! - Na, um eure Stände dran festzubinden. Der eigentliche Orkan kommt noch! Aaaahhhh!!! Also mein Stand hätte das mitgemacht, zumindest wäre er nicht weggeflogen. Nur das Holz machte langsam gefährliche Geräusche und gegen Mittag beschlossen wir abzubauen und nach Hause zu fahren. Was für ein Wochenende!


Das Wochenende drauf war ich dann auf dem "Drachenfest" in Leipzig - der "Gegenveranstaltung" zum Heidnischen Dorf vom Gotiktreffen.
Eigentlich hatten wir ja mit dem Thema Leipzig und Pfingsten abgeschlossen; als aber der Anruf von den Drachenfestlern kam dachte ich mir das ich mir das schon mal wieder reinziehen wollte. Kann ja nur amüsant werden und die Standgebühr bekommt man schon irgendwie rein. Also hin...
Es war ein Wochenende ohne Gleichen; alle halben Stunden gab es was zu lachen, wenn wieder jemand angerannt kam und die neuesten Begebenheiten berichtete. Eine regelrechte Schlammschlacht war da entbrannt und Micha, Rico und ich hatten alle Hände voll zu tun unsere Bäuche vor den ständig aufkommenden Lachkrämpfen festzuhalten. Und als das Wochenende vorbei war und die Heimfahrt anstand saßen wir im Auto und mussten haarklein jedes Vorkommniss nochmal auswerten. War schwer genug auf der Strasse zu bleiben.
Die Ines war derweilen mit Aniko in Potsdam, wo sie das erste Mal "bewußt" dem Bernsteinring über den Weg liefen.


Die trafen wir wieder in Norddeich. Aniko und ich meinten, wir müßten uns mal die Nordsee ansehen und fuhren deshalb mit Micha & Andrea für 4 Tage auf Wikingerlager kurz vor die holländische Grenze. Nach unserem ersten Versuch über unserer eigenen Feuerstelle dem schon heulenden Kind Nudeln zuzubereiten - wir brauchten dafür fast 2 Stunden und es schmeckte widerlich - trugen wir am nächsten Tag unser Dreibein ins Bernsteinlager und meldeten uns bei Saeta zum Essen an. Die Arme mußte dort 75 Mann! bekochen und war nicht sonderlich erfreut, daß wir auch noch kamen. Am ersten Tag gab ich gleich eine Wasch-Show in unserem Suppenkessel mit handgemachter Seife von Drakentrey. Am Abend zuvor hatte Karla in der Ferne Wasser gesehen, ist voll Speed den Deich runter und hat mich einfach über den Haufen gerannt - es war gerade Ebbe und ich landete voll im Watt-Schlamm. Klasse! Blöder Köter. Aber ehrlich mal - das ist doch kein Zustand, daß das Wasser ständig abhaut. Da kann man doch nie richtig baden! Selbst wenn das Wasser mal da ist, ist unten drunter immer noch der eklige Schlamm. Nirgends Sandstrand, überall betoniert. Und dort wo's vielleicht schön ist, stehen Schafe auf'm Deich und man darf mit Hund nicht hin. Also wirklich, da lob ich mir doch unsre Ostsee! Aber die Friesen sind sowas von nett und aufgeschlossen, nur wenn man was über ihren "Strand" sagt, werden sie knatzig.

Einwic

Claudia

Weiteren Marktspaß hatten wir noch in Merseburg, Schönfels, Wernesgrün, Neustrelitz (wo ich Paul von den Svartis für seine unbezahlten Schulden seinen Robbengugel Robbie aus dem Kreuz leierte - guter Tausch!), Rabenstein in Franken (wo ich im strömenden Regen heulend mit Sylvia von den Reenactors in den Armen lag, weil wir viel lieber in Wollin sein wollten), Hohnstein (da wehte der Sturmwind mir das Zeltdach halb weg, während ich mit Aniko im Badezuber saß = Chaos!) und natürlich der Jahrmarkt auf dem Treppenhauer.

Ich & mein Metstand... ;-)

Heerbann '06

Ja, der Treppenhauer. 2006 fand da der wohl größte Heerbann aller Zeiten statt. Aniko und meine Rekrutierungsversuche hatten Früchte getragen und wir wurden von den vereinten Kräften von Semnonen, Einwic, Berliner Templer und diverser Kleingruppen herausgefordert. Dafür daß dies riesige Lager uns haushoch überlegen war was Anzahl und Qualität ihrer Kämpfer angeht, haben wir uns doch recht lange gehalten, bevor sie unser Dorf einnahmen. Aber mit 350 Teilnehmern stieß unser Museumsdorf wirklich arg an seine Grenzen - aber es war herrlich!

Holger mit Pfeilen

Wolkenstein-Odroerir

Im Sommer veranstalteten wir auch mal wieder ein Konzert auf Burg Wolkenstein - diesmal mit Grünland, Seelenthron und Odroerir. Nicht ganz soviel Leute wie beim letzten Mal, aber die Party war klasse. Wir feierten wieder bis in die Morgenstunden hinein mit Odroerir am Feuer, am nächsten Morgen Frühstück im Dorf und Mittags blitzartiges Abbauen im Wolkenbruch.


Dort hatten uns Odroerir auch einen neuen Floh ins Ohr gesetzt: Eluveitie. Würden mit ihnen die Herbsttournee machen und wir sollten uns das unbedingt mal ansehen. Also bin ich hin mit Aniko ins Hellraiser. Völlig irre! Pagan Metal mit Dudelsack, Drehleier und einer springt Blockflöte-spielend headbangend über die Bühne. Wir waren hin und weg.
Unseren letzten Markt verbrachten wir bei schönstem Oktober-Herbstwetter beim Bernsteinring in Bernburg. Klein aber fein sozusagen. Im November waren wir in Zapfendorf, wo wir mal die Jungs & Mädels von faun, deren Merchandise wir ja nun machten, auch mal persönlich kennenlernen durften.
Im Dezember wieder Thomas üblicher Weihnachtsmarkt in Weißwasser und zwischen den Feiertagen waren wir wieder bei Uwe in Halle zum Orplid-Konzert. Nach 2007 feierten wir herrlich rein beim Neofolk-Sylvester im Hellraiser Leipzig zu Sol Invictus und Spiritual Front. Mann, waren wir besoffen! Wieviel Flaschen Sekt waren das? 5 oder 6? Morgens um 6 Uhr waren wir wieder zu Hause... und da sind wir schon im nächsten Jahr.


20052007
Rückblicke