Der Hort der Dichtung

Eine Göttersage in sechszehn Gesängen; Leipzig 1853

Wodan's Gelübde

Allvater hob sich an der Götter Mahl
Vom goldnen Pfühl:
So durchs Gewühl
Der Nordlichtsgluten zuckt ein lichter Strahl;
Wie klingender Stahl,
Wenn er an Riesenschilde rasselnd prallt,
War seines Tritts Gewalt;
Daß die freudigen Götter mit jähem Entsetzen
Erbebten auf ihren Plätzen.
Denn seit bei Aegir's trübem Feste
Die unerhörte Schmach geschehn,
Nie hatten die Walhallagäste
So zornig ihren Wirth gesehn.
Wie sich bei nahenden Gewittern
Die Schwalbe senkt im Wolkengraun,
Sah man des Weltalls stolze Herrscher zittern
Vor ihres Königs strengen Brau'n.
Und Alle flogen hoch empor,
Der holde Freyr - der starke Thor,
Der Mjölner's-Schwinger
Hrugnir's Bezwinger -
Bragi, der liedertrunkne Greis,
Tio, der Schlachtenkämpen Preis -
Und der, im Vanen-Hain erzogen,
Im Asenland
Die Heimat fand,
Der hohe Niord -
Sie Alle von den goldnen Thronen flogen,
Zu lauschen auf Allvaters Wort.
Doch Wodan nahm in seine Hand
Das Methhorn, das auf goldnem Fuße,
Selbst golden, ewig vor ihm stand,
Und schwang es hoch, wie er's zum Gruße
Der seligen Einherier schwingt,
Die sich ihm nahn mit freudigem Bangen,
Wenn Wallhalls Pforte offen springt,
Die Asengäste zu empfangen;
Dann blickt so mild, wie seiner Sonne Licht
Die Götterhuld aus Wodan's Angesicht:
Doch heut wie Sturmesrasen
Anblitzt er die Asen,
Und schwingt das Horn
Im Zorn;
Setzt's an den Mund,
Als wollt' er's leeren,
Wie er gewohnt, bis auf den Grund,
Asgards Genossen zu Ehren.
Doch eh' noch ein Tropfen die Lipp' ihm benetzt,
Hat er's abgesetzt,
Hat er's hingeschleudert mit mächtiger Hand
An des Saales Wand,
Daß, o! Vaulundur! sähst du die Schmach,
Dein Werk in tausend Trümmer brach,
Und vom Naß besprengt der Götter Schaar
Wie Raben im Walde zerstoben war -
Doch als der Götter und der Menschen Hort
Anhub zu reden sein gewaltig Wort,
Da sah man, gleich als wäre nichts geschehn
Jedweden Gott vor seinem Sessel stehn.
Und Wodan sprach: "So wahr ich dies mein Horn
Zerschmetterte, des Göttertrankes Born,
Verkünd' ich Euch, die Ihr in Herrlichkeit
In Walaskjalf um mich versammelt seid:
Kein Tropfen, sei's Wein, Meth oder Bier
Erlabt fortan die durstige Lippe mir,
Eh jenes Werk, das ich mir vorbedacht,
Von meiner eignen Götterkraft vollbracht!
Ihr werdet manchen Tag mich nicht mehr sehn,
Doch nimmermehr gelingt Euch, zu erspähn,
Zu welcher Wesen Wohnungen mein Fuß
Mich trug nach unabänderlichem Schluß.
Ihr Jungfrauen an der Zeiten Bronnen, hört
Den Eid, den Euch der Gott der Götter schwört."
Und still war Alles, und er hob die Hand,
Den Eid zu schwören, der die Asen band. -
Nicht länger hält sich Donar-Thor,
Der Höchste unter allen Hohen;
Aus seinen grimmen Augen lohen
Der Streitlust Flammen hoch empor.
"Wie? Vater!" hub er an zu reden,
- Und jeglich Wort war Sturmgebraus, -
"Du gehst hinaus zu langen Fehden
Aus deines Friedens lichtem Haus,
Und läßt daheim in öder Halle,
Die Asen, deine Söhne, Alle?
Ich rühme mich nicht meiner Kraft;
Doch kann zu deinem schweren Werke
Nicht meines Gürtels Wunderstärke
Nicht meines Hammers weitberühmter Schaft
- Du achtest beides selbst des Himmels beste Stützen -
Kann keines dir im Streite nützen?"
"Im Kampf, den ich mir auserkor",
Sprach Wodan,"kann die Kraft der Kräfte
Mir nimmer dienen, starker Thor.
Und auch der Schaft nicht aller Schäfte;
Mir bringt allein mein vielerfahrner Sinn
Und was von Sökquabeck die Maid mich lehrte
Und Mimer's Haupt, das weitgeehrte,
Für mein mühselig Ziel Gewinn;
Allein will ich das Werk vollbringen,
Allein mit bösen Mächten ringen,
Allein mich wieder aufwärts schwingen
Zu meines Saales Sternenpracht:
Ihr Andern, haltet treue Wacht,
- Und, Schreck der Joten, du vor Allen -
Daß nicht des Urstoffs rohe Macht
Erstürme diese seligen Hallen!"


Wodan und Frigga

Und aus der Götter Kreis geschieden
Stieg er ins duftige Gefild,
Wo jeder Pfad von süßem Frieden,
Von Wonne jede Knospe schwillt,
Aus seinen klirrenden Walhallen
Ging still der König und allein,
Und trat ins Thal der Nachtigallen
Und trat in Wingolf's Rosenhain.

Das sind die heißersehnten Räume,
Wo die gepries'nen Hallen stehn,
Wo Dulder ihrer schönsten Träume
Unsterbliche Gestalten sehn;
Dort ragen sie die Strahlenzinnen
In Frühlingsglanz, in Morgenglühn,
Wo Asgards Kronenträgerinnen
In ewiger Jugend Schöne blühn.

Von Silberlilien steht getragen
Ein Dach wie Thau im Sonnenschein,
Und Stufen führen hin, geschlagen
Aus einem Fels von Edelstein,
Und ringsumher in Myrtenlauben
Geliebte wallen Hand in Hand,
Und Botschaft bringen Turteltauben
Den Seligen vom Heimatland.

Das ist das Reich der ewigen Milde,
Wohin ein Seufzer niemals drang;
Folkwang, so nennt dies Lichtgefilde
Der Barden Preis, der Skalden Sang.
Dort wwo der Liebe stillem Dulden
Der wundervollste Lohn gewiß,
Dort thront die Fürstin aller Hulden,
Dort waltet Freya-Vanadis.

Vergebens, süße Nachtigallen,
Lockt euer Lied - er eilt vorbei -
Will er zu dir, Iduna, wallen,
Daß deine Frucht ihm Labung sei?
Du beust umsonst mit weißen Händen
Der Lebensäpfel weißes Licht,
Spar', schönste Göttin, deine Spenden!
Der Herr des Lebens will sie nicht.

Er eilt dahin mit Donnerschritten,
Als riefe Gjallarhorn zur Schlacht,
Bis ihm aus goldner Haine Mitten
Ein Wunderhaus entgegenlacht.
Dem kann in jenen stolzen Reichen,
Im glanzumwebten Wonnethal,
An Herrlichkeit sich nichts vergleichen,
Denn das ist Fensal, Frigga's Saal.

Sie, der sich beugen die Asynen,
In ihrer Hoheit thront sie da;
Zur Seite steht mit ihrem kühnen
Siegsfrohen Blick die stolze Gna;
Und, in der Locken Perlenbänder,
Ruht Fulla zu der Fürstin Fuß,
Und Hlyn, die oft durch Erdenländer
Mit süßem Troste wallen muß.

Sie, der sich beugen die Asynen,
Wenn sie aus Fensals Pforten tritt,
Die Göttin mit den stolzen Mienen,
Wie zittert sie bei Wodan's Schritt!
Entgegen ihrem Herrn zu schweben,
Steigt sie herab vom Strahlensitz,
Erschüttert bebt ihr ganzes Leben
Von der gewaltigen Augen Blitz.

Er aber sprach mit lindem Klange:
"Von dir zu scheiden, Frigga, bin
Ich hier - zu langem, schweren Gange
Treibt mich die Norne, wie mein Sinn.
Dein Antlitz darf ich nicht mehr schauen,
Nicht deiner Locken Sonnenschein,
Fern geht mein Weg von Wingolf's Auen,
Wohin? ich weiß es - ich allein!"

Wie wenn im Norden eine Fichte
Auf ihrem Felsen stolz sich hebt,
Mit ihrer Krone Pracht dem Lichte
Der Seligen entgegenstrebt;
Doch vom Orkane halb gebrochen,
Ihr Antlitz senkt der Erde nah,
So stand, als Wodan ausgesprochen,
Bei seinem Wort Fiorgynia.

"O Herr", so sprach sie, "nimmer wenden
- Ich weiß es - kann mein Liebesflehn
Die Runen, die mit Schicksalshänden
In deiner Brust geschrieben stehn.
Unbeugsam ist Allvaters Wollen,
Was je sein Herz beschlossen, bricht
Der Erde nicht, des Himmels Grollen,
Und seiner Frigga Thräne nicht.

Nur eins, Geliebter, darf ich fragen,
Das ist der Gattin heilig Recht,
Was ist das Ziel von deinem Wagen?
Gehst du mit Riesen ins Gefecht?
Gehst du hinab, um gleich zu werden
Den Menschen an Gestalt und Blick?
Den bösen Königen der Erden
Bringst du das späte Strafgeschick?

O, so bedenke, daß Gefahren
Dem Götterkönig selber drohn;
Einst siegen sie, die schwarzen Scharen,
Einst wankt Allvaters höchster Thron.
Denk', daß die gottgeborne Stärke
Nicht immer schützt vor Trug und List;
Denk' König Geirodd's böser Werke,
Dem du mit Pein entronnen bist."

Da zuckt' es um des Gottes Brauen:
"Ich mich besinnen?" sprach er - "nein!
Wär nicht des Kampfes heilig Grauen,
Wär' es denn werth, ein Gott zu sein?
Soll die Gefahr mich nicht umschlingen,
Ist auch die Krone nicht für mich!
Sollt' ich nicht streiten, leiden, ringen,
Des Staubes Loos beneidet' ich!

Nur Kampf ist Jugend, Kampf ist Leben!
Was ist denn Hoheit, was ist Kraft,
Wenn nicht in ew'ger Arbeit Streben
Das Schöne sie, das Gute schafft?
So mögen fallen Asgards Säulen,
Mag Muspel's Schaar in Waffen stehn,
Mag Bifrost brechen, Fenris heulen,
Im Kampf wird Wodan untergehn!

Was ich mir diesmal ausgesonnen,
Was mir der Norne Rath gebot,
So Herrliches ward nie begonnen,
So lang der Asen Flamme loht.
Nicht Frevler gibt es zu verderben,
- Tyrannen trifft ihr eignes Schwert -
Doch um ein Kleinod geh ich werben,
Das mehr als alle Kronen werth:

In Riesenhöhlen liegt begraben
Des hohen Quasir heilig Blut,
Den Fjal' und Gal' erschlagen haben
In ihres Neides Frevelmuth.
Ihm war das Herrlichste gegeben,
Was Himmelsgnade spenden kann,
Der Sängerglut unendlich Leben,
Das ihm in allen Adern rann.

Ihm hatten wir die ganze Klarheit
Von unserm reinsten Licht verliehn,
Die Vanen gaben ihre Wahrheit,
Wir gaben unsre Glut an ihn.
In Trümmer brach des Sehers Hülle,
Doch seines Wesens höchstes Gut,
Die Kunt der Lieder ganze Fülle
Sie lebt noch fort in Quasir's Blut.

Dies Blut, sie haben es geleitet
In dreier Schalen goldnes Bett,
Und einen Trunk daraus bereitet,
Den nennt man des Gesanges Meth,
Der ist der Dichtung ewige Quelle:
Wer eines Tropfens nur genoß,
In dessen Busen bricht die Welle
Der göttlichen Entzückung los!

Wir liehen selbst uns zu verklären
Dem Quasir unsers Geistes Kraft,
Und sollten nun der Flut entbehren,
Die neue Welten ewig schafft?
Der Riese Suttung hat vermauert
In tiefste Kluft den theuern Meth,
Gunlöda wacht bei ihm und trauert,
- Sein blondes Mädchen - früh und spät.

Seit mir die Nornen dies verrathen,
Quält Sorge mich und herbe Pein;
Wo wir gesä't die theuern Saaten,
Da soll die Frucht nicht unser sein?
Mit Quasir's Meth, was soll der Riese?
Kennt er doch nur des Habens Glück,
Woher es stammt, zum Paradiese
Hol' ich der Dichtung Hort zurück!

Ich Herr des Alls, ich könnte nimmer
Den Sterblichen, die zu mir schrein,
In ihrer Erdennacht den Schimmer
Des tröstenden Gesanges leihn!
Wir selbst, wir werden einst zu nichte
In Ragnaroker's düsterm Schoos:
Nur in des Barden Hochgedichte
Harrt unser ein unsterblich Loos.

So will ich, meine Frigga, scheiden
Von Asgards Licht und, o! von dir;
Erniedern muß ich mich und leiden,
O litte Niemand außer mir!
Ein schlichter Pilger will ich wallen
In meiner Feinde düstres Land,
Betreten will ich Suttung's Hallen,
Ein Sterblicher in Knechtsgewand!"

Und Frigga staunt. Sie hätte gerne
So manches Dunkle noch gewußt.
Doch der Geliebte war schon ferne:
Da hob ein Seufzer ihre Brust.
Sie ging hinein mit finstern Mienen,
Daß Hlyn und Gna mit Fulla flohn -
Vor der sich neigen die Asynen,
Sie netzt mit Thränen ihren Thron.


Wodan kommt zu den Riesen

Er aber nahm
Den Stab zur Hand
Und ging, und kam
Ins Riesenland.
An Wuchs und Kleide
Schlicht und gering,
Durch öde Haide
Der König ging.
Er hat erklommen
Der Berge Schnee
Und ist geschwommen
Durch manchen See;
Durch Finsternisse,
Durch Eis und Glut.
Durch Felsenrisse,
Wo Ungeheuer,
Im Rachen Feuer,
Gefräßig hausen,
Ging ohne Grausen
Wafruthner's Sieger;
In Klüfte stieg er
Und wieder empor,
Durch Molchgewimmer,
Wohin sich nimmer
Ein Tagesschimmer,
Ein Fuß verlor.
Denn jene Marken,
Wo meerumbraust
Das Geschlecht der starken
Jotunen haust,
Sie streben trutzig
Zum Himmel empor,
Sie, die zum Schutz sich
Der Thurs erkor;
Umzäunet starrt es
Von Ymer's Gebein
Verwandelt in hartes
Felsgestein.
Der Menschen Schauer,
Der Götter Neid,
Ist jene Mauer
Von Ewigkeit.

Und Tage viele
Und Nächte lang,
Wallt' er zum Ziele
Den sauern Gang.
Auf einmal stand
Er hoch am Rand
Vor einer weiten, grünen Wiesen.
Dort mähten Gras
Ohn' Unterlaß
Gewaltige Söhne der Riesen,
Neun an der Zahl;
Im Morgenstrahl
Wie blinkten die Sensen, die hellen,
Wie stürzten jach
Vor ihrem Schlag
Des Grases bäumende Wellen:
So rasches Mähn
Ward nie gesehn
So lang die Sensen erfunden;
Mach's Auge zu,
So sind im Nu
Neun Morgen Grases verschwunden.
Und Wodan lief
Heran und rief:
"Willkommen, fröhliche Recken!
Und ist euch recht
Ein Helfer? sprecht!
Noch trefflicher dann wird's klecken."
Die Riesen zu Hauf
Sie lachten auf, -
Das gab ein solches Getöse,
Als ob in Wuth
Die Meeresflut
In Muspel's Loh' sich ergösse.
"O hört den Wicht,
Was er verspricht;
Solch Einen suchten wir lange!
Ob heben kann
Der gute Mann
Die Sense, da sind wir nur bange."
Und mehr denn zuvor
Schwoll das Lachen empor,
Sie warfen die Sensen von hinnen,
Und wälzten sich baß
Im grünen Gras:
So froh war ihnen von Sinnen.
Doch Wodan's Kraft
Faßt an den Schaft:
"Einst wußt' ich dies Ding zu schwingen!
Und ist sie nur scharf,
Ich sagen darf,
Auch heute wird's mir gelingen."
Und er prüft mit der Hand
Des Stahles Rand,
Dann schüttelt das Haupt er bedächtig;
Greift nach einem Stein
In den Gürtel hinein,
Nahm ihn, und wetzte sie mächtig.
Dann schwang er sie um
Sich halb herum -
Rasch blitzte die zischende Schlange
Dahin und fraß
Neun Morgen Gras
In einem einzigen Gange.
Die Riesen zu Hauf
Sie sprangen auf
Und schrien: "Das mögen wir leiden!"-
"Das thut allein
Der seltne Stein!"
Versetzt der Kluge bescheiden,
Und lächelt dabei.
Da gab's ein Geschrei:
"Den Schleifstein müssen wir haben!
Was soll er dir?
Wir brauchen ihn, wir!
Wir bieten dir reichliche Gaben!"
Doch Wodan sprach:
"Ihr Leute, gemach!
Wenn ihr mir zahlt was billig,
- Mir ward er theu'r,
Dann ist er eu'r,
Ich geb ihn euch gern und willig!"
Da schrien sie noch mehr:
"Gib her! gib her!
Was hilft es, daß du dich wehrest?
Mir her den Stein!"
Neun Kehlen schrein:
"Ich zahle, was du begehrest!"
"Da nehmt ihn hin!
Er bring' euch Gewinn!
Wer ihn fängt, behalt' ihn als Beute -
Ich werf ihn hinein
In eure Reihn -
Vertragt euch wie redliche Leute!"
Hin stürzt sich der Knäul
Mit wüstem Geheul,
Jedweder will es erraffen
Das köstliche Gut;
Schon strömte das Blut,
Schon wurden die Sensen zu Waffen.
Sie hieben mit Macht,
Das ward eine Schlacht!
Ein Jeder glaubt in den Händen
Des Andern den Stein
Und brüllt: "Er ist mein!
Zur Hölle will ich dich senden!"
Der hebt den Stahl
Nicht zum andern Mal,
Schon fühlt' er selbst im Genicke
Ein Eisengebiß -
Und Finsterniß
Wird's vor dem brechenden Blicke.
Bald war's geschehn:
Da konnte man sehn
Zerstreut auf blumiger Wiesen
Weitausgestreckt
Mit Blut bedeckt
Neun stumme Söhne der Riesen.


Bauge's Vertrag

Bauge schaut so frohen Muthes
Nieder auf die Herrlichkeit
Seines ungemessnen Gutes,
Wie das prangte weit und breit,
Goldne Saat und grüne Wiesen,
Heerden junger Fohlen drauf;
Niemand nimmt im Land der Riesen,
Niemand es mit Baugen auf!

Hoch auf eines Hügels Spitze
Hat er sich sein Haus erbaut,
Daß er weit vom goldnen Sitze
Auf das Thal herniederschaut.
Jeden Morgen, wenn die Sonne
Badend schwelgt in Purpurschein,
Bauge steht und spricht mit Wonne:
"Alles - Alles dies ist mein!"

Mein -! o holder Name, dessen
Klang so tief das Herz entzückt -
Deine Wonne ganz ermessen
Kann nur, wer so reich beglückt.
Spricht zu seinem Bettelstabe
Stolz doch schon der Bettler: Mein;
Ich mit meiner stolzen Habe
Wie muß ich glückselig sein!

Thoren hört' ich öfters preisen
Ehre, Schönheit, Kunst und Ruhm,
Das sind magre Bettlerspeißen;
Ehre - das ist Eigenthum;
Schön ist's - wenn der volle Speicher
Nicht Ein Korn mehr fassen mag,
Kunst und Ruhm ist's - reich und reicher
Stets zu werden Tag für Tag.

Wohl gerieth mir alles heuer,
Regen sich mit Wärme paart,
Hätt' ich nur in sichrer Scheuer
Erst mein frisches Heu verwahrt!
Hab' zum Mähen mir gedungen
Wackre Sensenschwinger - neun,
Will hinab, um meiner Jungen
Frischer Arbeit mich zu freun!"

Und bedächtig steig der Reiche
Nun zum grünen Thal hinab,
In der Rechten junger Eiche
Schlanken Stamm als Wanderstab;
Ging durch halbgereifte Aehren,
Die ein schmaler Pfad durchschlingt,
Recht, wie wenn auf grünen Meeren
Stolz ein Schiff die Segel schwingt.

Oefters beugt er sich zu ihnen,
Prüfend ihrer Frucht Gewicht,
Froher wurden seine Mienen,
Leuchtender sein Angesicht.
Seiner Schnitter Fleiß zu loben
Trat er stolz zur Wiese hin -
O, ihr Seligen dort oben,
Wie ward Baugen da zu Sinn!

Hat ein Zauber ihn geblendet?
War es wirklich, was er sah?
Halb den Blick hinweggewendet,
Angedonnert steht er da.
Wie der Sturm mit junger Eichen
Leibern oft den Grund bedeckt,
Sieht er seiner Schnitter Leichen
Bleich und blutig hingestreckt.

Und er rauft die grauen Haare,
Und er klagt: "Ich armer Mann!
Daß mir doch in diesem Jahre
Nichts, auch gar nichts glücken kann!
All mein Gras wird nun verderben,
Andre Knechte hab' ich nicht,
Hungers wird die Heerde sterben,
Wenn im Herbst das Heu gebricht!"

Da trat Wodan vor, verborgen
Hatt' ein Schober ihn bis da;
"Deshalb sei du ohne Sorgen",
Sprach er: "Dir ist Hülfe nah!
Was die Neune schafften, mein' ich,
Schafft' ich ganz alleine schon,
Werden anders wir uns einig
Um der Müh verdienten Lohn."

"Wer ist hier, der meinem Grame
Hohn", rief finster Bauge, "spricht?
Komm hierher - wie ist dein Name?
Und von wannen, frecher Wicht?"
"Böllwerk heiß' ich", sprach der Andre,
"Höhnen hab ich nicht gewollt!
Mähen lernt' ich und ich wandre
Suchend meiner Arbeit Sold!"

"Laß denn hören", sprach der Riese,
"Wo du nicht ein Prahler bist,
Mähtest du die ganze Wiese
Wohl in dreier Monde Frist.
Werden sah ich viele Dinge,
So ich möglich nie gemeint,
Und dein Lohn sei nicht geringe!
Fordre, was dir billig scheint."

"Nicht um lumpig Gold zu frohnen
Acht' ich würdig freiem Mann;
Andre Gabe muß mich lohnen,
Die nicht Jeder spenden kann!
Fordre nichts von deinen Schätzen!
Doch zu meines Schaffens Dank
Muß die heiße Lippe netzen
Mir ein Zug vom Quasir-Trank!"

"Wie?" rief Bauge da - "Geselle!
Du verlangst nach jenem Meth,
Der in tiefster Felsenzelle
Meines Bruders Suttung steht?!
Wohnt ein Schalk vielleicht im Herzen,
Böllwerk, dir, der Thorheit spricht?
Magst mit Baugen immer scherzen,
Nur mit Suttung scherze nicht."

"Scherzend lieb ich nicht zu sprechen,
Scherzhaft ist mir nicht zu Sinn!
Nach des Liedes Flammenbächen
Sehnt sich meine Seele hin!
Daß zum Miethling nicht geboren
Böllwerk sei, du merkst es nun!
Doch um solchen Preis, geschworen
Hab ich, Knechteswerk zu thun."

Einem Träumenden vergleichbar
Bauge brütet', Bauge sann.
"Fordre nichts, was unerreichbar,
Guter Böllwerk!" sprach er dann.
Wären mein die Fässer, gäbe
Herzlich gern ich alle her;
Aber - nein! - so wahr ich lebe!
Suttung thut es nimmermehr!"

Sieh! mit Suttung mich entzweite
Bittrer Groll seit jener Zeit,
Wo ich liebestrunken freite
Um Gunlöden, seine Maid.
Ach! die Maid mit Locken, golden,
Die ich nimmermehr vergaß,
Wie sie spielend, mit dem holden
Lächeln unter Blumen saß.

Höhnisch schlug er meine Minne
Redliches Begehren ab,
Trug mit feindlich wildem Sinne
Meine Hoffnung mir ins Grab.
Und des Mädchens junge Blüten,
Eh er mir sie gönnte, stieß,
Seinen Quasir-Meth zu hüten,
Er in Hnitbergs Felsverließ!"

"Wer dem Bären in den Rachen
Nie zu blicken sich getraut,
Hab' ich eine Grube machen",
Sagte Böllwerk, "oft geschaut.
Was die Bitten nicht erzwingen
Nicht das brüderliche Flehn,
Mag vieleicht durch List gelingen,
Mag durch klugen Rath geschehn.

Aber billig ist mein Sinnen;
Wer Unmögliches begehrt
Durch Verträge zu gewinnen,
Nur der Thoren Zahl vermehrt.
Doch wenn ich dein Werk vollende,
Schwörst du, dann mit aller Macht
Mir zu dienen, daß zum Ende
Auch das meine sei gebracht?"

"Ja! mit Allem, was ich habe,
Ja! mit Allem, was ich weiß,
Schaff' ich, daß die theure Gabe
Böllwerk! kröne deinen Fleiß.
Wagen jeglich Abenteuer
Will ich, prüfen jede List,
Bis des Dichtertrunkes Feuer
Dein Gewinn für ewig ist."

"Nun, so laß mit guten Eiden
Uns den Pakt besiegeln gehn!
Dann an meiner Sensen Schneiden
Sollst du deine Freuden sehn!
Bis der letzte Halm gefallen
Bin dein Knecht ich, bin dein Mann -
Aber dann in Suttung's Hallen
Wirst du meiner - denk daran!"


Gunlöda

Gunlöda saß und sang und spann,
Das Mädchen in den lichten Locken,
Und wie sie sang und wie sie sann,
Thrän' über Thräne niederrann
Auf ihren goldgefaßten Rocken.
Gunlöda seufzte, Suttungs Maid,
In tiefster Höhle Einsamkeit,
Um aller Wonnen zu entbehren,
Die sonst das Leben mild verklären.
Ihr schien kein rosig Morgenlicht -
Das Lied der Lerche weckt sie nicht -
Der Nachtigallen süße Klage
Erzählt ihr keine Liebessage.
Die Flur in ihrer grünen Pracht
Der Wald in seiner Frühlingstracht,
Sie ahnt nicht, wie sie nun sich schmücken,
Um alle Wesen zu entzücken.
Kein liebes Auge mild und traut,
Das zärtlich ihr ins Antlitz schaut;
Kein Mund, von dem sie holde Töne
Des Trostes lauscht, sie sitzt allein,
Mit ihrer Thränen Demantschein,
Allein, allein mit ihrer Schöne! -
Sie, werth mit Odur's Wallerin
Zu ringen um des Reizes Kronen,
Zu überwinden Gefionen
An heilig jungfräulichem Sinn -
Was sie ins Felsengrab verborgen,
Ist's der Wallhallatöchter Neid,
Ist's Eifersucht von Ottar's Maid,
Sind es Fiorgyniens stolze Sorgen?
Wenn solche selige Gestalt
Auf irdischen Fluren sichtbar wallt,
Weß Auge, statt auf sie zu blicken,
Gebete wird nach Folkwang schicken?
Habt ihr der Wunderblüte Duft,
Ihr, Asgards königliche Frauen
Verstoßen in des Grabes Grauen,
Verriegelt in die Felsenkluft?!
Nein! anders flüstert mir die Sage!
Nicht euch ertönt Gunlödens Klage;
Er, dem sie schuldet ihre Tage,
Hat sie verbannt in Höhlennacht,
Daß sie das Kleinod ihm bewacht.
Sie, selber in Heimkringla's Reichen
Ein Wunderkleinod ohne Gleichen,
Sie eines Kleinods Wächterin?!
Und wo ihr glaubt, daß Saga scherze,
So hört sie selbst in ihrem Schmerze,
Die jungfräuliche Weinerin:

"So fließt nur hin, geliebte Thränen!
Ach! jeder Tropfen, der entflieht,
Er nimmt von meines Herzens Sehnen
Ein Theilchen doch, ein kleines, mit!

Was meine Schmerzen löst und mindert,
Muß herzlich mir willkommen sein;
Denn keiner Hoffnung Schimmer lindert
Des armen Herzens Angst und Pein!

Mir ward das Leben früh zur Sage,
Vergebens sucht' ich seinen Sinn;
Ach! meiner Kindheit süße Tage,
Ihr ginget allzu schnell dahin!

Ihr seid zu schnell, glückselige Lenze,
An meinem Haupt dahingerauscht,
Und zeitig hab' ich eure Kränze
Mit Grabeseinsamkeit vertauscht;

Vertauscht den Quell in grünen Hainen
Mit einer heiligeren Flut:
In diesen Wellen strömt der reinen
Wallhallaflammen Wunderglut.

Er übergab sie Gunlöd's Treue!
Du schwaches Herz, vergiß es nicht!
Hör' auf zu weinen oder freue
Dich auch in Thränen deiner Pflicht!

Nur jene schönen Buchenhallen,
Die nah' dem blauen Meere stehn -
Noch einmal unter ihnen wallen
Nur einmal noch sie wiedersehn!

Dort, wo die Bautasteine ragen
Der Kindheit, ach! am fernen Strand,
Möcht' ich entzückt noch einmal sagen:
Hier ist mein schönes Wiegenland!

Fühlt' ich an einem lichten Herzen
Dann meines eignen Herzens Schlag, -
Ach - ein Jahrhundert voller Schmerzen
Was wär' es gegen solchen Tag!"

So sang die thränenvolle Schöne,
So klagte sie, der Sehnsucht Braut!
Wenn mild der Sommerabend thaut
Horcht nie der Hain auf süß're Töne,
Auch damals nicht, als Balder's Mund
Zum ersten mal auf Nanna's Wangen
Geruht, und alle Knospen sprangen,
Zu feiern den ersehnten Bund:
Da klangen Meer, da klangen Flammen
Und Erde klang mit Luft zusammen
In eines Jubels Wonnesang;
Nur eine Nachtigall, nur Eine
Sang ahnungsvoll im tiefsten Haine
Ein Lied, das wie Gunlödens klang.

- - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - -

Die Höhle, noch vom holden Weben
Der jungfräulichen Stimme voll,
Welch donnerähnliches Geroll
Macht nun mit einmal sie erbeben?
Gunlöda fliegt vom Sitz empor:
Sie weiß, was dieser Ton bedeutet,
So furchtbar, wie er klingt, er läutet
Doch Freude in ihr kindlich Ohr.
Er war versiegt, der Quell der Thränen,
Es schien gestillt ihr ganzes Sehnen.
"Es ist mein Vater", rief sie laut,
"den ich so lange nicht geschaut!"
Und schnell mit ihren goldenen Locken
Die feuchten Augen drückt sie trocken:
"Ich muß ja freudig vor ihm stehn,
Er darf mich nimmer weinen sehn!"
Und näher kam es, das Getöse,
Als ob der ganze Fels sich löse,
Als ob zerbröckelt Stein an Stein
Von Ymer's ewigem Gebein,
Als ob der Fels, den auf die Kette
Des Fenriswolf's der Götter Hand
Gewälzt, beim letzten Weltenbrand
Die Muspelsglut zerschmettert hätte,
Dem, mit unsäglichen Gekrach,
Des Weltalls Säulen stürzten nach:
So donnert Suttung an den Thüren,
Die zu der Tochter Wohnung führen.
Sie sind gesprengt; er tritt hinein,
Wie Donnerwolken seine Brauen,
Solch grimme Nachtgestalt zu schauen
Kann das der Huldin tröstlich sein?
Doch sie mit süßen Freudenschauern
Empor zu seinem Nacken fliegt,
An den sie sich so zärtlich schmiegt,
Wie Epheu um gebrochne Mauern.
Doch Suttung wehrt die schöne Last
Sich ab, und fragt mit wilder Hast:
"Was ist mit meinem Meth geschehen?
Wo ist er, Kind? ich muß ihn sehen.
Im Traume sah ich's heute klar,
Wie ihn geraubt ein weißer Aar.
Ihm flog ich nach, wohl tausend Meilen
Und konnt ihn nimmermehr ereilen,
Sprich, Gunlöd, ist mein Meth noch da?"
Sie sagte freudig lächelnd: "Ja!
Und traust du nimmer meinem Worte,
Du wirst dem eignen Blicke traun;
Die goldnen Schalen wirst du schaun
Jedwede noch am selben Orte,
Den du ihr selber ausersehn,
Fest, wie die Stern' am Himmel stehn.
Und Lügen straft sie deine Träume."
Und in der Höhle tiefste Räume
Zog kindlich hold mit heiterm Sinn
Den Greis die blonde Hüterin:
Wie der nun trat zum goldnen Keller,
Sein Blick ward heller, immer heller,
Und prallt vom Glanze fast zurück:
Da standen sie, von Himmelsstrahlen
Umwebt, die wundervollen Schalen,
Der Zwerge herrlich Meisterstück;
In ihnen wogt ein seltsam Leben,
Als wollte eine junge Welt,
Die noch ein Bann gefangen hält,
Sich klingend aus dem Chaos heben,
Ach! eine Welt im Stoff erstarrt,
Die glühend des Erlösers harrt.
Ein wirres Durcheinandertönen
Von ungebornen Melodien,
Die wechselnd vor einander fliehn;
Bald unbeglückter Liebe Stöhnen,
Geflüstert bald der Seligkeit,
Urmächtiger Geister Todesstreit,
Zertretenen Rechtes Klagesstimmen,
Die zu des Rächers Throne schwimmen
Auf des Gesanges Flammenmeer -
So flutet's um die Schalen her.
Und Freude färbt des Riesen Wangen;
Geblendet fast vom seltnen Prangen
Rief Suttung mit entzücktem Ton:
"So seid ihr denn noch mein, ihr beiden,
Warum die Götter mich beneiden,
Ihr Prachtgefäße Bodn und Son,
Und du, Odhrörir, du, der dritte,
Wie thronst du herrlich in der Mitte
Gleich Königen im Purpurkleid.
Wer mag mit Suttung sich vergleichen,
So weit Yggdrasul's Aeste reichen,
So lang ihr noch die meinen seid!?"
O Suttung - Blindester der Blinden,
Du nennst dich reich in deinem Wahn -
Und bist der ärmste Unterthan,
Der in der Thorheit Reich zu finden!
Du rühmst dich Göttern gleich an Macht,
Und wähnst, daß Götter dich beneiden?
Und deine blöden Augen weiden
Sich kindisch an des Goldes Pracht.
Der Trank, nach dem in ihrem Prangen
Wallhallas Könige verlangen,
Nach dem der Erde Kinder schrein,
Was frommt er dir, sein golden Schimmer?
Besitzen kannst du ihn: doch nimmer,
Du Thor! kann er dein eigen sein!
Denn nur dem heiligen Gemüte
Entkeimt die wundervolle Blüte,
Die unter seinem Thau gedeiht,
Zu des Gesanges Herrlichkeit.
Und jener Schatz, der dir gegeben,
Zu leuchten durch dein düstres Leben
Mit reinem selig-mildem Licht,
Aus dessen Aug', dem himmlisch blauen,
Der schönsten Liebe Perlen thauen,
Den Schatz der Schätze kennst du nicht!
Wie Gunlöd's sanfte Blicke flehen
Hervor aus lichter Locken Zier
Ach, nur um Einen Blick von dir -
Kann dein geblendet' Aug' nicht sehen.
Sie schmiegt vergebens liebewarm
Sich an den kalten Vaterarm.
Wie wenn in winterlicher Zone
Auf des beeisten Berges Krone
Umsonst der jungen Sonne Licht
Mit tausend milden Strahlen bricht,
Und nimmer zu lebendigen Bächen
Den ewigen Schnee vermag zu brechen,
Bis Wolkennacht den Berg umzieht
Und jeder Strahl erschrocken flieht:
So sank auf Suttung's Eisgefilde
Gunlödens Blick in frommer Milde,
So floh er scheu hinweg und bang
Bei seiner Stimme Eisenklang:
"Bin ich denn nicht ein Thor, zu trauen
Auf eines Mädchens Wachsamkeit?
Verschuld' ich selber nicht mein Leid
Und meiner Nächte banges Grauen?
Gleicht Mädchentreue nicht dem Roß
Auf Eisesspiegel unbeschlagen?
Wer so zu reisen wollte wagen,
Deß Klugheit nennt ich minder groß!
Und hegt sie nicht Verrath und Tücke
Im Busen, ist ihr Herz doch schwach,
Nur schmal ist ihrer Treue Bach,
Doch breit und sicher ist die Brücke,
Die drüber hin für Jeden geht,
Der auf ihr Herz sich nur versteht."
Als Suttung solches Wort gesprochen,
Die letzte Fessel war zerbrochen,
Womit Gunlöda, grambeengt,
Die Flut der Thränen niederzwängt;
Da strömten die befreiten Fluten
Hin durch der Wangen Rosengluten,
Wie wenn nach Tagen, heiß und bang,
Erst wenn die Abendröthe leuchtet,
Ein heilig Naß die Erde feuchtet,
Das aus bestrahlter Wolke drang -
Wie eines jungen Schwanes Flügel
Hob sich der Brust schneeweißer Hügel,
Und aus dem feuchten Auge spricht,
Viel deutlicher als Lippen sprechen,
Umrauscht von Thränenflammenbächen:
"Dies Wort verdient die Liebe nicht!"
Doch stumm hervor aus seinem Kleide
Zog Suttung eines Dolches Schneide,
Die Zwergenkunst zum Wunder schliff,
Von Runen starrt der goldne Griff.
Und als sie's sah, da sprach sie leise,
Die Stimme wie der Schnee so kalt,
Indeß ihr Busen stürmisch wallt,
Dem Segel gleich, umstarrt von Eise:
"Nicht anders ziemt der Mädchenbrust
Voll Arglist und Verrath und Schwäche,
Als daß das Eisen sie zerbreche,
Eh sie des Bösen sich bewußt.
Eh daß ich lebe zum Verderben,
Eh ich verschulde deine Pein,
Von deiner Hand, o Vaater mein,
Hier auf der Stelle laß mich sterben!"
Doch Suttung sprach: "Im Scherze, Kind!
Hab ich geredet harte Worte,
Fern von des Todes finstrer Pforte
Noch deiner Jugend Blüten sind.
Du bist, wohin ich immer schaue,
Die Einzige, der ich vertraue,
Da mich die ganze Welt betrog:
Die Einzige, die mir nicht log.
Du, Gunlöd, kannst mich nicht verrathen!
Und mir in deiner treuen Hut
Ist sicher mein geliebtes Gut,
Wenn auch Verführer tausend nahten!
Doch, Gunlöd, in der Höhle Schooß
Du weilest einsam, waffenlos;
Ich aber weiß, daß böse Mächte
Vom riesenfeindlichen Geschlechte
Geschäftig wühlen Tag und Nacht,
Zu dringen durch die engsten Spalten
In ewig wechselnden Gestalten,
Die je der Zauber ausgedacht.
Und sind die Feinde erst darinnen,
Sieh! deine schwache Mädchenhand,
Sie leistet keinen Widerstand,
Daß sie das Höchste nicht gewinnen.
Doch diese Klinge, wundervoll
Geweiht durch Runen und durch Säfte,
Daß sie des Zaubers Macht entkräfte,
Vor aller Arglist schützen soll.
Auf daß ich arger Furcht enthoben,
Eins mußt, Gunlöda, du geloben:
Drängt nur ein Wesen, noch so klein,
In diese Höhle sich hinein,
Auf daß wir sicher vorm Verderben:
Durch diese Klinge muß es sterben.
Vielleicht in reizende Gestalt
Verkleidet sich die Truggewalt,
Dir alle Sinne zu bethören;
Und daß dein Wille fester sei
Gewappnet gegen Zauberei,
Mit heil'gem Eide mußt du schwören:
Daß, was dein Auge nur erspäht,
Worin des Lebens Odem weht,
Durch dieses Wunderdolches Schneide
Von deiner Hand den Tod erleide."
Er sprach's, - sie sah ihn fragend an
Mit Blicken, Götter zu bethören:
"Bei wem, mein Vater, soll ich schwören?
Noch hab ich keinen Schwur gethan."
"Bei allen Erd- und Himmels-Festen,
Beim Höchsten, Heiligsten und Besten,
An das dein Herz, Gunlöde, glaubt?"
Und eh er ganz das Wort verloren
Hat sie den Eid schon ausgeschworen -
Sie schwor bei ihres Vaters Haupt.


Wodan mäht

Er stand auf Bauge's Wiese
Schon Tage lang
Der sonst im Paradiese
Das Scepter schwang.
Was niedre Knechte schwingen
Das Eisen krumm,
Das saust in weiten Ringen
Um ihn herum.

Er stand in Morgens Kühle
Von Thau benetzt,
Er hat in Mittags Schwüle
Sich nicht gesetzt.
Wenn Rosenwolken schwangen
In Abendglut,
Durchzuckt der Stahl in Flammen
Die grüne Flut.

Wo sonst der wundervollen
Gedanken Quell -
Von seiner Stirne quollen
Die Tropfen hell
Und wo sie niedersanken
Zur Erdenbrust,
Davon die Kräuter tranken
Mit Himmelslust.

Und wo sie hingeflossen
Sah wunderbar
Man seltne Blumen sprossen
Mit Kelchen klar.
Und labte sich der Hohe
An ihrem Saft,
Durchströmt ihn Götterlohe
Und neue Kraft.

Kann dann mit leisen Tritten
In dunklem Sammt
Die Nacht einhergeschritten,
Das Haar durchflammt
Von Perlen und von Golde -
Mit Kindeslust.
"O Mutter", sprach er, "Holde!
An deiner Brust

Laß nun mich ruhn - ich fühle
Ermüdung fast,
O gönn' in deiner Kühle
Dem Sohne Rast;
Soll mich ihr Jammer drucken,
So sei mein Teil,
Nun auch der Welt Entzücken,
Des Schlummers Heil."

Die Blumen, dienstbeflissen,
Sie neigen sich
Zum sanften Ruhekissen,
O Herr! Für Dich!
Du schläfst im Bett von Rosen,
Ob auch allein,
Als lullte Frigga's Rosen
Dich selig ein!

Wodan und Bauge kommen zu Suttung

Wie wenn im West die Wogen
Dem Segelnden zum Hohn,
Vom Ufer fortgezogen
Durch Mundilsöri's Sohn
Von dann flüchtig weichen
Bis alles wellenleer:
So floh von Böllwerk's Streichen
Zurück des Grafes Meer.

Und als er Stunden viele
Und Tage sonder Rast
Gemäht - da stand am Ziele
Des Werks der Thursen-Gast;
Da hob er hoch die Augen,
Aus denen Freude lacht,
Und ging und trat zu Baugen
Und sprach: "Es ist vollbracht!"

Und Bauge ging zu schauen;
Es dünkt ihm wie ein Traum,
Den Sinnen möcht er trauen,
Und traut er dennoch kaum;
Er ruft mit Freudenzehren:
"Gut schaffest Du für mich,
Nun, Böllwerk, dich zu ehren,
Was kann ich schaffen? - sprich!"

"Was ich geheischt, das Eine,
Kennst Du ja, Bauge, schon:
Ich that da ngemeine
Nicht um gemeinen Lohn.
Den Preis zu fordern, wallen
Las uns zu Suttung hin!
Auf, auf! ach Suttungs Hallen
Steht Böllwerks ganzer Sinn."

"Treu bleib ich ohne Zagen
Dem Eide, den ich schwor;
Doch eines möcht ich fragen
Dich, Böllwerk, noch zuvor!
Klar hast Du ja bewiesen,
Durch das, was Du geschafft,
Viel stärker als der Riesen,
Sei deines Armes Kraft.

Aus welcher Helden Stamme
Du leitest Dein Geblüt,
Ob gar die Asenflamme
In deinen Adern glüht,
Vermag ich nicht zu sagen,
Eins aber leuchtet ein,
Den Meth davonzutragen,
Muß dir ein Kleines sein!

Wer so vermag zu schwingen
Die Sense wie zu Scherz,
Der mag auch einwärts dringen,
tief in der Felsen Herz.
Ob fest geschmiedet wären
Am Mittelpunkt der Welt
Die Fässer - mag sie leeren
Ein so gewalt'ger Held!"

"Dem Wahn gemeiner Seelen
Hängst Du", sprach Böllwerk, "an,
Das Rauben und das Stehlen
Gezieme starkem Mann;
Doch, wäre Bergesstützen
Zu brechen, mir ein Spiel,
Mir würd' es wenig nützen
Für meines Strebens Ziel.

Es ist der Trunk gar eigen,
Nach dem Trachten geht,
Dem Räuber und dem Feigen
Ist er gemeiner Meth,
Nur wem in freier Güte
Ihn beut des Eigners Gunst,
Dem schließt sich auf die Blüte
Der wundervollen Kunst!"

So sprach der Gott zu Bauge;
Der mocht' ihn kaum verstehn
Und hat in Böllwerk's Auge
Die Thräne nicht gesehn;
Denn Wodan kennt sein Dulden,
Kennt seinen Schmerz allein:
Ein göttliches Verschulden
Wird Quasir's Blut befrein!

Zu Suttung's Haus die Beiden
Sah man selbander gehn,
Als niedrer Knecht bescheiden
Blieb Böllwerk außen stehn.
Doch trat mit bangem Sinnen
Der Herr zum Bruder ein;
Der Hüne saß darinnen
Trübselig und allein.

Nicht, wie's geheischt die Sitte,
Trat Suttung seinem Gast
Entgegen bis zur Mitte
Des Saals mit freudiger Hast:
Der Wink aus seinem Auge
Bewölktem Monde glich,
Doch ihm gehorchte Bauge
Und setzte schweigend sich.

Und wie auf über Haide
Grabhügel finster zwei,
So saßen lange Beide
Und sprachen nichts dabei;
Sie drückten nicht die Hände,
Sah'n stumm einander an,
Bis daß der Gast am Ende
Zu reden so begann:

"Das Eis muß einmal brechen,
Der Weis`re wird genannt
Von Beiden, wer zum Sprechen
Der Erste sich ermannt.
Soll Feindschaft ewig währen,
Wo Brüder sich entzwein,
Wär's besser, unter Bären
Im Wald geboren zu sein!

Die Klinge taugt zum Hiebe,
Zur Fahrt das Segel schwellt,
Das Mädchen ist zur Liebe,
Zur Deckung dient der Schild.
Nichts ist's so leicht zu nennen,
Zu was es dient, fürwahr!
Das zwei sich Feinde nennen,
Die doch ein Schoß gebar.

Wenn wir die Hand uns reichen,
Wir wären dreifach stark,
Wer mag sich uns zu vergleichen,
In dieser Thursenmark.
Wer wagt mit uns zu ringen
Zu höhnen unser Recht,
Stehn wir, gleich Doppelklingen,
Zweieinig im Gefecht?

Wohlan denn, Suttung, Bruder!
Hier meine Hand, schlag ein!
Am Schiff sei Du das Ruder,
Laß mich das Segel sein!
Zum Pfand, wie wahr ich's meine,
Den Armring hier aus Gold
Nimm hin! Er sei der deine!
So sei dem Bruder hold!"

Und knüpft vom Arm den schweren
Und reicht ihn Suttung hin;
Da schmolz in heißen Zähren
Des arten harter Sinn.
Auf stand er, zu umfangen
Den Freund nach Herzenslust:
"Nach Sühne trug Verlangen
Schon lange meine Brust.

Daß du mit weißen Worten
Und edler Gabe Zier
Den Weg zu meinen Pforten
Gefunden, dank ich dir.
Nun ist's an mir, zu zeigen,
Nicht leer sei dieses Haus,
Von allem, was mein eigen
Such dir ein Kleinod aus!

Zuvörderst aber schäumen
Soll uns der Meth im Horn,
Um ganz hinweg zu räumen
Den Hader, Groll und Zorn!
Ein Hoch für Bruderfrieden!
Ein Hoch für unsren Bund!
Nun mag Verrat uns schmieden
Der ganze Erdenrund!"

Der Mittler, wild und mächtig,
Das Horn, es kam heran.
Worin wie Gold so prächtig
Die braune Woge rann.
Bei jedem Zug ein Riegel
Sprang von der Brüder Herz,
Es schmilzt in solchem Tiegel
Das allerhärtste Erz.

Und als des Trunkes Flammen
Den Muth ihm angefacht,
Da nahm der Gast zusammen
Der Rede ganzer Macht.
Begann die Mähr von vorne,
Wie alles sich begab,
Griff oft dabei zum Horne
Und setz' es wieder ab.

Wie seine Mäher trunken
An jenem Unglückstag
Als Leichen hingesunken
Von eigner Sensen Schlag;
Wie plötzlich dann erschienen
Ihm, der verlassen stand,
Ein Mann von hohen Mienen,
Der Böllwerk sich genannt.

Was er zum Lohn gefordert,
Wie schnell das Werk vollbracht -
Empor in Suttung lodert
Des Zornes Flammenmacht;
Den Eichentisch zersplittert
Des Hühnen Eisenfaust,
Der Saal, die Erde zittert,
Als seine Stimme braust:

"Pack', Heuchler, dich von hinnen!
Mislungen ist dein Streich!
Verrath war all dein Sinnen,
Was merkt' ich's nicht sogleich?!
Mit Worten süß zu hören,
Mit plumpem Truggedicht,
Ein Kind magst du bethören,
Den alten Suttung nicht!

Des theuren Methes Perlen,
Glaubst du's im Ernste, Thor?
Würf' ich den Lumpenkerlen,
Die für dich frohne, vor.
Hab ich in Meeresstrudel
Mein Leben eingesetzt,
Das sich an Quasir's Sprudel
Ein schnöder Miethling setzt?!

Von Eiden mocht' ich hören,
Geschwornen, prahltest du,
Auch ich will einen schwören,
Horch meinem Eide zu:
Von Quair's Methe nimmer,
So lang die Sterne stehn,
Soll eines Tropfen Schimmer
Gott oder Thurse sehn!"

Als Suttung so geschworen,
Erscholl ein Donnerschlag,
Daß an des Saales Thoren
Jedwede Hänge brach.
Und staunend schauten Beide,
Welch Wunder nun geschah:
Im göttlichen Geschmeide
Stand strahlend Böllwerk da.

Zorn blitzt in seinen Augen,
Doch sprach er nicht ein Wort,
Beim Arme faßt er Baugen,
Riß ihm im Wirbel fort.
Als streckten Feuerflammen
Glutzungen ihnen nach,
So stürzten sie zusammen
Hinaus von Suttung's Dach.

Und schnell in weiter Ferne
Greift des Allmächtigen Hand,
Auf zu der goldnen Sterne
Jahrtausend langem Stand.
Und aus den höchsten Räumen
Bricht er ein Himmelslicht,
Wie man von edlen Bäumen
Die reife Birne bricht!

Gleich einem leichten Balle
Bei froher Männer Spiel,
Hin vor des Hühnen Halle
Der Ungeheure fiel;
Bis an des Thores Engen
Wälzt sich die Masse dicht,
Ein Schloß wie das zu sprengen,
Gelingt auch Riesen nicht.


Rati durchbohrt Hnitbergs Felsen

"Du hast es gehört, sprach Bauge hohl,
Das Meine that ich;
Und Alles vergebens - ich dacht' es wohl.
Nun Eines rath ich:
Laß eilen mit flüchtigem Fuß uns von hinnen,
Dem Zorne des Wüthenden flugs zu entrinnen!"

"Nicht nöthig!" sprach Böllwerk, "der Riegel ist fest,
Den ich geschoben
Dem alten Drachen vor's dunkle Nest,
Er wird mich loben!
Nun wollen nach Hnitberg wir ohne zu Verweilen,
Zum Felsen, dem wogenumgürteten, eilen!

Er hat es in Güthe nicht gewollt,
Nun will ich holen
Aus Hnitbergs Höhle der Mühe Sold.
Doch daß gestohlen
Ihn Böllwerk habe, soll niemand hören,
Er wird mir gereicht von Gunlöda, der Schönen."

"Zwar ist sie gewaltig die Macht, die du hast,
Das ist erwiesen!"
Sprach Bauge, "doch nimmer bewegst du die Last
Der Felsenriesen.
Du kennst sie nicht, die heimlichen Thüren,
Die in des Berges Tiefinnerstes führen!"

"Und bist du zum Beistand, Bauge, bereit,
Hineinzudringen -
Von der Schuld noch hast du dich nicht befreit -
Wird doch gelingen
Du hast geschworen, mit aller Stärke
Zum Ziel mir zu helfen, dem schweren Werke!"

Doch Bauge begann in des Herzens Schrein
Der Pakt zu reuen.
Das Gras war gemähet, das Heu war herein,
Wol mocht's ihn freuen!
Doch, wenn die Stunde des Lohns erschienen,
Nur Wenige zahlen mit heitern Mienen.

Und murrend folgt er. Der Weg war schwer
Zu Hnitbergs Schrecken.
Ueber Berge sie klommen, und schwammen durchs Meer.
Endlose Strecken;
Die Felsen lagen, die dunkelgrauen,
Vor ihnen da, gewaltig zu schauen.

Sie klommen empor mit Fuß und Hand
An steilen Rissen,
Und Böllwerk hat in des Busens Gewand
Hineingegriffen;
Da zog er hervor von gehärtetem Eisen
Den trefflichen Bohrer, Rati geheißen.

Und gab ihm Baugen und sprach: "Wohlan!
Laß uns durchbohren
Die Felsen mit dem - er bricht uns Bahn
Zu Gunlöd's Thoren!"
"Mit diesem willst du durchbohren die Steine?"
Lacht Bauge - "der mißt ja der Spannen nicht Eine!"

"Das kümmre dich nicht; an die Arbeit schnell,
Die Zeit ist flüchtig!
Geprüft ist Rati, der treue Gesell
Ist stark und tüchtig,
Mit scharfem Zahn, in wenigen Stunden
Zum Keller hat er den Weg gefunden!"

Sie stießen Rati hinein mit Kraft -
Da währt's nicht lange,
Der kleine schwoll, der winzige Schaft,
Zur Riesenstange,
Und wie sie bohrten, die mächtigen Dränger,
Wuchs Waulund's Wunder länger und länger.

Doch schneller als Rati wuchs der Neid
In Bauge's Sinne,
Gunlödens dacht er - der blonden Maid,
Und alter Minne,
Braunlockigen Böllwerk sollte sie schauen?
Und Bauge's Haare daneben, die grauen.

Da riß er Rati heraus, und rief:
"Es ist gelungen!
Zum Raume der Höhle sind wir tief
Hindurchgedrungen,
Und hätt' ich den Bohrer nicht festgehalten,
Er hätte gewiß die Fässer zerspalten."

Doch Bollwerk traute dem Neidhard nicht;
Ins Bohrloch blies er
Da flogen ihm Splitter ins Angesicht,
Und ruhig stieß er
Hinein den Bohrer, da wagte das Auge
Nicht aufzuschlagen der listige Bauge.

Undati'n endlich fehlte der Grund;
mit klugem Sinnen
Blies Böllwerk wieder hinein in den Schlund:
Da flog nach innen
Der Splitter Staub. Und im Athemzuge
Schlüpft Böllwerk als Wurm in des Felsens Fuge.

Wuthschnaubend stieß Bauge den Bohrer ihm nach,
Doch war's vergebens,
Schon war er hinab in Gunlödens Gemach,
Am Ziel des Strebens.
Doch geplagt und erschöpft von Zorn und Kummer,
Wirft Bauge sich nieder und sinkt in Schlummer.


Wodan und Gunlöda

Gunlöda.
Vom Frühlingsstrahle
Das Auferstehn,
Zum letzten Male
Hätt' ich gesehn -
Nie hört' ich wieder
Der Nachtigall
Vertraute Lieder
Im Blumenthal?!

Weht mich vom linden =
Umrauschten Plan
Kein süß Empfinden
Des Heiles an?
Die Blumen golden,
Der Wiese Zier,
Beut nie den holden
Willkommen mir?

Von allem Lieben,
Was mich umgab,
Was ist mir blieben
Im Felsengrab?
Erinnerung, treue!
Du ganz allein,
Du ewig neue
Bist mein, bist mein!

Entflieht von Kummer,
Ihr Nächte schwer,
Bring', süßer Schlummer,
Mir Träume her!
Ach, von der rosen =
Umkränzten Zeit,
Der sorgenlosen
Glückseligkeit.

Die Tage waren
so sonnig hell,
Ich saß am klaren
Umblümten Quell.
In Lauben, schattig,
Da ward ich wach,
Gespielen hatt ich,
Ach! - tausendfach.

Ich frug vergebens:
Wie nenn' ich dich?
Hort meines Lebens,
Du liebtest mich;
Du gabst der Weihen
Von Frühlingslust
Endlose Reihen
Der Kindesbrust.

Ich frug vergebens:
Wie dank ich dir?
Hort meines Lebens -
Du nahtest mir
Oft in der sterne =
Geschmückten Nacht,
Aus weiter Ferne
In stummer Pracht!

Oft wenn ich zittern
Die Felsen sah,
In Sturmgewittern
Warst du mir nah;
Im Waldesdunkel,
Am stillen See,
Im Thaugefunkel,
Im Blütenschnee

Hielt mich umfangen
Dein süßes Wehn,
In sel'gem Bangen
Wollt' ich vergehn;
Ach, nun ist Oede
Rings um mich her,
Nun sieht Gunlöde
Dich nimmermehr!

- Was seh ich dort? ein Schlänglein hat
In meine Höhle sich verfangen;
Wie blöd' es sich und schüchtern naht -
O Gott! wie bebt' ich sonst vor Schlangen!
Wenn ich, den Kranz auf meinem Schoos.
Und Blumen um das Haar geschlungen,
Im Walde saß, und aus dem Moos
Sie zischend hoben Doppelzungen.
Wie floh ich mit behendem Fuß,
Daß aus dem Haar die Kränze flogen,
Und, hemmte mich im Lauf ein Fluß,
Warf ich mich keck in seine Wogen.
Komm näher! goldbeglänztes Thier,
Und wärst du giftig, wie die Sage
Erzählt, mir graute nicht vor dir,
Denn muthig machen böse Tage!
Du siehst mit Augen hell und mild
Mich an - die Arglist und die Lüge,
Die man uns malt in deinem Bild,
Mir däucht, sie trügen andre Züge,
Und doch bist du dem Tod geweiht!
Wie fandst du durch die Felsenspalten
Den Weg? Ach, zur Geselligkeit
Möcht' ich dich gerne mir erhalten;
Doch schwor dem Vater ich den Eid -
Wärst du nicht kalt - du müßtest jetzt erkalten!
Stirb' denn! - doch was begibt sich hier?
Wer bist du, wunderbares Thier?
Dir schadet nicht mein Dolch?!
Noch eben ein winziger Molch,
Schwillst du heran mit Gewalt
Zur Riesengestalt -
Sie richtet sich empor! - o wehe!
Schon ist ihr Haupt in meines Nähe!
Aus ihres Rachens Thor
Blitzt' ein gespaltenes Schwert hervor!
So bin ich verloren!
O Schlange, mach' es kurz mit mir!
Willst du zu meinem Herzen? Hier,
Hier klopft es noch - eil', eil' es zu durchbohren.
Du willst nicht! Ha!, du windest dich kalt
Um meine Gestalt,
Willst mich umschlingen
Mit gräßlichen Ringen.
Laß ab! laß ab!
O halt' nicht gepreßt,
Die Brust so fest;
Der Athem vergeht
Als läg' ich im Grab.

Wodan.
Erstarrt und leblos liegt sie hingestreckt,
Die reiner ist als Asgards Königinnen,
Die von Iduna's goldnen Früchten schwelgen,
In Wingolf's Blütengärten ewiglich!
Unendlich schön ist dieser zarte Leib.
Ich sah das Schönste, was der Himmel und
Die Erde birgt! allein daß Erdenstoffe
Zu solchem seligen Gebilde je
Sich fügen könnten, ahnt' ich nicht.
Allvater heiß ich - diese schuf ich nicht,
Aus Ymer's gottverhaßtem Stamm entsprossen,
An ihr hat meine Schöpfung keinen Theil.
Ich hatte Einen einst in meinem Himmel,
Der war so heilig und so rein wie sie!
Aus seinen blauen Augen sprach die Liebe,
Von seinen Locken strahlte selige Milde,
Von Allem voll war seine große Brust,
Was liebenswürdig und was edel heißt;
Kein Stäubchen hing an seiner klaren Seele.
Dach Asa-Balder ist nicht mehr!
Die bleiche Hel hat meinen liebsten Sohn.
Er, der zu trefflich war für Asgards Sonne,
Er sitzt bei Hel im kalten Niffelheim!
Und als wir ihm den Scheiterhaufen wölbten,
Als Flammen seine selige Gestalt
Verzehrten, als in ungeheuerm Schmerz
Das treue Herz in Nanna's Busen sprang -
- Wie wahr hast du verkündet, dunkle Wöla:
Da zog Verderben in den Himmel ein!
Wir sind nicht mehr die Heiligen, die Reinen,
Wie Menschen uns noch wähnen, nein, wir sind
Dem Tod geweiht, dem Untergang,
Und blutig dämmert Ragnarokr.
O Fluch der Sünden - ich erkenne dich!
Nicht einmal Asgards diamantne Mauern
Vor deinem Hauche konnten Schutz verleihn!
Du brachtest Krieg, wo ewiger Frieden war,
Du brachtest Tod in alles Lebens Quelle!
Auch um dies Kleinod hast du uns gebracht,
Um das ich, Wodan, nun in Knechtsgestalt
In meiner Feinde Land muß betteln gehn!
Nur betteln? - O, was ist Erniedrigung.
Doch dieses holde Kind muß ich verderben,
In ihrem reinen Busen eine Glut
Anfachen, welche sie verzehren wird,
Wie meinen Balder jene Höllenflammen.
Mit schnöder Arglist Künsten muß ich werben
Um das, was ewig doch das Meine war!
Doch siehe! sie erwacht! sie streicht erschrocken
Von ihrer Stirn die wirren goldnen Locken.

Gunlöda.
Mein Vater! träumt' ich? bist du hier?
O zürne nicht, kein Schlummer nahte mir!
Nie wieder glaubt' ich zu erwachen;
Der gräßliche Drachen,
Zu dem das Schlänglein ward, als meine Hand
Mit deinem Dolche sie berührte,
Der sich um meine Glieder wand
Und meine Brust zusammenschnürte -
Wo ist er? wo?
O schweig' nicht so!
Du glaubst mir nicht?
Glaub' Vater, was Gunlöda spricht!

Wodan.
Die Schlange, schönes Mädchen, sie verschwand;
Das Ungeheuer traf des Starken Hand -
Holdselige! laß fahren alles Bangen!
Und hätten Nastrand's Millionen Schlangen
In Riesenknäueln dich umschlungen,
Dein Freund, er wäre durchgedrungen
Und hätt' auf giftigen Flüssen
Er schwimmen müssen!

Gunlöda.
Das ist seine Stimme nicht!
Ein Fremder ist's, der zu mir spricht.
Unglücklicher, eile von hinnen!
Noch hat mein Aug' dich nicht gesehn,
Ich verhülle mein Haupt! erhöre mein Flehn,
Flieh! Armer, ohne Besinnen!
Wie fandst du den Weg, den Weg durch den Stein
Zu diesen Räumen?
Antworte nicht - mir gilt es gleich!
Nur aus des Verderbens Reich
Flieh! flieh! ohne Säumen!

Wodan.
Verhülle nicht dein süßes Augenlicht!
Nacht ist's - wo diese Sonnen untergehn!
Was du geschworen, Gunlöd, schreckt mich nicht:
Zu tödten mich, sobald du mich gesehn;
Gehorche deiner Pflicht,
Mag, was dein Eid gebeut, geschehn!

Gunlöda.
Auf meinen Knien!
Wer du auch seist, ich bitte dich, zu fliehn!

Wodan.
Der ich die Schlange überwand,
Ich sollte fliehn vor eines Mädchens Hand?

Gunlöda.
In meiner Hand, glaub' mir,
Wohnt mehr als Götterkraft.
Und wärst du Thor, Walhallas Zier,
Und schwängest seines Hammers Schaft,
Ich kämpfte doch mit dir,
ich hab' geschworen -
Und bist nicht du, so bin doch ich verloren!

Wodan.
Du forderst mich zum Kampf heraus,
Der dich erlöst vom Schlangengraus,
Und nichts begehre,
Als nur dein Angesicht zu schaun, du Hehre!

Gunlöda.
Ein Mädchen, glaubst du, zart und weich,
Dir sei es leicht, sie zu besiegen,
Sie werde sich, der Taube gleich,
An deinen Heldennacken schmiegen;
Dich täuscht dein Sinn!
Nicht zu den Sanften, Schwachen,
Nein, zähle Suttung's Hüterin
Viel eher zum Geschlecht der Drachen,
Der Drachen, die mit giftigem Zahn
Zerreißen Alle, die sich nahn
Dem goldnen Schatz, den sie bewachen.

Wodan.
Von solchen Drachen, süße Maid,
Leid' ich den Tod mit Seligkeit.

Gunlöda.
Was ich vermochte, that ich!
Auf Knien vergebens bat ich.
So fahre denn hin,
Barmherziger Sinn!
Fahr' hin, der meine Augen deckt, du Schleier!
Ich will ihn sehn, den Unglücksfreier,
Der's wagt zu brechen
Hinein in meine Einsamkeit,
Und thöricht Wort zu sprechen
Zur Riesenmaid.

Wodan.
Hier bin ich, Gunlöd! Nun zerschmettre mich!

Gunlöda.
O alle himmlischen Gewalten!
O was erblick ich! welche Herrlichkeit!

Wodan.
Du siehst vor dir von allen Knechtsgestalten
Die niedrigste, zu deinem Dienst bereit.

Gunlöda.
Nicht wahr - nicht wahr? du kommst herab von oben,
Wo selig herrscht ein göttliches Geschlecht?

Wodan.
Zum Gott, Gunlöda! bin ich nun erhoben,
Seit ich dich sah: und ewig doch dein Knecht.

Gunlöda.
In deinen Blicken steht ein Wort geschrieben;
Ich deut' es nicht - mit Runen, nie gesehn.

Wodan.
Nur die so rein wie Balder liebte, lieben:
Die werden diese Runen einst verstehn.

Gunlöda.
Auf deiner Stirne prangt ein stolzes Leuchten,
Als thront ein Weltenkönigreich in ihr!

Wodan.
Wohl gab es Hohe, die vor ihr sich beugten
Doch tiefer nur beugt sie sich selbst vor dir.

Gunlöda.
Um deine Locken weht ein Frühlingsschimmer.

Wodan.
Es ist von deinem Glanz der Widerschein.

Gunlöda.
Ach, niemals fühlt' ich solches Beben, nimmer
So namenlose Wonne - solche Pein!

Wodan.
Wo ist dein Dolch? Was wird aus deinem Eide?
Muß ich nicht fallen, sprich! von deiner Hand?

Gunlöda.
Hier nimm ihn, der du Alles weißt! Zerschneide
Nur lieber gleich damit der Seele Band!

Wodan.
Gib her den Stahl! Und sieh am harten Steine
Zerbröckl' ich ihn, als wär' er mürber Thon:
So liegt dein Eid getilgt, du Reine,
Zersplittert dir zu Füßen schon!

Gunlöda.
O tödte, tödte mich! Wohin mich wenden
Vor meines Vaters Zorn? wohin! o sprich!
Gib mir den Tod! Der Tod von deinen Händen,
Du Hoher, er allein, errettet mich!

Wodan.
Du willst den Tod! zu wundervollem Leben
In meinen Armen sollst du auferstehn!
Was willst du zagen? und warum erbeben?
Dich, holdes Kind, dich laß mich lächeln sehn.
O! widerstrebe nicht! laß dich umfangen!
Zu deiner Rosenlippe zieht mich hin
Ein unbesiegbar stürmisches Verlangen;
Erbarmen hab', du meine Siegerin!


Der Betrug.

Glutfunken sprühend
Wie Sigurdrifen
Wogend die heilige Lohe umgab;
Morgenrothglühend
Stieg in die Tiefen
Kindlichen Herzens die Liebe hinab.

Wie in den Wellen
Lauterer Bronnen
Schimmert des Mondes sehnsüchtiges Bild,
Oder die hellen
Strahlen der Sonnen
In der Valkyrie leuchtendem Schild.

Wäre dem milden,
Mächtigen Walten
Immer bereitet so herrlicher Raum,
Nach den Gefilden
Reinster Gestalten
Sehntest du, Fürstin des Lichtes, dich kaum.

Minneverlangend
Unwiderstehlich
Traf sie des glühenden Blickes Gewalt
Schmachtend und bangend,
Lächelnd und selig
Blickte sie auf zu der hohen Gestalt.

Himmlische Seelen
Reden im Schweigen,
Nimmer ein Laut sich den Lippen entwand;
Aber verhehlen,
Daß sie sein Eigen,
Konnt es der Blick, den die Liebe verstand?

Konnt es die weiße
Hand in der seinen,
Kaum des holdseligen Druckes bewußt?
Konnt es die heiße
Wange verneinen,
Konnt es - ach, kennt es die klopfende Brust?

Stunden, die schnellen,
Rauschten von dannen,
Wie durch den Aether die sausende Gna,
Als im lichthellen
Haine der Vanen
Volk die Hofwarpner-Berittene sah.

Wechselten Sonnen,
Wechselten Nächte
Schnell wie Stürme, glückselige Drei,
Da aus der Wonnen
Liebesgeflechte
Riß sie empor sich mit gellendem Schrei.

Der sie noch eben
Zärtlich umfaßte,
Der sie mit lodernden Küssen bedeckt.
Weh! ohne Leben
Liegt der Erblaßte,
Plötzlich Gunlöden zu Füßen gestreckt.

Ueber den Kalten
Warf sich die rme,
Blies in die Lippen ihm Odem hinein:
"Aller Gewalten
König, erbarme",
Schrie sie, "erbarme, erbarme dich mein!

Soll er nicht kehren
Wieder zum Leben,
Nimm dann auch mich in die ewige Nacht!
Was du begehren
Magst, will ich geben,
Wenn der Geliebte nur einmal erwacht!"

Plötzlich durchlodert
Leben den Blassen,
Gunlöd erbebend umfaßt er und spricht:
"Höllegefodert
Muß ich dich lassen,
Was mich errettet, du gibst es ja nicht!

Ach! in des Lebens
Seligster Stunde
Mußte das dunkle Verhängnis mir nahn.
Hältst mich vergebens!
Lauernd am Schlunde,
Grinst mich schon Hel, die Entsetzliche, an!

Eines vom Sterben,
Eins vom Versinken,
Kann mich erretten aus Niffelheims Flut.
Könnt ich erwerben,
Ach! könnt ich trinken
Züge, nur drei, von des Heiligen Blut!

Jubelaccorden,
Welche zermalmen -
Rieselndem Quell, der in Wüsten verdorrt -
Trostlos im Norden
Glühenden Palmen
Glich das entsetzliche, selige Wort.

Was sie gerungen,
Was sie getragen,
Bis es zu reden den Lippen gelang -
Andere Zungen
Mögen es sagen -
ber du nimmer, mein armer Gesang!

"Mochte vergießen,
Welten zu retten",
Sprach sie, "sein Leben der göttliche Held.
Sollen umschließen
Tödtliche Ketten,
Einziger dich! so verschmachte die Welt.

Glaubst du, versagen
Könne Gunlöde,
Was dich errettet von tödtlicher Pein?
Hemme die Klagen!
Niffelheims Oede
Flieht, und das Leben, das Leben ist dein!"

Rosige Finger
Leise nur drückten
Stählernen Riegel; mit klingendem Laut
Auf sprang der Zwinger,
Und den Beglückten
Führte nach innen die herrliche Braut.

Aber des Hohen
Wangen erglühten,
Wie er dem Ziel, dem ersehnten, so nah!
Wie ihn die Lohen
Purpurn umsprühten,
Wie er die leuchtenden Schalen ersah.

Wie um beschneiter
Hochberge Gipfel,
Flammt's um die göttlich gebietende Stirn;
Wie in geweihter
Pinien Wipfel,
Stürmt es im bräunlichen Lockengezwirn.

Kämpfte mit Sehnen,
Zagen und Bangen,
Will es vollenden und kann es doch nicht.
Strömten die Thränen
Ueber die Wangen,
Aber es siegte die göttliche Pficht.


Drei Züge.

Der Liedertrank in drei Gefäßen stand:
Odhrörir, Bodn und Son sind sie genannt.

Ein Kessel, riesengroß, Odhrörir war,
Gewaltigen Fässern glich das andre Paar.

"Aus jedem Einen Zug", Gunlöda spricht,
"Nimm dir, so sieht's vielleicht mein Vater nicht."

Da setzte Wodan Son an seinen Mund,
Ein einz'ger Zug leert ihn bis auf den Grund.

"Was thust du?!" schrie sie auf, "es ist genug!"
Er sprach: "Nun laß mich thun den zweiten Zug."

Auf hob er Boden und begann zu ziehn,
In einem Sturmwindesathem leert er ihn.

Stumm sah die Maid den ungeheuern Trug.
"Gewähre", sprach er, "nun den dritten Zug."

Odhrörir hob er auf, nicht leicht war der,
Doch trank ein Wodanszug auch diesen leer.

In ihrem Jammer sah's Gunlöda nicht;
Sie hielt die Hand vor's bleiche Angesicht.

Da blies der Gott. Der Fels, so ihn beengt,
Mit seinem Hauche hat er ihn gesprengt.

Und flog in eines weißen Adlers Kleid
Empor zu seines Reiches Herrlichkeit.


Der Adler Kampf.

Auge sonnenklar,
Fittig weiß wie Schnee,
Fuhr der Königsaar
Ueber Land und See.

Wie des Barden Lichtgedanke,
Angethan mit Harfenton,
Wirbelt über Stoff und Schranke
Zu der ewigen Schöne Thron;
Wie aus holdem Büßermunde
Steigt empor ein Glutgebet,
Wie zu Saga's Ohr die Kunde
Von gefallnen Hlden geht.

Ach, umsonst, Gunlöda,
Sendest du die Blicke,
Die verzweiflungswilden,
Dem Verräther nach!

Nimmer kann ihn rühren,
Daß in goldnen Locken
Wüthet deiner Hände
Silberweißer Glanz.

Doch die Luft durchbebt
Riesenflügelschlag:
Schwarzer Adler schwebt
Weißem Adler nach.

Suttung hat mit Macht gerungen
Und gerüttelt Nacht und Tag,
Bis es endlich ihm gelungen,
Bis er seine Burg zerbrach.
Nach Gunlödens Meth zu schauen,
Eilt er hin in Sturmeslauf:
Hoch zum Aether sieh! zum blauen,
Steigt der Götteradler auf.

Und von Angst geschüttelt
Seines Traums gedacht' er:
"Weh! wenn meines Schatzes
Hier der Räuber fliegt!
Auf, ihm nachzujagen!"
Riese zauberkundig,
Ohne Säumen stürzt er
Sich ins Adlerkleid.

Und Gunlöda stand
In den Felsen tief
Und emporgewandt
Sie zum Vater rief.

Ihre timme, sonst so helle,
Taubensanft und lerchenrein,
Schwoll empor, wie eine Welle
Stöhnend bricht am Felsgestein.
Tönte, wie auf Schlachtgefilden
Eines Sterbeseufzers Klang,
Wie das Zürnen jener wilden
Seherin im Hyndla-Sang:

"Eile, du mein Vater!
Hoher Suttung, eile,
Daß der Räuber nimmer
Dir entrinnen mag!
Schwinge deine Flügel,
Hole, was dein Eigen -
Vater! deine Tochter
Räche, räche sie!"

Aber als von fern
Er den Riesen sah,
Wodan wäre gern
Seiner Heimat nah.

Und die Sehnen seiner Flügel
Allgewaltig spannt er aus'
Sichtbar schon vom lichten Hügel
Schimmert ihm sein strahlend Haus.
Aber ach! des Stoffes Fülle,
Den der Gott nach oben trug
Unter weißen Fittigs Hülle,
Hemmte einen Adlerflug.

Schweren Strauß zu kämpfen,
Nahe schon dem Ziele,
Hat im Siegerrausche
Wodan kaum geahnt!
Hier mag Asenstärke
Nicht dem Gotte frommen:
Adler gegen Adler
Ist ein gleicher Kampf.

Groß im Asenland
Da das Bangen war,
Auf den Zinnen stand
Hoher Götter Schar.

Asen standen und Asynen
Dichtgedrängt an Bifrosts Rand,
Hatten ihres Königs Mienen
Längst am weißen Aar erkannt.
Und am schwärzlichen Gefieder,
Das des Andern Leib bedeckt,
Ahnten sie der Riesenglieder
Ungeheure Kraft versteckt.

"Warum flieht der Hohe?"
Fragten sich die Götter.
"Warum mag er nimmer
Diesen Strauß bestehn?
Welch ein Zauber lähmet
Seine lichten Flügel?
Wehe, der Verfolger
Ueberholt ihn schon!"

Doch die Königin
nimmer furchtbeengt,
Weiß im hellen Sinne,
Was den Aar bedrängt.

"Ginge noch an Asgards Thoren",
Ruft sie, "das gepriesne Naß,
Ginge Quasir's Blut verloren,
Nimmermehr ertrüg' ich das!
Sich des Feindes zu erwehren
Wagen darf er nie den Streit,
Bis er nicht von seiner schweren
Bürde Fesseln sich befreit."

"Gna und Hlyn und Fulla!"
Ruft die Königliche:
"Traget goldne Schalen,
Vor Walhallas Thor!
Bald ein seltner Regen
Träufelt über Asgard,
Keiner seiner Tropfen
Darf verloren gehn!"

Hart war Wodan's Stande;
Von des Feindes Flug
Seine Brust empfand
Schon den Windeszug.

Wie ein Viking, Allem trotzend,
Das mit ihm die Woge theilt,
Schiff, an reicher Ladung strotzend,
Mit geschwindem Kiel ereilt,
Legt es auch der Ruder Schwingen,
Alle Segel bei zur Flucht,
Kein Entrinnen mag gelingen,
Läßt es nicht der Schätze Wucht.

Und die Asen bebten
Hoch auf Bifrosts Bogen:
"Ach! daß Thor von dannen
Fern gen Osten fuhr!
Wäre Thor zugegen,
Mit gespaltnem Haupte
Läge längst der Unhold
Von des Hammers Wucht!"

Und noch einmal schwang
Wodan sich empor,
Von der Flügel Klang
Dröhnte Asgards Thor.

Plötzlich, gleich des Nordens Sterne,
Festgebannt am Firnament,
Maß er einmal noch die Ferne,
Die ihn von den Seinen trennt.
Hob das Haupt mit Einemmale,
Seine Kehle ward ein Quell:
Quasir's Blut in Frigga's Schale
Schoß in einem Riesenstrahle
Nordscheinglutig, sonnenhell.

Wie da Suttung schaute,
Daß der Schätze Kleinod
Ganz unwiederbringlich
Ihm verloren sei,
Schwollen seine Adern,
Augen Rache sprühten,
Aus den Nüstern stürmte
Grenzenlose Wuth.

Und ein Kampf begann!
Sah die Sonne je,
Was ihm gleichen kann
Ueber Land und See?!

Götteradler hat geschwungen
Sich nach oben, bürdelos,
Riesenaar ist nachgedrungen,
Beide rüsten sich zum Stoß.
Schossen, eh sie sich umfaßten,
Speere aus der Augen Brand;
Hielten stille, wie zum Rasten,
Ihre Flügel ausgespannt!

Schwebten dann noch oben,
Schwebten auf und nieder -
Eimern, die am Brunnen
Wechselnd schweben, gleich -
Lange hielt sich Suttung
Nicht: das Haupt nach unten,
Stürzte, gräßlich kreischend,
Er auf Wodan sich.

Aber leicht und frei
Wich der Gott ihm aus,
Suttung schoß vorbei
In die Luft hinaus.

Doch so mächtig war der Flügel
Schwung, der ihn von dannen trug,
Daß die diamantnen Hügel
Asgards seine Stirne schlug.
Und mit donnerndem Getose,
Mit zerschmettertem Gebein,
In das Nichts, das bodenlose,
Stürzt der Rasende hinein.

So in sein Verderben
Sank, mit dem im ganzen
Riesenland an Stärke
Keiner sich verglich.
Doch mit leichtem Schwunge
Wodan stand in Asgard:
Schnell von seinen Schultern
Sank das Adlerkleid.


Bauge und Gunlöda.

Bauge fuhr empor - geschlafen
hatt' er lange - sieh, da trafen
Seine Blicke, schlummertrunken,
Suttung's Maid, die tränenlos
Starrte, mit gelösten Locken,
Gleich geknickten Lilienglocken,
Stumm und leblos hingesunken
Auf des Felsens harten Schoos.

Und er naht sich, leise schleichend,
Seine Hand der Armen reichend!
"Gunlöd!" sprach er, "süßes Leben!
Blick empor! dein Freund ist hier!"
Schauer fuhr durch ihre Glieder,
Als sie hob die Augenlider;
"Weh mir!" schrie sie auf mit Beben,
"Auch noch das! - o wehe mir!"

"Nimmer dich vor Baugen scheue!"
Sprach der Alte, "seine Treue
Ist so groß wie seine Habe,
All sein Gold ist nicht so rein.
Heil mir, daß mit Demantbinden
Deine Locken ich umwinden
Kann, zur stolzen Morgengabe,
Und die Brut mit Perlenreihn.

Führe nun auf schnellstem Rosse,
Gunlöd, dich zu meinem Schlosse.
Dein sind seine Strahlenzinnen.
Dein ist Wiese, Flur und Wald.
Grau zwar ist mein Haupt, die Sorgen
Bleichten's; doch ein neuer Morgen,
Gunlöd, glänzt in deiner Minnen
Wunderseliger Gewalt."

Ruhig fest die blauen Augen
Richtete die Maid auf Baugen:
"Die Verlassne, Vaterlose,
Hat zum Schutz nur dich allein.
Deine Liebe zu erproben,
Eine Bitte mußt geloben
Zu erfüllen, eine große,
Und ich bin für ewig dein!"

Und er schwur mit Mund und Händen,
Ihr Begehren zu vollenden:
"Wär's mein Leben, wie geringe
Wär' es gegen deine Huld!"
"Nun, so höre meine Bitte:
Nimm dein Schwert, und in die Mitte
Meines Herzens stoß' die Klinge,
Nur der Tod tilgt meine Schuld!"


Wodan's Trauer.

Alle Götter nahten
Jubelnd mit Gesang,
Ihm entgegen traten
Sie mit Harfenklang;
Alle Königinnen,
Die von Fensals Zinnen
Auf der Welt Beginnen
Schaun die Tage lang.

Aber düster schritt er
Durch die lichten Reihn,
Gramumzogen tritt er
Zu Fiorgynen ein.
Nach der Sehnsucht langen
Nächten, voller Bangen,
Färbte Frigga's Wangen
Froher Purpurschein.

Selig führt den Gatten
Sie ins Prachtgemach,
Dem ein finstrer Schatten
Auf der Stirne lag.
Ihn hinwegzubringen
Wollte nicht gelingen
Ihrer Liebesschwingen
Zärtlich holdem Schlag.

"Weh mir!" sprach umfeuchtet
Sie vom Thränenthau,
"Keine Freude leuchtet
Der verschmähten Frau.
Meines Lebens Wonnen
Sind sie ganz zerronnen?
Deckt der Liebe Sonnen
Ewigen Nebels Grau?

Wodan! arger Wandrer!
Du vergaßest mein
Bei den Reizen Andrer? -
Kann es möglich sein?!
Tanzen nicht der Riesen
Töchter, huldgepriesen,
Auf den fernen Wiesen
Ihren Zauberreihn?

In den Höhlen drinnen -
Trügt mich Ahnung nicht -
Wohnen Hüterinnen
Hold von Angesicht;
Ihre Lieder schallen,
Ihre Busen wallen,
Um die Schultern fallen
Ihre Locken licht!"

Wodan sprach: "O nimmer,
Frigga, frage mich,
Wie der Freude Schimmer
Mir vom Antlitz wich,
Wo die Hoffnung strandet,
Wo das Elend brandet,
Dort ist sie gelandet,
Drum verzweifelt' ich!

Alles ist gelungen,
was ich vorbedacht,
Himmlisches errungen,
Herrliches vollbracht.
Ja, der heiß begehrte
Trank, der langentbehrte,
Sangesglutverklärter,
Preist Allvaters Macht.

Dennoch, nimmer fodre,
Daß in Siegeslust
Meine Seele lodre:
Schwerer Schuld bewußt
Bin ich, konnte scherzen
Mit dem reinsten Herzen,
Brachte Todesschmerzen
Einer Himmelsbrust.

Daß die Welt sich freue
An der Lieder Huld,
Ist mein Lohn - die Reue,
Ist mein Theil - die Schuld.
Ach, vergebens wehrte
Sich die Gramverzehrte,
Als Odhrörir leerte
Meine Ungeduld!

O! vergießen wollt' ich
Froh mein Götterblut;
Ihr zur Sühne zollt' ich
Gern mein höchstes Gut!
Zu der Nornen Hagen,
Meinen Schmerz zu klagen,
Geh ich, und zu fragen
Urdas heilige Flut.

Da erblaßt im Harme
Frigga's Angesicht,
Mit dem stolzen Arme
Sie den Gott umflicht
Hält in sanft umschlungen
Und hat schwer gerungen,
Bis mit leiser Zungen
Sie die Worte spricht:

"Wenn aus Todesgrauen
Ihr Erlösung winkt,
Wo hinab zur blauen
Hel ein Andrer sinkt,
O, dann stieg' ich gerne
In die dunkle Ferne,
Wo kein Glanz der Sterne,
Keine Sonne blinkt!"


Der Nornen Trost.

Die Jungfraun, die, was kommmt und was vergangen,
Mit Augen, die von ewig waren, schaun,
Sie thronen nicht in Asgards Blütenprangen,
Nicht in Iduna's hellen Rosenaun;
Ein düstrer Schauer hält den Hain umfangen,
Wo sie am Dom des Weltenschicksals baun,
Stumm rieselt unter ihres Sitzes Schwelle
Die zeitenspiegelnde gepriesne Quelle.

Zu diesen Schatten trug von Fensals Zinnen,
Der höchste Gott des Kummers schwere Last;
Wie so ganz anders war ihm sonst zu Sinnen,
Wenn er in frohen Ungestümes Hast,
Vom Weltgeheimnis Kunde zu gewinnen,
Hinschritt, der Nornen hochwillkommner Gast;
Jetzt wallt' er langsam, auf der Stirne Bangen,
Als scheut er sich, sein Urtheil zu empfangen.

"O Skulda!" sprach er, "oft zu deinen Füßen
Hab' ich gesessen, habe dich gefragt,
Ob immer denn die Reinsten leiden müssen,
So oft der Welt in neuer Morgen tagt.
Ob denn allein, allein aus Thränenflüssen,
Der goldnen Zeiten fernes Eiland ragt?
Du aber, Jungfrau, an der Zukunft Rocken,
Du schwiegst und schüttelst die dunklen Locken!

Sie sind nun mein, des Dichtertrankes Wogen,
Doch ach! erkauft mit der Geliebten Blut,
ich habe sie, die Heilige, betrogen,
Und sie vergoß des Lebens Purpurflut;
Sie ist hinab gen Niffelheim gezogen,
O, lächle nicht, du weißt es allzu gut!
Eins sage mir, kann meine Macht zum Leben
Der Götter nie die Göttliche erheben?"

Da zitterten in Skulda's Augen Thränen,
Doch auf der Stirne glänzte Rosenschein -
"Wir waren", sprach sie, "Zeugen des Geschehnen,
Die Quelle zeigt' es uns, in Urdas Hain.
Sie ging mit ihres Herzens frommem Sehnen
Zum düstern Saal der bleichen Göttin ein,
Die hält sie fest mit ihren Schlangenketten,
Und Götterstärke mag sie nimmer retten!"

Einst aber wird aus ihrer heiligen Zähre
Die Erde goldne Saaten sprießen sehn.
Kennst du das Inselland in Nordens Meere?
Dort wird ein neuer Quasir auferstehn.
Der wird sie schütteln, die Gesanges Speere,
Daß sausend sie durch alle Lande wehn;
Spricht er, so braust's gleich herrlichen Gewittern,
Doch wenn er singt, so werden Welten zittern.

Dem dürfen frei wir Alles offenbaren,
Was wir den Göttern sonst allein vertraun,
Der wird die Welt in einem ewig klaren,
Von Mimer's Flut bethauten Spiegel schaun.
Ein wild Gedränge wird sich um ihn scharen,
Gewaltiger Männer, wunderbarer Fraun,
Er aber wird, ein freier König, walten
Im freien Reich unsterblicher Gestalten.

Doch was erblick' ich? welche Herrlichkeiten?
Welch hehres Glühn am fernsten Himmelsrand!
O, seid gepriesen, wundervolle Zeiten,
O, sei gesegnet, hochgelobtes Land!
Zu dir hinab, aus seines Himmels Weiten
Hat er sich selbst, der Götterfürst, gewandt -
Er kommt, ein Sänger selbst, in ird'scher Hülle,
Und doch umlodert von der Gottheit Fülle.

Und ein Gesang auf Erden wird ertönen,
Der sich allmächtig in die Herzen drängt,
Daß eine Sturmflut des unendlich Schönen
Unwiderstehlich jede Fessel sprengt -
Bis dann in einem heiligen Versöhnen
Das Wildempörte liebend sich umfängt,
Und um des Weltalls neuverjüngte Glieder
Hinwogt die selige Gewalt der Lieder.

Was hohe Seelen rein und tief durchdrungen,
Doch was zu künden keine Brust verstand,
Weil durch verworrner Pfade Dämmerungen
Kein Sterblicher den rechten Führer fand:
Dann wird es klar! in unerhörten Zungen
Klingt es so fremd, und doch so wohlbekannt,
Als wär es das, was Jeglicher zu sagen
Sich mühte seit der Kindheit ersten Tagen.

Was immer nur vermag die Brust zu heben,
Zu Himmelslust, aus Kummer, Angst und Noth,
Was nur ins dämmerungsumhüllte Leben
Hinüberstrahlt, wie fernes Morgenroth,
Um deiner Fersen Tritte soll es schweben
Wie Rauch, wenn eine Opferflamme lobt;
Von dieser Tage Pracht wird durch Aeonen
Noch das Gedächtniß bei den Menschen wohnen.

In eine Sprache soll dein Lied sich kleiden,
Schon tönt ihr Silber-Wohllaut in mein Ohr,
Sie braust daher, wie Nordwind über Haiden,
Sie säuselt, wie der West im Lilienflor.
Sie wird in Seelen wie ein Flamberg schneiden;
Wie seinen Hammer schleudert Asa-Thor,
Wird einst mit ihr ein Donnrer niederblitzen
Die Lügengötter von den goldnen Sitzen!

Auf einer Flur im Maienblütenprangen
Wirst du Gunlöden, Wodan, wiedersehn;
Sie wird mit erster Liebe süßem Bangen
Noch einmal stumm vor deiner Größe stehn,
Und ach! noch einmal, Thränen auf den Wangen,
So schweigend, wie sie kam, von dannen gehn.
Doch freue dich! auf deiner Lieder Flügeln
Schwebt dann ihr Geist zu jenen Blütenhügeln.


Der Dichtung Hort.

Vor Wonne da zu leuchten
Des Gottes Stirn begann,
Die hohen Wimpern feuchten
Mit holdem Thau sich an.
"Dank euch, erhabne Frauen!
Ich soll sie wiederschauen
Nach Angst und Grabesgrauen,
Sie, die mein Herz gewann!

Dann, wo die Höchsten thronen
In ihrer Herrlichkeit,
Sollst du mit ihnen wohnen,
Verklärte Gottesmaid!
Du sollst mit reinen Händen
Bis alle Welten enden
Den Trank des Schmerzes spenden
Der zu Gesängen weiht.

Nicht in der Höhle Dunkel,
In Trauer und allein -
Nein! hoch im Lichtgefunkel
Vom duftumwebten Hain,
Wo in den Lorbeerbäumen
Die Nachtigallen träumen,
Da soll die Quelle schäumen
Und ganz dein eigen sein.

Wenn dann die Tropfen blinken
Wie du, so rein und klar,
Kommt hergewallt, zu trinken,
Der Auserwählten Schar,
Und durch des Weltalls Weiten
Wird Wonne sich verbreiten,
Bald werden Seligkeiten
Des Himmels offenbar!

Wenn so in Liedeshulden
Sich Alles rings verschönt.
Wird dann auch mein Verschulden,
Du herrlich Kind! versöhnt?
Wir lieben Alle, Alle
Uns hier in lichter Halle,
Bis zu der Welten Falle
Das Gjallarhorn erdröhnt.