Schottisches Wiegenlied einer Verlassenen

Schlaf' sanft, mein Kind, schlaf' sanft und schön!
Mich dauert's sehr, dich weinen zu seh'n;
Und schläfst du sanft, bin ich so froh,
Und wimmerst du, das schmerzt mich so!
Schlaf' sanft, du kleines Mutterherz,
Dein Vater macht' mir bittern Schmerz.
Schlaf' sanft, mein Kind, schlaf' sanft und schön!
Mich dauert sehr, dich weinen seh'n.

Dein Vater, als er zu mir trat,
Und süß, so süß um Liebe bat,
Da kannt' ich noch sein Truggesicht,
Noch seine süße Falschheit nicht.
Nun leider! Seh' ich, seh' ich's ein:
Wie nichts wir ihm nun beide sein.
Schlaf' sanft, mein Kind, schlaf' sanft und schön!
Mich dauert sehr, dich weinen seh'n.

Ruh' sanft, mein Süßer, schlafe noch!
Und wenn du aufwachst, läch'le doch;
Doch nicht, wie einst dein Vater that,
Der lächelnd mich so trogen hat.
Behüt' dich Gott! - doch macht's mir Schmerz,
Daß du auch trägst sein G'sicht und Herz.
Schlaf' sanft, mein Kind, schlaf' sanft und schön!
Mich dauert sehr, dich weinen seh'n.

Was kann ich thun? Eins kann ich noch:
Ihn lieben will ich immer doch!
Wo er geh' und steh' nah' und fern,
Mein Herz soll folgen ihm so gern.
In Wohl und Weh, wie's um ihn sei,
Mein Herz ihm immer wohne bei.
Schlaf' sanft, mein Kind, schlaf' sanft und schön!
Mich dauert sehr, dich weinen seh'n.