Ätherische Öle

In allen alten Hochkulturen wurden ätherische Öle benutzt. Bei Opferfeierlichkeiten waren sie wichtiger Bestand des Kults. Ätherische Öle sind in den Religionen der Völker die flüssige Version des Weihrauchs. Sie enthalten den Geist der Pflanzen – kleine Pflanzenelfen, die helfen wie auch schaden können. In Ägypten wurde ihre antiseptische Kraft zur Einbalsamierung und Mumifizierung genutzt. Auch die Salben und Öle der Griechen und Römer verbreiteten aregende Düfte. Ihre Heilkräfte waren auch in China und Indien bekannt. Meisterhaft sind außerdem die Schilderungen aus der arabischen Welt in den Büchern von "Tausend und einer Nacht". In der kräuterkundigen Zeit des Mittelalters war die – damals noch nicht so benannte – Aromatherapie weit verbreitet, geriet dann aber allmählich in Vergessenheit.

Große Seuchen wie Pest, Cholera und Pocken suchten die Menschheit heim. Krankheiten waren für sie die Geißel Gottes, unentrinnbare Schicksale, Buße für Sünden, die von selbstsüchtigen Geistlichen angsteinflößender Religionen verkündet wurden (welche wird wohl damit gemeint sein?). Reinigende Wacholderfeuer brannten überall in den Städten, und die "Schnäbel" der Pestärzte enthielten neben duftenden Kräutern vor allem Myrrhe zum Schutz vor der tödlichen Krankheit. Aus dieser Zeit ist auch ein Rezept eines Gesichtswassers überliefert, welches den Namen "Essig der 4 Diebe" erhielt. Mit Hilfe dieses Duftwassers, mit dem sie Tücher tränkten und sie sich um den Kopf wickelten, gelang es vier Landstreichern eine von der Pest verseuchte Stadt (die Stadt Toulouse) komplett auszuplündern, ohne sich anzustecken.

"Essig der vier Diebe"

Zutaten

    • 8g getrocknete Absinthspitzen
    • 8g getrocknete Rosmarienspitzen
    • 8g getrocknete Salbeispitzen
    • 8g getrocknete Minzespitzen
    • 8g Lavendelblüten
    • 8g Thymianblüten
    • 3 Gewürznelken
    • 1g Knoblauch
    • 1g gemahlener Zimt
    • 1g Muskatnuss
    • 1g Iriswurzelpulver
    • 500g Weinessig
    • 16g Essigsäure
    • 2g in Alkohol gelöster Kampfer

Zubereitung

Alle Pflanzen und Gewürze im Mörser zu grobem Pulver zerstoßen, das dann in Weinessig und Essigsäure in einer Flasche – möglichst in der Sonne – ziehen soll. Gelegentlich umrühren, nach ca. 2 Wochen filtern und den Kampfer zugeben. In die Flasche füllen, verschließen und ettikettieren.

Trotz allem prägte sich damals die Überzeugung, daß Feuchtigkeit und Gestank die Ursache für Fäulnis und Zerfall sei. Um dem entgegen zu Wirken vermeide man Feuchtigkeit, kurz gesagt; man wusch sich nicht mehr. Von den Ärzten aus der Stadt Montpellier ist überliefert, daß sie für mancherlei Krankheitsmißstände den leichtfertigen Umgang mit Wasser verantwortlich machten. Allzu häufige Waschungen, erst recht aber Bäder schwächten angeblich den Körper. Der Krankheiten übertragende Gestank, der von den verwesenden Leichen ausging, von den giftigen Abfall- und Müllhaufen, die giftigen Ausdünstungen des Bodens wurde Miasmen genannt. Und anstatt ihn zu beseitigen, wurde er mit Wohlgerüchen überdeckt. Um sich ein Geruchsbild von dem unvorstellbaren Gestank, der zu der Zeit des Sonnenkönigs in den Städten herrschte, zu schaffen, hier ein Stück aus Süsskinds Duftroman "Das Parfüm":

"...Die Straßen stanken nach Mist, die Hinterhöfe nach Urin. Es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küche nach verdorbenen Kohl und Hammelfett, die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigen Staub und die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern, aus dem Mund stanken sie nach verrottenden Zähnen, aus den Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten. Es stanken die Kirchen, es stank unter Brücken und Palästen, der Handwerksgeselle, die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel und der König auch......"

Anstatt im heutigen Sinne Hygiene zu betreiben, glaubte man die schlechten Gerüche und die ansteckenden Krankheiten mit ätherischen Ölen vertreiben zu können. Wasser war verdächtig und die Kernseife, für die Marseille berühmt war, konnte sich sowieso kaum jemand leisten. Wer etwas auf sich hielt, puderte und parfümierte sich. Der Sonnenkönig Ludwig XIV soll tonnenweise Parfüms verbraucht haben. Die damalige Duftmetropole war Grasse in der Provence. Ursprünglich war dieser Ort eine Stadt der Gerber für feinste Lederwaren über die eine Glocke unvorstellbaren Gestanks hing, der durch die Gerberbrühen entstand, welche aus Urin, Tiergalle, Eichenrinde, Lauge und sonstigen unappetitlichen Chemikalien bestand. Dieser Gestank war auch den edlen Ledertaschen und –handtaschen nicht auszutreiben. Deshalb ging man nach und nach dazu über, diesen mit Wohlgerüchen zu überdecken. Spezialisten fanden sich ein, die aus den in dieser Gegend zahlreich vorkommenden aromatischen Pflanzen ätherische Öle gewannen, mit denen die Lederwaren parfümiert wurden. Der neue Duft der Handschuhe löste beim Träger den Wunsch aus, diese Essenzen auch zum Überdecken anderer unliebsamer Gerüche zu verwenden. Dies war die Geburtsstunde der Grasser Parfümerie, und die Parfümeure verdrängten nach und nach die Gerber.

Das Anwendungsspektrum der ätherischen Öle ist sehr vielseitig, denn ihre Wirkung ist umfassend, sowohl heilend und vorbeugend als auch pflegend und verwöhnend. Mit Aromatherapie können körperliche Symptome, wie z.B. Hauterkrankungen oder Erkältungen, ebenso wie psychische Gestimmtheiten, z.B. Depressionen, Angstzustände und Unruhe, behandelt werden. Seltener finden ätherische Öle Anwendung bei der Speisenaromatisierung, wobei die ätherischen Öle anstelle von Gewürzen den Gerichten feindosiert zugesetzt werden.

Die äußerliche Anwendung der ätherischen Öle basiert auf der Aufnahme über die Nase oder die Haut, z.B. zur Wohnraumaromatisierung mit der Aromalampe, als Inhalation, Saunaaufguß oder als Parfüm. Aufnahme über die haut findet vor allem in der Kosmetik Verwendung als Gesichtsöl, -creme, -masken, Lippenbalsam, Shampoos, Heil- und Pflegeöle und in Badezusätzen. Doch sollte jederzeit darauf geachtet werden ätherische Öle niemals pur auf die Haut und Schleimhäute zu lassen!

Wohnraumaromatisierung

Dekorativ und praktisch ist die Verwendung von Aromalampen. Sie haben eine kleine, muldenförmige Vertiefung, die mit Wasser gefüllt wird. Um Kalkrändern vorzubeugen, sollte es möglichst gefiltertes, kalkfreies Wasser sein. Ein daruntergestelltes Teelicht erhitzt das Wasser bis zum Verdampfen, wodurch die ätherischen Öle in die Raumluft gelangen. Je nach Duftintensität des gewählten Öles werden 5 bis 15 Tropfen Essenz hinzugefügt. Man kann auch mit Mischungen verschiedener ätherischer Öle experimentieren. Durch das langsame Verdunsten wird die Raumluft aromatisiert, und man erfährt, je nach Ölauswahl, eine erfrischende, anregende oder beruhigende Wirkung. In Grippezeiten können die Duftstoffe als "Keimkiller" eingesetzt werden. Besonders keimtötend in ihrer Wirkung sind Eukalyptus, Thymian, Salbei, Zimt, Lavendel, Pfefferminze und Zitrone.

Inhalation oder Gesichtsdampfbad

Inhalationen helfen bei Erkältungen der Atemwege und bei Asthma. Für unterwegs kann man sich mit einem Taschentuch behelfen, das mit ca. 5 – 10 Tropfen Essenz benetzt wird. Man hält es dicht vor die Nase und atmet tief ein. Eine gute Hilfe bei Reiseübelkeit. Für ein wohltuendes Gesichtsdampfbad füllt man heißes Wasser in eine große Schüssel und fügt etwa 3 – 5 Tropfen des gewählten Öles hinzu. Dann beugt man den Kopf über die Schüssel und legt ein großes Handtuch über den Kopf, um so die wohltuenden und befreienden Dämpfe einzuatmen. Der aufsteigende Dampf öffnet die Poren und reinigt die Haut. Für empfindliche Haut eignen sich besonders Kamille und Neroli. Salbei und Lavendel wirken desinfizierend bei Mitessern. Eukalyptus und Thymian wirken antiseptisch und schleimlösend bei Erkältungskrankheiten.

Gesichtsöle

Gesichtsöle können individuell hergestellt werden, indem man ein gutes kaltgepreßtes Öl mit einigen Tropfen Essenz vermischt. Als Grundöle eignen sich Jojobaöl und Aloeöl. Jojobaöl führt der Haut wichtige Nährstoffe zu. Auch hat es entzündungshemmende Eigenschaften und den Vorteil, nicht ranzig zu werden. Für empfindliche, trockene, zu Entzündungen neigende Haut ist Aloeöl zu empfehlen, das auf die Haut regenerierend und feuchtigkeitsregulierend wirkt. Seine Haltbarkeit ist auf max. 1 Jahr beschränkt.

Auf 100ml fettes Öl rechnet man etwa 15 Tropfen ätherisches Öl. Die Mischung muß gut verschüttelt werden.

 

bei normaler Haut: Jojobaöl mit Rose, Neroli, Karottensamen
bei trockener Haut: Aloeöl mit römischer Kamille, Jasmin, Rose, Honig
bei fettiger Haut Jojobaöl mit Lavendel, Lemongrass, Cistrose, Zypresse
bei unreiner Haut & Akne: Jojobaöl mit Thymian, Schafgarbe, Bergamotte, Zeder

Haarshampoos

Auch Haarshampoos mit persönlicher Duftnote oder auf das persönliche Haarproblem abgestimmt können leicht selbst hergestellt werden. Als Grundlage verwendet man ein geruchloses, neutrales Shampoo; das man auch leicht selbst herstellen kann, aus:

2 Eidotter, 2 EL Rum und ca. 3 Tropfen ätherisches Öl
oder
1 Eidotter, 50ml Bier, 1 EL Rum und ca. 3 Tropfen ätherisches Öl.

 

trockenes Haar Honigöl, Ylang Ylang
fettiges Haar Lavendel, Zitrone
gegen Schuppen: Schafgarbe, Zypresse
brüchiges Haar: Sandelholz, Ylang Ylang
für blondes Haar: Zitrone, Lemongrass
für dunkles Haar: Rosenholz, Sandelholz

Körper- und Massageöle

Die Grundlage wertvoller Körper- und Massageöle bilden unraffinierte, kaltgepreßte Pflanzenöle, wie süßes Mandelöl, Jojobaöl, Aloeöl, Weizenkeimöl, Olivenöl oder Haselnußöl

Auf 100ml Pflanzenöl rechnet man etwa 15 – 25 Tropfen ätherisches Öl.

 

Körperpflegeöl: 100ml Jojobaöl mit Zimt, Rose, Jasmin, Ylang Ylang, Sandelholz
Sonnenschutzöl: 100ml Jojobaöl mit Karottensamen und Zitrone
Sonnenbrandöl: 100 ml Aloeöl mit Lavendel
Aphrodite – Öl: 80ml Mandelöl, 20ml Weizenkeimöl mit Ylang Ylang und Vetiver

Badezusätze

Ätherische Öle dürfen nicht direkt ins Badewasser gegeben werden, sondern 10 – 15 Tropfen ätherisches Öl werden auf 2 Tassen Milch, 4 EL Honig, Sahne, Neutralseifenlösung oder Meersalz gegeben. Oder man gibt das Duftöl in 200g Badekleie und hängt das Säckchen in die Wanne.

Vorschläge für Vollbäder:

 

entspannend: Honig, Rosenholz, Orange, Melisse
anregend & erfrischend: Zitrone, Minze, Lavendel, Zirbelkiefer
pflegend: Jasmin, Sandelholz, Ylang Ylang, Rose, Patchouli
Grippebad: Eukalyptus mit Salbei und Thymian
Abendbad: Jasmin mit Rosenholz und Zeder