Der Lebenszyklus und seine Feste
Zeiten des Überganges und ihre Rituale

Unser ganzes Leben ist bestimmt durch bestimmte Regelmäßigkeiten, sei es die Einteilung von Tag und Nacht oder unsere Jahreskreisfeste. So wie wir einen Tag in zwei Abschnitte teilen oder ein Jahr in vier, können wir auch unser Leben in bestimmte Abschnitte teilen. Dieser Lebenszyklus wiederholt sich mit jedem Leben wieder, nur ist es auf den ersten Blick nicht so überschaubar wie ein Tag oder Jahr. Einige Ereignisse werden in unserer Gesellschaft groß gefeiert; nur sind sich die meisten Menschen nicht mehr bewußt warum sie das tun. Sie begehen die Feste nicht bewußt, feiern sie für andere und nicht für sich und ihre eigene Sippe.
Warum sind Rituale wichtig? Übergangsriten geben dem Leben einen bestimmten Rhythmus und dem einzelnen Mensch einen Platz in seiner Gemeinschaft. Durch Rituale wird Neues begrüßt und Altes losgelassen, Lebensabschnitte eingeleitet oder verabschiedet.
Mit dem Feiern von Lebenskreisfesten können wir unserern inneren und äußerlichen Veränderungen ein Gesicht geben, wir können durch Rituale zeigen wo wir stehen, können bewußt einen neuen Weg beginnen oder einen alten hinter uns lassen. Manche Abschnitte begehen wir ganz für uns allein und einige mit der ganzen Gemeinschaft. Egal wie wir sie feiern und begehen, wichtig ist, was man für sich persönlich will. Ich habe gemerkt, daß gerade Kinder es als sehr angenehm und bereichernd finden, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sich durch die einzelnen Rituale besser zurecht zu finden. Sie können auf Veränderungen besser reagieren und alte Gewohnheiten gut hinter sich lassen. Der Schulanfang oder die Reife sind im Kindesalter zwei sehr wichtige Zeiten in der sich das Kind jedesmal massiv neu orientieren muß. Wir Erwachsenen können ihnen dabei helfen. Und wenn sie als Kinder lernen solche Umbrüche mit der Gemeinschaft, der Familie gemeinsam zu meistern, werden sie als Erwachsene leichter mit diesen Veränderungen umgehen.
Lebenskreisfeste sind keine religösen Feste, sie binden nicht an einen bestimmten Gott oder Götter, sie binden dich höchstens an das Leben. Sie stellen einen Zusammenhang her zwischen dem Werden, Sein, Vergehen und der Wiederkehr.
Nun zu den einzelnen Lebenszyklen. Eingebettet in Geburt und Tod haben wir etwa vier Zyklen mit jeweils zwei großen Abschnitten die wir durchlaufen.

In unserem Leben gibt es in etwa aller sieben bis zehn Jahre eine Wendung. Jeder Mensch ist anders und bei jeden läuft es auch nicht immer so abrupt ab, sondern zieht sich über zwei/drei Jahre hin. Mein eigener Rhytmus liegt bei etwa acht/ neun Jahren. Das war mir nicht von Anfang an bewußt, ich habe es erst durch mein eigenes Kind erkannt. Auch ich hatte Feste wie Schulanfang und Jugendweihe, die nur gefeiert wurden, weil es alle machen. Daraus nehmen konnte ich mir aber nichts. Sogar meine Taufe(christlich) wurde nur durchgezogen, weil es meinen Opa sonst das Herz gebrochen hätte. Mein Auszug aus dem Elternhaus ging auch ganz leise und sachlich vor sich. Erst mit der Geburt meines Sohnes habe ich einen neuen Lebensabschnitt bewußt begangen.
Ich werde in meine Gliederung noch die Zeit der Trennung und Scheidung mit einbeziehen. Da ich sie aber keiner bestimmten Zeit zuordnen kann und sie auch mal gar nicht mit im Leben vorkommt, werde ich sie zum Schluß behandeln.
Ich möchte mit diesem Text und einigen Erfahrungsberichten die Lebensabschnitte mit ihren Ritualen und Festen wieder mehr in unser Bewußtsein bringen und versuchen, zu erläutern, warum sie so wichtig für uns und unsere Kinder sind. Ich möchte erklären wie es damals gewesen sein könnte, wie es heute ist und wie wir es in unser heutiges Leben einbinden könnten.
In den folgenden Abschnitten beleuchte ich den Idealweg, der unser Leben nehmen kann. Ich gehe davon aus, wie alles verlaufen könnte. Die wenigsten heiraten mit zwanzig, haben danach Kinder und sind sie mit vierzig wieder los. Und wer ist im Alter bei seiner Familie und nicht in irgendeinem Heim? Viele verschiedene Situationen mag es im Leben geben, die unsere Entscheidungen erfordern und dieser Text könnte als kleiner Wegweiser oder Ideenanreiz dienen.

Aniko