Die Anderswelt

Kapitel 4
Das alte Pergament

Kapitel
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Eine Weile lang waren die Vier einem Pfad gefolgt. Der wurde jedoch immer schmaler und nun krochen sie schon hin und wieder unter sehr niedrigen Ästen hindurch oder mussten über mächtige, umgefallene Bäume steigen.
"Fiona, wo hast du uns nur hingeführt? Bist du dir sicher, dass wir noch dem richtigen Weg folgen?" jammerte Sarah und wurde sofort auch von Raswid unterstützt:
"Wir haben nicht mal einen Kompass mit. Und die Sonne habe ich durch das dichte Laub auch schon lange nicht mehr gesehen. Wie kannst du nur tun, als wüsstest du, dass wir hier lang gehen müssen?"
"Nun muss ich mich aber wundern!" entgegnete Fiona, "Dass Sarah es nicht weiß, ist normal. Sie kommt ja von der Erde und hat nie etwas wahres über Elfen gehört. Aber du, Raswid, hast einen Elfenfreund und nicht erst seit heute. Und du kennst den Instinkt der Elfen nicht?"
Raswid runzelte die Stirn und wollte stehen bleiben, aber Fiona setzte ihren Weg unvermindert fort, wobei sie erklärte:
"Sarah, es ist wie mit den Zugvögeln auf der Erde. Die jungen sind noch nie mitgeflogen und doch erreichen sie ihr Ziel."
"Halt, halt - noch mal langsam bitte. Wir wollen doch hier keinem Instinkt folgen," unterbrach der Drache wieder, "sondern die Saprophyten suchen, oder wie die Viecher heißen, um von denen einen Rat zu bekommen."
"Ja, und das ist uns Elfen von Dalriada angeboren, wenn wir Rat brauchen, die Saprophyten aufzusuchen. Damit sie jeder Elf findet, haben wir so einen Instinkt. Außerdem sind das keine Viecher, sondern Bäume."
"Ich möchte wissen, was ihr euch aufregt!" mischte sich nun Swior ein. "Fiona hat's eben gesagt: Es sind die Elfen von Dalriada, die den Instinkt haben. Bei uns in Midgard gibt es keine solchen Bäume, also auch den Instinkt nicht. Demzufolge konnte Raswid davon überhaupt nichts wissen."
Eine Weile gingen sie schweigend hintereinander her. Als die vier Freunde jedoch den nächsten riesigen Baumstamm überklettert hatten, sahen sie ein Tal mit einer Waldwiese und mitten darauf ein Haus. Sarah kam es vor wie die Blockhütte aus einem Western, eng an einen bizarren Felsen geschmiegt. Bei Swior tauchte beim Anblick dieses Hauses ein Lächeln im Gesicht auf und er ergriff wieder mal beinahe auf theatralische Weise das Wort:
"Wisst ihr, Freunde, wie lange wir schon wach sind? Seit gestern morgen! Ich glaube, wir haben uns eine Ruhepause verdient!"
"Wir wissen doch gar nicht, wer da drin wohnt" gab Sarah zu bedenken, "und ob die uns überhaupt ein Bett anbieten können oder wollen. Fiona, ist das bei euch so einfach mit dem Nachtquartier? Na gut, wenn du nickst, dann will ich mal meine Ängstlichkeit verdrängen. Es stimmt, ich bin ziemlich müde."
Sie gingen also den Hang hinunter auf das Haus zu. Beim Näherkommen waren vor der Eingangstür einige Liegestühle zu erkennen und Swior, der ein paar Meter vor den anderen lief, erkannte als erster, dass einer dieser Liegestühle belegt war.
"He, Leute!" rief er, "Schaut euch die mal an; das ist keine Elfe!"
Nein, eine Elfe war das gewiss nicht. Die bestimmt über 2 Meter große Frau, die dort lag, hatte einen sehr kräftigen Körperbau. Ihr strohblondes Haar war zu einem Zopf geflochten und reichte bis zu ihrer Hüfte. Sie trug einen Overall aus dunkelbraunem Wildleder mit goldenen Applikationen und einem Gürtel aus goldenen Metallringen. Der Overall hatte lange Beine, aber kurze Ärmel, sodass weiterer Goldschmuck an den Armen sichtbar war. Friedlich lächelte, von der Abendsonne beschienen, ihr schlafendes Gesicht. Die Vier kamen näher und waren sich wohl unschlüssig, ob sie die Frau wecken durften. Aber dieses Problem löste sich von selbst, denn anscheinend hatte die Liegende die Anwesenheit Fremder gespürt und wachte langsam auf. Sie blinzelte noch verschlafen, als Swior sie ansprach:
"Sie entschuldigen, dass wir hier einfach so hergekommen sind. Wir wissen nicht so genau, wo wir uns befinden, sind aber schon zwei Tage auf den Beinen und schrecklich müde. Könnten sie uns ein Nachtquartier gewähren?"
Langsam stand die Frau auf und zog ihre Stiefel an. Stehend sah sie nun noch größer aus. Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen, schüttelte kräftig den Kopf und begann nun zu antworten:
"Roskwa, des Bragis Tochter, ist es eine Ehre, euch Speis und Trank, als auch ein Nachtlager zu bereiten," sprach sie mit einem seltsamen Akzent, der außer dem S wohl keine Zischlaute kannte, "doch sagt an, was führt euch hierher?"
Nun sah sich Fiona gemüßigt, der Höflichkeit auf ihrem Planeten genüge zu tun und erwiderte:
"Da sie so nett waren, uns gleich ihren Namen zu verraten, möchte ich uns vorstellen. Der Drache heißt Raswid, das Mädchen Sarah und wir zwei sind Swior und Fiona" wobei sie ihren Finger zwischen sich und Swior pendeln ließ, "und wir vier sind auf dem Wege zu den Saprophyten. Doch darf ich fragen, ob sie denn eine Elfe sind? Ihre Sprache und ihre Größe lassen etwas anderes vermuten."
"Euch dünkt richtig, Fiona vom Clan der Morrigan, Tochter des Sheaumais! Mein Geschlecht ist das der Wanen. Unser Volk wurde einst von den Asen fast ausgerottet, doch die wenigen, die sich noch ihres Lebens freuen, erhielten ein Exil hier auf Dalriada. Dir wurde noch nichts davon berichtet, da du wohl noch zu jung bist. Jedoch erfahre, dass ich dich kenne und dich als Baby schon auf den Armen hielt.
Mir scheint aber, dass in euren Reihen auch Wesen weilen, die keine Elfen sind."
"Ja, natürlich," entgegnete Fiona, "Raswid und Swior kommen aus Midgard"
Bei diesen Worten erschrak Roskwa entsetzlich und wurde blass. Fiona, die das sah, beeilte sich, hinzuzufügen, dass die Beiden nicht gerade gut auf die Asen zu sprechen wären und von daher keine Gefahr drohe, dass der Aufenthaltsort der Wanen verraten würde.
"Deine Worte machen mir wahrlich große Angst" presste Roskwa hervor, "doch will ich euch nicht trockenen Mundes und leeren Magens berichten lassen, wie man von Midgard denn hierher kommen kann. So jung wie ihr seid, kann kein Himmelsfahrzeug euch hierher gebracht haben, ihr müsst durch die Spiegel der Asen gegangen sein. Und wenn von euch keine Gefahr droht, so doch von denen, welche die Besitzer der Spiegel sind.
Aber geht denn in unser Heim und tut euch zu förderst Gutes!"
Die vier folgten ihr also ins Haus. Die Blockhütte, die man in der Landschaft sah, stellte allerdings nur den Vorraum dar. Im Felsen hinter der Hütte war ein riesiger Saal aus dem Felsen gehauen, in dem ein Tisch mit mindestens 16 Stühlen stand und an den Wänden steckten Fackeln aus Kiefernholz, die alles erleuchteten. In einer Ecke stand ein Schaukelstuhl und darauf saß ein Greis. Seine Haare und der Bart waren weiß und struppig und er trug einen Umhang aus grauem Stoff. Seine Nase ließ wilde Prügeleien in seinen jungen Jahren vermuten und außerdem reichlichen Alkoholgenuss. Roskwa weckte ihn und stellte ihn den Freunden vor:
"Ihr habt die Ehre, meinen Vater, Bragi zu erblicken. Als unser Volk noch bedeutender war, hieß man ihn den Gott der Dichtkunst. Und Vater, dieses hier sind unsere Gäste Fiona, Sarah, Swior und Raswid. Macht euch bekannt, derweil ich mich spute, mit meinem Bruder Gulltopp den Met zu holen."
Mit brüchiger Stimme knarrte der Alte:
"So, wir haben also Gäste. Welche große Freude auf meine alten Tage! So setzt euch doch und berichtet, wie es draußen in der Welt aussieht."
Diesmal ergriff Swior das Wort:
"Wir grüßen euch, edler Bragi! Es war uns vergönnt, die Augenweide zu erblicken, welche eure Tochter ist. Nun hoffe ich, unsere Mädchen können auch an eurem Sohne soviel Schönheit erblicken."
Raswid wollte gerade einwenden, er solle nicht solchen Schmalz erzählen, als auch schon der Alte sie mit einem mächtigen "Ha!" unterbrach.
"Der Augenweide mag es wohl genügend geben, doch wisset, dass eure Mädchen keinen Vorteil davon zu erwarten haben. Gulltopp steht mehr auf Männer."
In dem Moment betrat ein Riese hüftenschwingend mit einem Metfass auf der Schulter den Raum. Seine Haare waren blond und kurz geschnitten und er trug einen ebensolchen Overall wie Roskwa, nur nicht dunkelbraun-golden, sondern rosa-silbern und darunter einen weißen Rollkragenpullover.
Fiona kicherte leise. Sarah, Raswid und Swior klappten die Kinnladen gleichzeitig herunter. Sarah hätte in dieser bizarren Welt wirklich alles und jeden erwartet, aber das war einen rosa gekleideten, offensichtlich homosexuellen Riesen nicht. Ihren Gefährten erging es ähnlich. Swior und Raswid hatten Mühe ihre Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu bringen.
"Was erheitert euch so?" fragte Gulltopp verständnislos.
"Nichts, oh edler Gulltopp..." erwiderte Fiona. "Wir freuen uns außerordentlich Eure Bekanntschaft zu machen." nebenbei rammte sie den vor sich hin grienenden Swior und Raswid möglichst unauffällig die Ellenbogen in die Seite und zischte: "Benehmt euch, gefälligst."
Roskwa hatte die Situation sofort erfasst und stellte ihrem Bruder schnell ihre Gäste vor, die sich nun, von ihrer Verlegenheit befreit, sichtlich wohler fühlten.
"Sei gegrüßt, Fiona! Seid gegrüßt, Fremdlinge," hörte man es freundlich durch den Raum schallen, "es ist mir eine große Freude, hier einmal wieder andere Gesichter zu sehen."
Roskwa kam noch einmal aus der Küche hereingehuscht und schenkte nun jedem einen Becher Met ein, von dem alle sogleich einen tüchtigen Schluck nahmen. Sarah stiegen bei dem stark gesüßten, fermentierten Geschmack die Tränen in die Augen. Sie verschluckte sich daran, Gulltopp schlug dem hustenden Mädchen hilfsbereit auf den Rücken.
Sofort eilte auch seine Schwester herbei und drückte der verdutzten Sarah einen Becher Wasser in die Hand.
"Nun anscheinend seid ihr diesen Trank nicht gewohnt." sagte sie gutmütig. "Besser ist´s ihr trinkt dies."
Sie hatte eine Wolke wunderbaren Bratenduftes mit in den Saal gebracht, die noch einmal kräftiger wurde, als sie wieder hinauseilte. Gulltopp erwies sich als angenehmer Plauderer und lies sich von den vier Freunden ausführlich die Geschichte des Herkommens erzählen. Sein Vater Bragi dagegen machte nur kurze Bemerkungen und schaute ansonsten gedankenverloren vor sich hin. Als aber Yggdrasil zur Sprache kam, taute der Alte auf.
"Euch ist eine Ehre zuteil geworden, deren Bedeutung euch unzweifelhaft bisher verborgen blieb. Lasset euch davon unterrichten, dass Yggdrasil von den Enaks geschaffen wurde, die in der Welt Muspellsheim wohnen. Die alten Schriften berichten, diese Welt sei hell und heiß und könne von niemand betreten werden, der dort nicht zu Hause ist.
Als nun die Asen sich anschickten, eine Welt nach der andern in ihre Macht zu bringen, ward plötzlich keiner der Enaks mehr in den anderen Welten gesehen. Yggdrasil geriet in Vergessenheit und es hat uns einst eine außerordentliche Mühe gemacht, das Wissen über den Weltenbaum zu erhalten. Aber dieses Wissen ist gefährlich, wenn es in die falschen Hände gerät. Darum habet acht darauf, wenn ich es euch erzähle. Und das werde ich, denn ich fühle, ihr seid gut und darum sollt auch Ihr darum wissen! Gulltopp, hole doch das Pergament, was in der Bibliothek, ganz oben links in der grünen Schatulle liegt."
Der Riese wollte gehen und das Dokument holen, aber Roskwa hielt ihn auf:
"Ersteinmal soll uns die Speise munden!" legte sie fest und brachte einige ziemlich große Portionen Braten, eine Schüssel Sauerkraut und eine noch größere Schüssel herein, deren Inhalt Sarah unschwer als Klöße definieren konnte, der aber den anderen drei Freunden wohl nicht bekannt war.
"Wer bei allen Göttern soll denn solche riesen Portionen essen?" schimpfte Fiona. Aber Roskwa erklärte, dass sie doch übrig lassen solle, was sie nicht schaffen würde, es käme dann den Schweinen zu Gute, die Roskwas Familie im Stall hätten. Nun ließen es sich alle schmecken, aber lange dauerte das Essen nicht. Sarah und Fiona wollten nicht so viel essen, um nicht zuzunehmen und die Männer drängte es, ihre Informationen über Yggdrasil auszutauschen. So rutschten Bragi, Gulltopp und die vier Freunde alsbald an das andere Ende des Tisches und beugten sich über das Pergament, welches Gulltopp inzwischen geholt hatte. Es zeigte einen Baum, der aber, so wie man es zum Beispiel von Stammbäumen kennt, allerlei Schildchen angemalt bekommen hatte.
"Die Schilde, welche grüne Schrift tragen," erklärte Bragi, "sind die Welten, die schon aus alter Zeit bekannt sind. Es heißt, es seien neun. Aber wenn ihr genau nachzählt, sind zehn Schildchen grün. Vielleicht weil doch kein Sterblicher je Muspellsheim betrat, wo der Baum wurzelt. Dieses ist die Welt, von der ich euch vor dem Speisen berichtete. Weil also die Enaks sich auf Befehl ihres Königs Surt zurückzogen, gibt es nur noch sehr wenige Portale, denn sie sind aus einem Stoff, den es nur auf Muspellsheim gibt.
Darüber seht ihr Alfheim oder Dalriada, wie es hier genannt wird. Wie ihr wisst, wohnen hier die Lichtelfen, die Saprophyten und der letzte Rest der Wanen. Daneben, an einem anderen Ast des Baumes seht ihr Midgard. Nun, darüber brauche ich nichts zu erzählen, weil zwei von euch dorther kommen. Aber wisset: Es müsste eigentlich Neu-Midgard heißen. Denn in alter Zeit hieß die Heimat von Menschen, Wanen und Drachen so. Die seht ihr hier rechts daneben und nunmehr wird sie Erde genannt. Nun leben dort nur noch die Menschen. Ein paar Elfen, einige Asen und die Drachen haben sich in der heutigen Midgard angesiedelt.
Weiter oben entdeckt ihr Swartalfheim, die Heimat der Dunkelelfen. Die beiden Welten Niflhel und Niflheim sind zur Zeit der regen Reisen über Yggdrasil zu riesigen Friedhöfen ausgebaut worden. Aber heute wird wohl jeder wieder in seiner Welt bestattet.
Hier seht ihr Ägisheim, die unbewohnte Wasserwelt. Wanaheim war früher unser Zuhause. Leider ist davon nur noch ein verkohlter Planet übrig. Asgard ist die ursprüngliche Welt der Asen, von der aus sie alle Welten der Yggdrasil erobern wollten. Und Jotunheim ist auch eine Heimat von Riesen, allerdings einer anderen Spezies, als wir es sind.
Schließlich seien noch die Welten genannt, die erst kurz vor dem Asenkrieg entdeckte und die ihr mit schwarzen Schildchen bezeichnet seht. So gibt es den Atlant, eine Welt mit einem Menschenstamm, der sich Azlantu nennt und die sich dort ansiedelten, als ihre Kultur auf der Erde einer Katastrophe zum Opfer fiel und Nirwana, die Drachenwelt."
Als Bragi geendet hatte, setzte er sich erschöpft nieder. Er war eben nicht mehr der Jüngste. Gulltopp streichelte ihm über den Rücken und meinte:
"Überanstrengt euch nur nicht, Vater!"
Er schüttelte den Kopf und empfahl:
"Lasst uns doch noch ein bisschen des guten Tropfens zu uns nehmen!"
So setzte man sich wieder an einen der Tische und probierte auch sogleich Gulltopps Met, der sich als ganz hervorragend herausstellte. Er lockerte die Zungen und so nahm sich Fiona ein Herz, um Roskwa eine Frage zu stellen, die ihr sie schon die ganze Zeit beschäftigte.
"Roskwa, du sagtest vorhin du würdest mich kennen. Schon seit ich ein Baby war, leider habe ich nie zuvor von dir und deiner Sippe gehört. Wie kann das sein?"
Die Riesin erhob sich und setzte sich neben Fiona, sie strich ihr wie selbstverständlich mit einer liebevollen Geste das lange Haar über den Ohren zurück.
"Kleine Prinzessin, ich war Eurer Kindermädchen, bis ihr auf eigenen Füssen stehen konntet. Es war kurz nach unserer Flucht aus Midgard. Wir baten die edle Morrigan um Asyl, doch Ihr kennt die Launen Eurer Urgroßmutter sicher besser. Sie mag keine Fremden, wie Ihr wisst. Eurer Vater, Sheaumais sprach für uns und nahm uns in seinem Gefolge auf. Nach 10 Jahren Dienst waren wir frei und durften in Dalriada bleiben. In dieser Zeit wurdet Ihr geboren und so wurde ich zu Eurer Beschützerin ernannt. Ihr wart noch sehr klein, als wir euch verließen, deshalb habt Ihr auch keine Erinnerung an Roskwa."
Fiona war bei ihren Worten sehr nachdenklich geworden.
"Verschwommene Erinnerungen, Bruchstücke..." murmelte sie. "Deine Stimme aber, kommt mir bekannt vor."
"Es ist nicht schlimm, meine Kleine." beruhigte Roskwa sie. "Ich weiß alles noch ganz genau und wenn wir mehr Zeit haben, erzähle ich dir von damals. Es ist schon spät, ich werde euch nun das Nachtlager bereiten."
Es wurde auch wirklich Zeit und unsere vier Freunde fielen in tiefen Schlaf, kaum dass sie ihre Bettstatt erreichten.

Am nächsten Morgen nahmen alle noch ein kräftiges Frühstück zu sich und die Vier wollten sich sogleich auf den weiteren Weg machen. Das gefiel natürlich Roskwa überhaupt nicht, denn sie hätte zu gerne noch mehr von ihren Kochkünsten gezeigt und war auch traurig, die Gesellschaft und ihren ehemaligen Zögling so schnell wieder aus den Augen verlieren zu müssen.
"Wenigstens eine Stunde solltet ihr noch bleiben," forderte die Riesin sie auf, "ich muss euch noch etwas berichten. Der kürzeste Weg zu den Saprophyten führt durch Aníras Reich. Und Aníra traue ich nicht über den Weg. Sie ist eine Dunkelelfe und der Zauberkunst mächtig. Wendet euch also zunächst etwas südlicher und umgeht ihre Behausung!"
Roskwa ging noch einmal in's Haus und holte zwei kleine Geräte.
"Schaut, Freunde, das sind Zauberkästchen." erzählte sie und forderte Fiona auf, eines zu nehmen und in Richtung Wald zu gehen. Nach 50 Metern rief Roskwa der Elfe zu:
"Und nun drück den blauen Knopf, Fiona, und sprich etwas!"
Fiona wusste zunächst nicht, was sie sagen sollte, aber ihr "Äää..." war im anderen Kästchen zu hören. Sarah musste lachen und es entfuhr ihr:
"Zauberkästchen! So ein Quatsch! Das ist ein normales Funkgerät."
Alle sahen sie entsetzt an. Aber Roskwa fasste sich als erste wieder:
"Du... du kennst solche Zauberkästchen?"
"Ja," erwiderte Sarah, "auf der Erde ist deren Gebrauch weit verbreitet."
"Nun, wenn du Wissen darüber hast, so will ich es dir auch anvertrauen. Ihr könnt uns damit jederzeit zu Hilfe rufen."
So klärte sich das, was Roskwa noch auf dem Herzen gehabt hatte, schneller auf, als gedacht und Fiona, Sarah, Swior und Raswid brachen nun doch gleich auf. Jedoch nicht ohne dass sich alle noch einmal herzlich umarmt hatten. Swior war es zwar bei der Umarmung Gulltopps etwas unwohl, aber als er dessen ehrliches Lächeln sah, war er beruhigt.
"Lebt wohl, Freunde!" rief Fiona, sich noch einmal umdrehend, zurück:
"Wir sehen uns bestimmt irgendwann wieder."

Olaf Tauchert & Romy Richter

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