Geht es euch auch so, daß ihr die unangenehmen Dinge einfach aus der Erinnerung streicht und vergeßt? Nun, mir ist das bei '98 passiert - aber egal, denn der Ärger zog sich bis ins Jahr '99 hinein und das war so:


Winkli


krasse Show...

Während wir nämlich zu Pfingsten in Leipzig unseren Spaß hatten, gab's derweil in Chemnitz um unsren Laden ein Staraufgebot der Sportsfreunde in Grün-Weiß angeführt vom hiesigen Arzneimittelamt. Nämlich hatte ich in meiner blauäugigen Naivität gedacht, wenn ich schon einen Hexenladen aufmache, sollte ich auch Samen der typischen Hexenpflanzen anbieten für's Anlegen eines heimischen Hexengartens. Wie konnte ich ahnen, daß die Wahnis sich aus einer kompletten Tüte Stechapfelsamen einen Tee kochen, um anschließend im Drogenrausch, die Polizeiautos vorm hiesigen Revier zu demolieren! Jetzt klagte man uns wegen Verkauf von arzneimittelpflichtigen Giftpflanzen an! Bevor wir zur Vernehmung ins Revier mußten, machten wir erstmal einen Abstecher in den Gartenbaumarkt und kauften auch dort ohne Probleme Stechapfelsamen ein, die wir gleich präsentierten. Man konnte mir bis heute nicht erklären, warum die solche Samen verkaufen dürfen und ich nicht. Deshalb stellt man nach einem Jahr das Verfahren auch ein - auf den Kosten des Anwalts blieben wir trotzdem sitzen. Ach ja, und die vielen Tüten an Samen und anderer Spezereien wurden im Polizeirevier nie mehr wieder aufgefunden. Na, da gab's wohl im Revier mal eine ganz besondere Party...
Im Frühjahr kam es auch noch durch massive Unstimmigkeiten zum endgültigen Bruch mit Rica & Mütze. Wir trennten uns von ihnen und sie drehten hernach ihr eigenes Ding.

Ronja

Wir arbeiten nicht - wir leben so... und das immer!

Doch all der Ärger konnte uns den Spaß nicht trüben. Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht. Wir trieben uns wieder auf zahlreichen Konzerten rum von Sol Invictus, Hagalaz Runedance über In Extremo und den Merlons und beim Feuerspucken zum dies natalis-Konzert in Dresden hat Thomas fast die Saaldecke abgefackelt. Den Festivalname "Dresden brennt" hatte er wohl irgendwie zu wörtlich genommen.

v.l.n.r.: Ronny (LiLaLaune-Lahl); !Bonzai; Thomas & Ines
Wir arbeiten nicht - wir leben so.
Und das immer!

Bonzai mit dem grossen Löffel

Los Dilletantos & Kindertanz

Und dann war da noch der legendärste, weil schrecklichste und deshalb albernste Mittelaltermarkt den wir je veranstaltet haben: Schlöben. Das Dorf bei Jena konnte sich einen Markt eigentlich gar nicht leisten, nach erfolgreichen archäologischen Ausgrabungen mußte aber eine 7000-Jahr-Feier her. Also trommelten wir all unsre Freunde zusammen und liefen zur Hochform auf. Winkly, der auf Märkten in Zukunft einen schwertschwingenden Sargbauer mimen sollte, begann das Wochenende morgens um 5 mit der ersten Flasche Rotwein - bis zum Abend sollte er es auf 8(!) Flaschen bringen. Auf dem Markt angekommen, der sich auf einem ehemaligen LPG-Gelände befand, hatten wir ihm schon den Schlüpfer geklaut, der das restliche Wochenende am Fahnenmast der Band Vivus Temporis wehen sollte. Für den Abend hatten wir einen riesigen Scheiterhaufen errichtet in dessen Mitte (wir hatten noch Holz übrig) ein großes Kreuz stand. Doch uns war langweilig, also bastelten wir eine Figur, die wir anschließend ans Kreuz nagelten. Sie hatte voll bewegliche Gliedmaßen. Peggy, die Schneiderin nähte ihr ein Hemd und eine Hose, die mit Heu ausgestopft wurde. Ich wand einen Dornenkranz, die sie auf den Kopf bekam. So geschmückt, stellten wir das Kreuz wieder in den Holzstoß. Abends gab's dann die Feuershow mit Prozession zum Scheiterhaufen, der von den Feuerspuckenden entzündet wurde. Herrlich wie das Püppchen am Kreuz brannt, die Dornenkrone glühte richtig. Wir rechneten eigentlich mit allem, aber nicht, daß das komplette Dorf jubelnd und johlend drumrum stand! Zu vorgerückter Stunde fielen die ziemlich angetrunkenen Recken dann im Volksbumszelt ein, weil sie gehört hatten, daß es dort kostenlos Kuchen gäbe. Ordnungskräfte mußten sie walzertanzend von der Tenne räumen. Winkly fand dann noch den großen Kessel vom Schmied auf dessen Grund sich noch Gulasch befand. Beim vergeblichen Versuch mit dem Kopf zuerst hineinzugelangen, kippte der Kessel samt Winkly um. Wie praktisch, der Gulasch kommt entgegen. Die Nacht hat er dann in einem seiner Särge verbracht...
Der nächste Morgen begann mit einer Peep-Show von Wolle und Marietta, die sich mitten auf dem Platz nackend in einer alten Blechwanne mit einem Wasserschlauch den Buckel schrubbten. Später kam dann noch ein kühlendes Gewitter auf, daß die Band allerdings zu solch musikalischer Hochform aufpeitschte, daß sie in völliger Ekstase im Takt mit dem Donner begannen ihre Instrumente zu zerschlagen! Es begaben sich an dem Wochenende noch viele andere Absurditäten... wie auch immer, kein Markt langte jemals an Schlöben heran.

Winkli der Sargbauer

Spiegel im Laden
Markt auf Burg Rabenstein

Und dann war ja auch wieder der Heerbann. Da die Recken es bis zum Sommer nicht aushielten, gab es in diesem Jahr das erste Winterlager, an dem es wirklich Recken gab, die im Heu von Schnee bedeckt und innerlich vom Met gewärmt draußen schliefen. Auch kam es wieder zu einem spaßigen Zusammenstoß mit Ritter Kunradus, den wir nach der eigens für ihn gebildeten Schmähgasse aber nie wieder sahen. Im Sommer sollten wir diesmal gegen den Herausforderer Bäh verlieren, der die Schlachten im Wald genauso wie die auf den Brücken um die Burg gewann. Dort lernten wir auch den Schmied Matthias kennen, der uns unsre Schneiderin Peggy rauben sollte. Und da waren auch zum erstenmal Marco & Jörg von der jetzigen Solheim-Sippe dabei. Ich weiß noch genau wie nach der Schlacht Marco freudestrahlend auf mich zukam "Ich blute! Ich blute! Schau, hier am Ellenbogen." Mein hilfsbereites Angebot eines Pflasters wehrte er mit zornigem Blick ab. Wie konnte ich es wagen! Ein Krieger zeigt seine Wunden stolz.

Weitere schöne Höhepunkte dieses Jahres war der große Mittelaltermarkt in Flöha, zu dem wir sogar ein großes Palisadentor bauten. Es gab wieder einen Markt in Annaberg, Glauchau und auf der Burg Rabenstein, natürlich der Markt zum Chemnitzer Stadtfest sowie das heidnische Dorf zum Gotiktreffen. Im Herbst und Winter tingelten wir quer durch Deutschland zu diversen Gotik-Messen. Und wir waren zur Living-Dead-Partynacht in Hamburg, wo Winkly & Thomas den traumatischen Anblick zweier nackter Brüste an einem Männerkörper in Großformat direkt vorm Gesicht hatten.
Wer weiß, was es das nächste Jahr alles zu sehen geben sollte...

Eingangstor in Flöha
19982000
Rückblicke