Der Treppenhauer bei Sachsenburg

Bergstadt Bliberge

Über eine bewaldete Anhöhe des Zschopautals nahe der Sachsenburg, den Treppenhauer, berichtete 1755 der Chronist Christian August Bahn: "Aus den Gräben und Wällen urtheilet der gemeine Mann und giebt vor, es hätte in alten Zeiten eine Stadt auf diesem Berge gestanden."
Dabei bezog er sich höchstwahrscheinlich auf die Bergstadt Bliberge (Bleiberg).

Grabungsbefunde belegen, dass Bleiberg um 1220 entstand. Besonders interessant ist, dass es sich nicht um ein simples Bergarbeiterlager handelte, denn Funde von Spielzeug, Spinnwirtel, Glas und importierter Keramik legen nahe, dass auch die Angehörigen der Bergleute hier lebten. Nicht zuletzt spricht die großflächige Ausdehnung für die Existenz einer richtigen frühmittelalterlichen Stadt.
Die damalige Bevölkerungszahl wird auf 1000 bis 1500 Menschen geschätzt; hauptsächlich Bergleute, aber ebenso Handwerker, Amtmänner und Händ ler.

Im Gegensatz zu anfänglichen Mutmaßungen wurden die Erze wohl auch sofort vor Ort ausgeschmolzen, das belegen Überreste von Schlacken und Bleiglätte. Allerdings währte diese frühe Blütezeit sächsischen Bergbaus nur etwa 150 Jahre lang. Zweierlei Umstände müssen dazu geführt haben, dass Bleiberg schon nach dieser relativ kurzen Zeit wieder verlassen wurde:

Zum Einen waren die oberflächennahen Erzvorkommen bald erschöpft und der Abbau tieferer Schichten hätte zu großen technischen Aufwand erfordert.
Zum anderen war die Stadt zu einseitig auf den Bergbau orientiert, als dass sie nach Beendigung der Fördertätigkeiten mit den umliegenden Marktorten hätte konkurrieren können. Solche Siedlungen, wie Frankenberg oder Mitt weida, waren für die bäuerliche Wirtschaft und den Handel bedeutend und blieben dadurch bestehen. Bleiberg verfiel allmählich, selbst die landgräf liche Feste Sachsenburg wurde im Jahre 1364 verkauft.
Danach blieb es für lange Zeit still um den Treppenhauer. Gesträuch über wucherte die Pingen. Es fehlte am nötigen Kapital, den Bergbau wiederzube leben; Epidemien und Kriege taten ihr übriges.

Erst 1949 begann die damalige SDAG "Wismut" damit, die alten Stollen auf Uranerzvorkommen zu untersuchen.
Ab 1977 interessierte sich auch die Archäologie für den Treppenhauer, und unter der Leitung von Herrn Dr. Schwabenicky wurden umfangreiche Forschungen angestellt.
Nach den dabei zu Tage gekommenen Originalgrundrissen wird die Stadt seit 1998 vom Verein "Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg e.V." neu errichtet.

Allen Interessierten steht das Gelände in der Zeit zwischen Ostern und Ende Oktober jeden Samstag zwischen zehn und fünfzehn Uhr offen. Führungen rund um den Treppenhauer sind nach Voranmeldung ebenso möglich.

Weitere Informationen gibt es unter den Internetadressen
www.bergstadt-bleiberg.de oder unter www.bergbau-im-zschopautal.de!

Caro.02-05-22

...eine Sage der Gegend

Der Sage nach hatte der Herr der Sachsenburg zwei Söhne, die der ganze Stolz ihres Vaters waren. Als eines Tages eine Nichte zu Besuch kam, verliebten sich beide Söhne in sie. Nachdem sie den Jüngeren der Beiden zubevorzugen schien kehrte Zwietracht ein. Der Vater vermittelte zwischen ihnen und es sah tatsächlich so aus als ob der Friede wiederhergestellt sei. Doch bei einer kurz darauf veranstalteten Jagd, der auch die Nichte beiwohnte, entfesselte die Freude und Ausgelassenheit der Liebenden erneut die Eifersucht des älteren Bruders. Es kam zum Handgemenge, in dessen Verlauf der Jüngere tödlich verletzt wurde. Der Vater erlitt beim Empfang der bitteren Nachricht einen Schlag und wurde zusammen mit seinem Sohn bestattet. Der Mörder floh, entsetzt über seine Tat, und irrte viele Jahre in der Welt umher. Als er eines Tages nach Rom kam, beichtete er den Mord dem Heiligen Vater und bekam von diesem auferlegt, Mönch zu werden und allmorgendlich an der Stelle der Untat eine Seelenmesse zu lesen, bis deren Tausend voll seien. Weil er aber vorher starb, fand er bis heute keine Ruhe. So soll sein Geist noch immer umgehen. Vor allem auf der Straße am Fuße des Treppenhauer will man ihn des öfteren gesehen haben, wie er im Mönchsgewand, ein Buch unter dem Arm, umherwandelt, den Blick verzweifelt zum Himmel gerichtet.

aus "Schwarzen Führer: Sachsen"