Hügelgrab im Prignitzer Land

Das Königsgrab von Seddin


Das Wäldchen in dem das Königsgrab steht.Im Prignitzer Land herrschte vor über 2700 Jahren ein großer Semnonenkönig, der später von allen König Hinz genannt wurde. Man erzählte sich tausende von Jahren die Sage, er liege in einem dreifachen Sarg aus Gold, Silber und Bronze, er trage seine Kleinodien bei sich und sein Schwert an seiner Seite. Im nächsten Grabhügel sei sein Fingerring - Zeichen seiner Herschergewalt und im dritten Hügel eine Schatztruhe.
Ende des 19.Jh. wollte es der Seddiner Bauer, auf dessen Gelände der "Hinzeberg" liegt, genau wissen. Er glaubte fest daran, daß er zu "König Hinz" vorstoßen könnte, wobei es ihm weniger um das Kulturgut, als mehr auf den goldenen Sarg ankam. Außerdem konnte man seinerzeit die großen Findlinge für teuer Geld an den Straßenbau weiterverkaufen. Der Bauer und sein Knecht buddelten, hackten und wühlten im Schweiße ihres Angesichts, doch sie wurden nicht fündig. Der "Hinzeberg" ist für vier Fäuste zu groß. Also verkaufte der Bauer seinen Berg an einen Unternehmer, der nun wirklich konzentriert loslegt. Eine Kolonne von Arbeitern gräbt sich zielstrebig und energisch in den Hügel, der 11 Meter hoch ist, 85m im Durchmesser beträgt und einen Erdaushub von 30000 Kubikmetern aufweist.Das Königsgrab von innen nach aussen fotografiert. Am 20.September 1899, nach 2 Jahren, war es dann soweit: die Arbeiter stoßen auf eine Steinkammer, die einen Durchmesser von 2 Metern und eine Höhe von 1,75m hatte. Die Wände der Kammer waren mit einem sorgsam geglätteten Wandverputz aus Lehm versehen, der eine rote mäanderartige Bemalung aufwies. Der Kammerboden bestand aus einem glatten braunen Lehmestrich, der noch heute komplett erhalten ist, aber von einer Betonplatte vor Verfall geschützt wird. Die Decke ist kuppelartig. In der Mitte der Kammer steht eine große Tonurne und in dieser wiederum eine wertvolle mit Buckeln verzierte Bronzeamphore, die den Leichenbrand des König Hinz enthielt. Außerdem die Zehenknochen eines Marders, ein gehenkeltes Tüllenbeil, ein Ringgriffmesser und eine Bronzetasse mit eingehängtem Ring. Neben dem Tongefäß stack das Schwert des Königs als Miniatur im Boden, dazu ein kleiner Tüllenmeißel, eine lanzettförmige Spitze, ein Rasiermesser und eine Pinzette, sowie ein Stangenknopf. Zwar ist man nicht auf Gold und Silber gestoßen, doch die uralte Sage hat sich als richtig erwiesen: Die Kammer, die tönerne und die bronzene Urne zusammen waren der dreifache Sarg des "König Hinz". In der Grabkammer befanden sich noch zwei weitere Urnen mit dem Leichenbrand von zwei jungen Frauen. Die eine von ihnen starb in einem Alter von 20 - 30 Jahren, die andere etwas jünger.Das Königsgrab. Ihnen war eine Halskette aus Bronzedraht mit Fayence- und Glasperlen, 2 getriebene Schalen, ein Wendelring, ein Armreif, ein Lockenring, ein Kamm, eine Öse mit Halbröhre und 2 eiserne Nadeln, die den Beginn der Eisenzeit in der Prignitz bezeugen, mitgegeben. Hiermit findet sich das Zeugnis des Witwenopfers. In der Bronzezeit wurden vornehmen und reichen Toten im Übergang zu jenseitigen Welt ihre Frauen mitgegeben, an die sie hinieden gewohnt waren.
Der "Hinze Berg" liegt zwischen Perleberg und Pritzwalk in einer durch zahlreiche Grabhügel gekennzeichneten Jungmoränenlandschaft. Er ist der größte erhaltene Grabhügel im Land Brandenburg. Die Grabkammer, also das eigentliche Königsgrab, ist in ihrer Dimension und mit der Konstruktion des flachen Gewölbes einzigartig unter den steinernen Grabeinbauten in Norddeutschland. Der Hinzeberg von Seddin verweißt auf das Entstehen von Eliten - etwa 150 Arbeiter müßten 1 Jahr lang beschäftigt gewesen sein, den großen Grabhügel mit dem umlaufenden Steinkreis auf ebenen Boden zu errichten.
Jedes Jahr im Juli veranstaltet Seddin ein großes Feuerspektakel vor dem Grabhügel, wo die Königsverbrennung mit drei großen Scheiterhaufen nachgestellt wird. Die gefundenen Ausgrabungsstücke sind zwar im Archiv Berliner Museen vergraben, aber in Seddin kann man ihre Nachbildungen bestaunen.