Fehdelust

Mich freut des süßen Lenzes Flor,
Wenn Blatt und Blüthe neu entspringt;
Mich freut's, hör' ich den muntern Chor
Der Vöglein, deren Lied verjüngt
Erschallet in den Wäldern;
Mich freut es, seh' ich weit und breit
Gezelt' und Hütten angereih't;
Mich freut's, wenn auf den Feldern,
Schon Mann und Roß zum nahen Streit
Gewappnet stehen und bereit.

Mich freut es, wenn die Plänkler nah'n
Und furchtsam Mensch und Heerde weicht;
Mich freut's, wenn sich auf ihrer Bahn
Ein rauschend Heer von Kriegern zeigt;
Es ist mir Augenweide,
Wenn man ein festes Schloß bezwingt,
Und wenn die Mauer kracht und springt.
Und wenn ich auf der Haide
Ein Heer von Gräben seh' umringt,
Um das sich starkes Pfahlwerk schlingt.

Vom wackern Herrn auch freut es mich,
Wenn er zum Kampfe sprengt voran
Auf seinem Schlachtroß ritterlich:
Denn so spornt er die Seinen an
Mit kühner Heldensitte!
Und wenn er angreift, ist es Pflicht,
Daß jeder Mann, mit Zuversicht
Ihm nachfolgt auf dem Schritte:
Denn jeder gilt für einen Wicht,
Bevor er wacker kämpft und ficht.

Manch' farb'ger Helm und Schwert und Speer
Und Schilde schadhaft und zerhau'n;
Es schweifen irre Rosse
Gefall'ner Reiter durch das Feld,
Wenn er ein edler Sprosse,
Nur, wie er Arm' und Köpfe spellt,
Er, der nicht nachgiebt, lieber fällt.

Nicht solche Wonne flößt mir ein
Schlaf, Speiß' und Trank, als wenn es schallt
Von beiden Seiten: Drauf, hinein!
Und leerer Pferde Wiehern hallt
Laut aus des Waldes Schatten,
Und Hülferuf die Freunde weckt,
Und Groß und Klein schon dicht bedeckt
Des Grabens grüne Matten,
Und Mancher liegt dahin gestreckt,
Dem noch der Schaft im Busen steckt.

Vom Troubadour Bertrand de Born, im 12. Jahrhundert