Die Anderswelt

Kapitel 6
Begegnung mit einer Dunkelelfe

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Aníra war gerade dabei, ein paar Speisen in der Burgküche zuzubereiten, als sie einen Blick aus dem Fenster warf. Sie traute ihren Augen nicht. Friedlich und vergnügt spazierte da eine Truppe von Lichtelfen auf ihre Burg zu. Das konnte doch nicht wahr sein! Seit ewigen Zeiten wurde ihr Reich und geschweige denn ihre Burg gemieden und nun das. Aníra wurde klar, warum sie seit heute früh diese innere Unruhe gespürt hatte. Seit dem waren wohl diese Wesen hierher schon unterwegs. Ja Wesen, denn wenn sie genauer hinsah, erkannte sie einen Drachen, der, als ob es das Normalste der Welt wäre, einfach mitlief. In Aníra krampfte sich alles zusammen. Die einfachsten Dinge, auf die sie sich jahrhundertelang verlassen konnte, schienen plötzlich nicht mehr zu stimmen: Gleipnir war nicht zu finden, die Lichtelfen mieden sie nicht mehr... Sollte denn alles zu Ende sein? Sie nahm einen Krug mit eiskaltem Wasser und spritzte es sich fast panisch ins Gesicht, schnappte sich ein Tuch und trocknete sich ab. Sie warf das Tuch wütend in die Ecke und atmete dreimal tief durch. Das half: ihr Adrenalinspiegel senkte sich wieder und so konnte sie auch den Spruch auf dem Handtuch lesen, den wohl vor vielen Jahren seine Schöpferin kunstvoll eingestickt hatte: Niemand möge verzagen, denn geht eine Türe zu, so tut sich sogleich die nächste auf.
"Das kann doch nicht sein!" dachte Aníra laut. Aber nun huschte wieder ein Lächeln über ihr Gesicht. Das war sicher ein Zeichen, das ihr eine wohlgesonnene Seele gesendet hatte. Sie schloss die Augen und flüsterte "Danke Mutter"!
AníraAlso hieß es, frohen Mutes die Delegation der Lichtelfen empfangen und auf die Zukunft vertrauen! Aníra rückte die Töpfe etwas von der Herdmitte weg, dass nichts anbrennt, legte ihr Alltagsgewand ab, zog ihr blaues Samtkleid an und begab sich hinunter in den Empfangssaal.

Nun war sie doch etwas geschockt. Denn ohne ihren ausdrücklichen Befehl hatte Kieran die Fremden eingelassen und unterhielt sich munter mit den Ankömmlingen. Verdammter Gleipnir! Wo hatte er sich nur versteckt? Aber sie mahnte sich zur Ruhe, setzte ihren schrecklichsten Hexenblick auf und rief:
"Wer wagt es, von der Lichtelfen- und Drachenbrut, ohne Einladung meine Burg zu betreten?" Erschrocken wandten sich alle fünf zu Aníra um. Sarah fand als erstes die Stimme wieder und erklärte:
"Verzeihung, Frau Burgherrin, uns war nicht bekannt, dass es einer Einladung bedarf. Euer Diener hat uns auch einfach eingelassen, ohne sich eine solche vorzeigen zu lassen..."
"Ja, darüber reden wir später noch!" fauchte eine äußerst aufgebrachte Dunkelelfe Kieran an, wovon sich aber Sarah nicht beeindrucken ließ, sondern einfach weitersprach:
"...und zudem sind wir nicht alles Lichtelfen und Drachen, denn ich bin ein Mensch."
Erst jetzt sah Aníra Sarahs niedliche, rundliche Ohren. Kein Zweifel, sie sprach die Wahrheit. Aber Lichtelfen hatten doch keine Menschenkontakte!
,Vergiss alles, was dir bisher sicher schien.' forderte sie sich in Gedanken auf. Etwas unsicher, aber immer noch mit lauter Stimme verkündete Aníra:
"Nun denn, wo ihr schon mal da seid, so heiße ich euch ausnahmsweise auf meiner Burg willkommen. Das Gastrecht werde ich euch ein Jahr und einen Tag gewähren, wie es in meiner Kultur üblich ist. Nehmt bitte im Speisezimmer Platz..." bei diesen Worten öffnete sich eine Seitentür, auf die Aníra wies, "...und Kieran, du machst vier Gästezimmer fertig und dann wird das Essen fertig sein, worauf du es uns auftragen wirst."
Aníra hatte darauf ein "Sehr wohl, Herrin" zu hören erwartet, aber Kieran antwortete ziemlich locker:
"Das geht in Ordnung, hatte ich ohnehin vor!"
Sie biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszubrüllen. Es würde nichts bringen, zu sehr hatte sie sich bisher auf Gleipnir verlassen und keine Tränke noch sonst etwas gemixt, um Kieran unter Kontrolle zu halten. Aber wenn sie jetzt nicht die Nerven verlor, würde sie alles wieder in den Griff bekommen.
Aníra drückte noch einmal das Rückgrat durch und schritt, gefolgt von Sarah, Fiona, Raswid und Swior majestätisch in den Speisesaal. Um eine sehr lange Tafel aus dunklem Nussbaumholz standen dort 13 Stühle mit hohen Lehnen. Die Sitze waren mit dunkelgrünem Samt gepolstert und auch das Tafeltuch war aus diesem Material. Aníra öffnete die Tür eines Büfetts, nahm einen Laib Brot und ein Schälchen Salz heraus und stellte es auf den Tisch.
"Ah, Brot und Salz," fand Sarah ihre Stimme wieder, "das ist ja wie auf der Erde. Dort wird in manchen Gegenden das selbe zur Begrüßung gereicht."
"Auf der Erde also." bemerkte Aníra. Na klar, woher sonst sollte auch ein Mensch kommen. Sie hatte einfach nicht daran gedacht, dass es wohl normal sei. Aber sie überwand ihre Verwunderung sehr schnell. "Erzähle doch, wie lebt man in diesen Zeiten auf der Erde?"
Von dem lockeren Plauderton animiert, tatsächlich auf die Frage zu antworten, hob Sarah den Kopf, wurde aber noch vor dem ersten Ton von Fiona durch einem Tritt unter dem Tisch gebremst.
"Euer Diener scheint mir auch recht menschlich," entgegnete statt Sarah die Lichtelfe und verhinderte so geschickt Aníras Versuch, Sarah noch mehr Informationen zu entlocken, "kommt er auch aus Sarahs Heimat?"
Doch lag es Aníra in diesem Moment fern, ans Aufgeben zu denken. Auch wenn ihr die ungebetenen "Gäste" mehr als lästig waren, so wollte sie doch möglichst viel über sie herausfinden, wenn sie denn schon einmal da waren. So kam es ihr gerade recht, dass Kieran bereits mit dem ersten Gang des Essens auftauchte und sie so tun konnte, als ob sie mit dem Geben von Anweisungen mächtig zu tun hätte. Und tatsächlich fing sie sich gleich auch wieder an, darüber zu ärgern, dass Kieran sich immer aufsässiger verhielt. Als er das Essen auftrug verneigte er sich doch tatsächlich nicht einmal vor ihr. Nein, er stellte ihr den Teller Suppe so unsanft auf den Tisch, dass diese beinahe übergeschwappt wäre und ihr feines Gewand beschmutzt hätte.
"Pass doch auf, du Tölpel." empörte sie sich.
Kieran hatte nur dreist gegrinst und sie mit einem noch dreisteren "Sorry." abgespeist.
Die anderen hatten nur verwundert über ihre Löffel geschielt und mit einem Schulterzucken weiter gegessen. Nur Fiona beobachtete die Dunkelelfe mit aufmerksamen Misstrauen. Schließlich hatte Roskwa sie gewarnt, sie solle ihr nicht vertrauen, doch trotz alle dem, sie hatte sie sich die Zauberin weitaus bedrohlicher vorgestellt. Ihr Gegenüber war eine junge Frau mit fast sanften Gesichtszügen, leicht schräg stehenden blauen Augen, einem olivfarbenen Teint und langen dunklen Locken. Zweifelsohne sie war sehr schön und wenn ihr Augen nicht so unergründlich gewesen wären, hätte es wohl keinen Anlass zur Sorge gegeben. So jedoch jagte ihr Aníra immer noch eine unangenehme Gänsehaut den Rücken hinunter. Doch so leicht ließ sich auch Fiona nicht unterkriegen, sie versteckte ihre Hände unter der Tischdecke und wob unauffällig einen Schutzzauber um sich, so würden ihr die Hexenkräfte der Zauberin nichts anhaben können. Sie hätte dasselbe auch gern für ihre Freunde getan, doch dies war ja Aníras Reich und außer für sich selbst konnte sie mit ihren eigenen Kräften hier keinerlei Einfluss ausüben. Zumindest so lange die Macht der Dunkelelfe ungebrochen war, denn irgend etwas stimmte mit ihr nicht, soviel spürte sie. Selbst ihr Diener dieser hübsche Kieran, verhielt sich mehr als seltsam.

Während sich unsere Freunde mit gemischten Gefühlen bei dem noch seltsameren Mahl befanden, kehrte ein dienstbeflissener Rabe zu seinem Herrn zurück.
Der Druide hatte in seinem Lieblingsbirkenwäldchen, in welches ihn sein langer Weg durch Dalriada verschlagen hatte, auf die Rückkehr seines treuen Haustiers gewartet. Doch Loki hatte lang auf sich warten lassen. Kein Wunder, Gleipnir war selbst für den gut durchtrainierten Raben eine schwere Last. So strich Loki im Trudeltiefflug über die kleine Lichtung und ließ das unbequem schwere Ding einfach über dem Kopf seines Herrn fallen. Der Druide, auf diese Weise so unsanft aus seiner Meditation geweckt, war aber sofort hellwach, als er feststellte was sein schwarzer Liebling diesmal von seinem Raubzug mitgebracht hatte. Mit flinken Händen kramte er aus dem Beutel um seinen Hals ein Stück Trockenfleisch hervor, das er Loki zuwarf. Dieser schnappte sich seine Belohnung und zog sich in den Wipfel einer hohen Esche zurück, weil er nach der anstrengenden langen Reise dringend der Ruhe bedurfte.
Gedankenversunken drehte der Druide den Armreif in seinen Händen hin und her, hielt ihn prüfend gegen das Sonnenlicht und murmelte triumphierend vor sich hin: "Kein Zweifel, das ist Gleipnir. Solch Ding zu schaffen, gelingt wohl nur einer: meiner Tochter. Und wo ihre Werke sind, kann sie selbst nicht weit sein."
Der Druide versetzte sich sofort wieder in Trance und nahm Kontakt zu Loki auf. So konnte er nun Lokis Flug nacherleben und tatsächlich: in einer Burg unweit von hier erkannte er eine schlanke, edle Frau. Das musste seine Tochter Aníra sein. Doch, oh weh, die Burgmauern erzählten dem Druiden Schlimmes. Der Leumund seiner Tochter und ihrer magischen Künste hatte ihn erreicht gehabt. Nicht jedoch die Kunde von ihrer harten Herrschaft und ihrer Einsamkeit. Und er bereute für einen Augenblick, dass er Ennyn damals allein gelassen hatte.
"Ach Ennyn!" seufzte der Druide und versank in Erinnerungen. Sie war eine starke Frau, ganz so wie er es mochte. Kennen gelernt hatte er sie bei einem Lugnasadh-Fest. Dort hatte sie zu Ehren des Gottes Lug getanzt. Und doch war ihr Tanz anders gewesen, als der aller anderen Elfenfrauen. Der Druide hatte gespürt, dass sie ganz genau wusste, welche Bewegung sie machte und welche Bedeutung sie hatte. Er hatte gespürt, dass sie mit dem Gott Kontakt aufgenommen hatte, während die anderen nur dem Ritual folgten. Nach dem Tanz hatte Mathonwys sie angesprochen und sie hatten an diesem Abend ein langes Gespräch über Magie und die Götter geführt. Dann war sie ihm eine ganze Zeit nicht über den Weg gelaufen. Aber da er ständig an sie denken musste, war er nach einer Weile aufgebrochen, sie zu suchen. Er fand sie und auch sie verliebte sich in ihn. Die Hochzeit war dann sehr schnell. Nach zwei Jahren wurde sie schwanger und gebar Aníra. Und dann begannen die Probleme. Es zählte nur noch das Baby. Aníra hinten, Aníra vorn. Ennyn hatte den Traum von einem großen Reich der Dunkelelfen, über das ihre Tochter eines Tages herrschen würde. Sie kümmerte sich fast nur noch ausschließlich um die Tochter, den Bau der Burg, deren Verwaltung. Er fühlte sich nebensächlich.
Mathonwys hatte versucht die Sache mit einer Aussprache aus der Welt zu schaffen, hatte sich bemüht Verständnis für Ennyn aufzubringen, indem er ihr seine Probleme darzulegen versuchte.
Doch es kam ganz anders, als er gedacht hatte. Sie war eine zu stolze Frau, als dass sie ihm das durchgehen ließ. Sie liebte ihre Macht sehr, das hatte er immer gewusst. Aber wie sehr, das fand er erst an diesem Abend heraus, als sie ihm antwortete:
"Ich habe schon eine Weile gemerkt, dass du unzufrieden bist. Ich kann dir nicht geben, wonach deine Seele verlangt. Aber wisse: ich bin eine starke Frau und weiß Aníra wohl alleine groß zu ziehen. Geh und suche dein Glück. Ich wünsche dir, dass du es findest."
Der Druide schüttelte den Kopf. Nein, er bereute nichts mehr. Sie hatte recht behalten und war eine der mächtigsten Frauen unter den Dunkelelfen geworden. Und Aníra stand ihr in nichts nach. Gleipnir in der Hand bewegend und von allen Seiten betrachtend bewunderte er nochmals ihre Kunstfertigkeit.
Eines war nicht geschehen, was Ennyn ihm gewünscht hatte: Sein Glück hatte er nicht gefunden. Aber wenigstens seine Tochter wollte er noch einmal sehen, bevor er den Tod begrüßen wollte.
Der Druide schulterte seinen Beutel, rief Loki der sich alsbald auf seine Schulter setzte, und machte sich auf den Weg zur Burg seiner Tochter.

Inzwischen begaben sich unsere Freunde mit äußerst gemischten Gefühlen in Aníras Burg zu Nachtruhe.
Sarah hielt es in ihrem Zimmer nicht lange aus. Die Steinmauern kamen ihr fast erdrückend vor und sie konnte sich einer klaustrophobischen Anwandlung nicht entziehen, davon mal ganz abgesehen zog es schrecklich, denn die Fensteröffnung war nicht mit Glas, sondern nur mit Holzfensterläden verkleidet, die zudem noch brüchig waren. Die kalte Luft konnte also fast ungehindert in das Innere der Burg strömen. Sarah schnappte sich, zitternd vor Kälte, das Bettzeug und ihren Umhang und zog zu Fiona ins Nebenzimmer um.
Auch Fiona hatte keinen Schlaf gefunden, als es an der Tür klopfte fuhr sie zusammen. Auf Zehenspitzen schlich sie sich zur Tür und lugte durch das Schlüsselloch.
"Wer ist da?" wisperte sie. Atmete jedoch erleichtert auf, als sie Sarahs Stimme hörte. "Lass mich rein, Fiona. Ich kann in diesem Hexenschloss nicht alleine sein."

Wenig später saßen die beiden Mädchen bei einer Tasse Tee zusammen, die ihnen Kieran aufs Zimmer gebracht hatte. Sie hatten beschlossen das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, da ihnen Kieran nicht unsympathisch vorkam, hatten sie ihn als ihre Informationsquelle auserkoren.
Kieran genoss die Aufmerksamkeit der beiden jungen Frauen, die zuerst mit ihm scherzten und dann wie beiläufig nach seiner Herkunft auszufragen begannen.
Doch die beiden gingen geschickt nach Plan vor, den sie zuvor ausgeheckt hatten.
Sarah lachte über einen von Kierans Witzen und legte, als sie wieder ernst wurde, die Hand auf seinen Arm.
"Kieran, du bist ein Mensch. Wie kommst du hierher und wieso dienst du der dunklen Herrscherin?"
Dem Mann blieb augenblicklich das Lachen im Halse stecken. ,Tücke, dein Name ist Frau.' dachte er, als ob er sich den zweiten Teil dieser Frage in den letzten Tagen nicht selbst immer und immer wieder gestellt hätte.
Er war zu keinem Ergebnis gekommen. "Ich weiß es nicht." antwortete er somit wahrheitsgetreu. "Viele Jahre, mehr als ich zählen kann, stehe ich nun schon in ihren Diensten. Vielleicht ist das immer schon so gewesen, trotzdem kann ich mich erinnern, dass ich auf einer grünen Insel geboren wurde. Meine Eltern hießen Matthew und Elaine O´Reileigh. Ich hatte zwei Brüder und vier Schwestern, die noch klein waren, als ich mein Elternhaus verließ. Doch weiß ich nicht wie ich hierher kam und was seitdem in meiner Heimat geschehen ist." endete er traurig seinen Bericht.
Fiona und Sarah sahen ihn mitleidig an.
"Nun Kieran O´Reileigh, wenn du auf der Grünen Insel geboren wurdest, dann bist du Ire." stellte Fiona fest. Und dann kam ihr ein weiterer Gedanke.
"Wann wurdest du geboren?"
Kieran sah sie verständnislos an. "Im Jahre des Herrn 1631. Im Moment müssten wir das Jahr 1656 haben, denn ich bin in diesem Jahr 25 geworden, wenn ich richtig mitgezählt habe." Erklärte er stolz.
Sarah klappte bei dieser Äußerung die Kinnlade nach unten.
"1656? Gott, Kieran da hast du dich aber ganz gewaltig verzählt. Dass du 25 bist das nehme ich dir ja noch ab, doch wir haben jetzt das Jahr 2003 auf der Erde."
Der junge Mann sah sie mit großen Augen an, doch dann begann er zu lachen.
"Ihr scherzt mit mir, Mistress Sarah.", sagte er und schüttelte mit dem Kopf.
"Ich mag zwar nicht so gebildet sein wie ihr. Doch solch Possen glaube ich nun auch wieder nicht."
Fiona und Sarah sahen sich entsetzt an. Das Aníra den armen Kerl unter einen Zauber des Vergessens gesetzt hatte, war ganz offensichtlich, doch wie war dieser gewaltige Zeitsprung zu erklären?
"Kieran, deine Herrin hat dich unter einen Zauber gesetzt." versuchte Fiona die Situation aufzuklären. "Sie hat große Macht. In diesem Reich, auch wenn es nicht groß ist, gebietet sie über die Zeit. Jedenfalls bis vor kurzem. Ich weiß noch nicht weshalb, doch Aníra verliert an Kraft, deshalb kannst du dich auch wieder an deine Vergangenheit erinnern."
Sarah konnte sehen wie Kieran förmlich in sich zusammen fiel. "Was Ihr sagt ergibt einen gewissen Sinn für mich. Es erklärt so einiges." sprach er und schluckte. "Wenn es aber wahr ist, dann bedeutet das, mein Zuhause gibt es nicht mehr. Meine Eltern, meine Geschwister und all die Leute, die ich kannte liegen alle unter der Erde."
Sarah berührte sanft seine Wange: "Es tut mir leid Kieran, ich kann nur ansatzweise begreifen, wie du dich jetzt fühlen musst."
Kieran ballte die Faust: "Sie hat mir mein Leben gestohlen, meine Identität und mich zu ihrem Handlanger gemacht. Das wird sie mir büßen müssen."
"Urteile nicht so vorschnell Kieran." versuchte Fiona ihn zu beschwichtigen. "Sicher sie hat eine Menge Schuld auf sich geladen, doch sie ist auch selbst ein Opfer der Umstände. Ich habe einiges über ihre Mutter Ennyn gehört. Sie soll eine kühle, machthungrige Frau gewesen sein, die ihrer Tochter von klein auf beigebracht hat, nur die dunkle Seite zu sehen. Aníra hat nie etwas anderes als Kälte und Egoismus kennen gelernt, wie hätte sie es besser wissen sollen, hatte sie doch keine andere Bezugsperson als ihre Mutter."
"Nehmt es mir nicht übel." nuschelte Kieran "Doch kann ich im Moment kein Mitgefühl für die Herrin erübrigen. Ich hätte nicht übel Lust, ihre Pläne zu durchkreuzen: Ich weiß wie sehr sie eigentlich Lichtelfen, wie euch hasst." Er schaute dabei Fiona an. "Deshalb gehe ich davon aus, dass sie es euch nicht so leicht machen wird, ihr Reich wieder zu verlassen."
Fiona lächelte: "Du bist ein guter Beobachter Kieran." lobte sie, "Genau zu demselben Schluss bin ich auch gekommen. Du kannst uns durchaus behilflich sein, indem du Aníra ab jetzt ganz genau im Auge behältst. Lass dir aber nichts anmerken und berichte uns, wenn sie Schritte gegen uns unternimmt. Inzwischen überlege ich mir, wie ich den Zeitzauber über ihr Reich aufheben kann."
Diesem Plan stimmte Kieran freudig zu, bevor er die Mädchen verließ, die dann doch noch mit einer gewissen Befriedigung einschliefen.

Olaf Tauchert & Romy Richter

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