Die Anderswelt

Kapitel 3
Dalriada

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Morrigan, die uralte Clanmutter schaute mit einem undurchdringlichen Blick in die Runde. All ihre Kinder und Kindeskinder waren anwesend. Sie hielt den geschnitzten Stab aus Eschenholz, Zeichen ihrer Autorität, fest umklammert. Gedankenverloren fuhren ihre Finger die Kerben an seinem Griff nach. Es waren zehn. Jede von ihnen stand für ein Jahrtausend. Was für ein langes Leben. Ihr selbst waren nur zwei andere ihrer Art bekannt, die ebenso lange in dieser Existenz verharrt hatten. Ihre Schwester Macha und Mab, zusammen bildeten sie den mächtigen -Rat der Drei- ihres Volkes. Sie waren verantwortlich dafür, dass die Zyklen ihrer Feste und Rituale streng eingehalten wurden. Heute war die Nacht nach Lugnasa, dem Fest vor der Ernte. Es ist dies die Zeit, in der die Natur Früchte hervorbringt und so die Grundlage für ihre eigene Wiedergeburt legt.
Heute war der 2. August 2001, das Ende und der Anfang des neuen Millenniums, ein Tag, an dem gleich zwei Zeitzyklen begannen und endeten. Ein besonders heikles Datum, denn die Tore der Welten waren zu dieser Zeit offen. Mit der Psychischen Kraft des ganzen Clans konnte man jedoch die Verbindung schließen, damit kein Unbefugter in die Elfenwelt Dalriada eindringen konnte. Dieses Ritual in Dalriada anzuwenden, war von je her nicht gestattet, denn nur die eingeweihten Familien durften davon wissen. Für den Rest der Elfenwelt sollte es ein Geheimnis bleiben. Deshalb kam der Clan zum Vollziehen des Ritus immer in sein Haus auf der Erde.

Noch einmal sah sie in die Runde, als sie bemerkte, dass eine fehlte.
"Sheaumais, wo ist deine Jüngste?" sprach sie ihren Enkel an.
Sheaumais, der rothaarige Elfenvater im besten Alter, zuckte mit den Achseln und machte eine entschuldigende Geste. Zu Wort kam er jedoch nicht, denn gerade als die Rede von ihr war, schwangen die gewaltigen Flügeltüren des Ratszimmers auf und Fiona stürmte herein.
"Ich bitte um Verzeihung Urgroßmutter, für meine Verspätung!" wandte sie sich an Morrigan.
"Ich hoffe für dich, mein Kind, dass du eine gute Erklärung für diesen Fauxpas hast." grummelte die Alte.
Fiona biss sich beschämt auf die Lippen. "Nein, jedenfalls keine die dich zufrieden stellen würde." murmelte sie.
Morrigan schüttelte tadelnd den Kopf, dann ging sie jedoch wieder zur Tagesordnung über.
"Können wir jetzt endlich beginnen? Ist jeder auf seinem Platz?"
"Ja, Große Mutter!" sagten alle im Chor.
Dann schlossen alle die Augen und begannen eine Melodie zu summen. Sie erfüllte den ganzen Raum und brachte das Haus zum Vibrieren. Die Aura der Macht der Clanmitglieder begann über ihren Köpfen zu erstrahlen und stieg langsam zur Zimmerdecke. Die Anwesenden wurden davon fast vollständig eingehüllt. Fiona nahm das erste mal an diesem Ritual teils, somit war sie auch nicht auf die nun folgende Erfahrung vorbereitet. Auf dem Höhepunkt der Vereinigung verschmolzen sie alle zu EINEM kollektiven Verstand. Kein Geheimnis des einem, war den anderen mehr verborgen.
"Oh Vater, warum hast du mir nichts darüber gesagt?" flüsterte Fiona erschrocken.
Doch es war bereits zu spät. Die alte Morrigan riss entsetzt die Augen auf, das Summen verstummte abrupt.
"Sie hat schon wieder Menschenbesuch in ihrem Zimmer" schrie sie auf und deutete mit dem Finger auf Fiona.
Völlig verschreckt, über diesen plötzlichen Ausbruch zog die junge Elfe den Kopf ein.
"Ich kann nichts dafür, Vater. Sie ist von allein in mein Zimmer gekommen. Was hätte ich tun sollen?" stammelte sie.
"Warum hast du sie nicht einfach weggeschickt, Fiona?" im Gegensatz zu seiner Großmutter war Sheaumais auch in dieser Situation die Ruhe selbst. Fiona, jedoch kannte ihren Vater zu gut, dass sie genau diese ruhige Stimme zu fürchten hatte. An den Augen ihres Vaters konnte sie erkennen, wie viel Mühe es ihn kostete sich zu beherrschen.
"Durch dieses Vergehen haben wir den Ritus unterbrochen. Und nun ist das Tor zwischen den Welten weit offen. Kannst du dir vorstellen, was das für uns alle bedeutet?" sagte Morrigan mit schneidender Stimme. "Wir müssen das Ritual wiederholen, ehe noch Schlimmeres geschieht. Um den Menschen und Fionas Strafe können wir uns später kümmern. Lasst uns von vorn beginnen."
Auf diesen Befehl hin schlossen wieder alle die Augen und begannen leise zu summen. Die Aura erstand neu und ein Aufatmen ging durch die Reihen der Elfen. Das Tor war verschlossen.
Keiner hatte jedoch bemerkt, dass doch etwas oder besser gesagt irgendwer hindurch gelangt war. Wie hätte die alte Morrigan auch ahnen können, dass Raswid in Midgard den Schlüssel zum Zimmer mit dem Reisespiegel an sich gebracht hatte und Yggdrasil in derselben Sekunde aktiviert hatte, als durch Fionas Schuld das Ritual unterbrochen wurde.
Derweil war Sarah in dem breiten Schmetterlingsbett eingeschlafen. Unsanft wurde sie geweckt, als der Standspiegel mit einem ohrenbetäubenden Gepolter umfiel und in tausend kleine Stücke zerbrach. Verwundert über den Lärm richtete sich auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen.
Was sie nun zu Gesicht bekam, übertraf alles Vorhergegangene. Vor ihr standen zwei Gestalten. Die erste hatte einige Ähnlichkeit mit Fiona, jedenfalls was die spitzen Ohren betraf, jedoch war dieser Elf, sofern er dieser Gattung angehörte, bei weitem nicht so hochgewachsen, sondern wirkte eher etwas pummelig. Alles in allem machte er aber einen recht gutmütigen Eindruck.
Der zweite allerdings sah aus, als ob er eigens durch den Spiegel gekommen war, um sich Sarah als Abendbrot schmecken zu lassen: Braune, schuppige Haut bedeckte seinen ganzen Körper, die Hände und Füße hatten Krallen und riesengroße gelbe Augen nahmen einen Großteil seines Gesichts ein.
Aus seinen Nasenlöchern stiegen kleine Rauchwölkchen auf. Außerdem hatte er Flügel und Sarah fiel ein, wo sie so etwas schon einmal gesehen hatte. Es gab nur ein Wort, womit man ein solches Wesen bezeichnen konnte: dies war ganz unzweifelhaft ein Drache.
Der Elf stieß seinen Begleiter mit dem linken Ellenbogen an, mit der Rechten deutete er auf Sarah.

"Schau Raswid, das ist ein Mensch. So etwas habe ich schon auf Bildern in Büchern gesehen. Ich wette, dies ist tatsächlich die Erde."

Sarah aber, reagierte ganz anders als erwartet. Das alles war zu viel für einen einzigen Tag. Ihre Augenlider begannen zu flattern und sie viel nicht gerade damenhaft, eher wie ein Stein, in Ohnmacht.
Swior und Raswid zuckten erschrocken über den dumpfen Aufprall zusammen.
Raswid kratzte sich verstört am Kopf und sagte:
"Ich glaube, so was wie uns hat sie noch nicht gesehen. Was machen wir jetzt mit ihr?"
Auch Swior schaute äußerst verdattert drein, so hatte er sich seine Ankunft in einer neuen Welt wirklich nicht vorgestellt.
"Nun ja, vielleicht sollten wir sie erst mal vom Boden aufheben und aufs Bett legen." meinte der praktisch veranlagte Elf.
Gesagt getan, und es dauerte auch nicht lange bis das Mädchen wieder zu sich kam. Schneewittchengleich schlug sie die Augen auf und sah den Drachen ins Angesicht. Reflexartig begann sie zu schreien.
Geschwind drückte ihr Swior die Hand auf den Mund und zischte: "Bei allen Göttern, beruhige dich endlich. Wir wollen dir kein Leid antun..."
"Was wollt ihr dann?" fauchte Sarah zurück, als Swior seine Hand fortnahm.
Der Elf deutete mit seinem Daumen hinter sich auf den zerbrochenen Spiegel. "Wir kommen aus einer anderen Welt, durch dieses Tor..."
"Leider ist es wohl nun nicht mehr zu gebrauchen," unterbrach ihn Raswid, "und alles nur wegen meiner Ungeschicktheit!"
"Ihr seid durch den Spiegel gekommen?" unterbrach ihn Sarah ungläubig.
Der Drache stöhnte auf: "Jaaa, Tore oder besser gesagt Portale manifestieren sich meist in Spiegeln. Manchmal auch im Wasser. Ganz selten auch in Höhlen und Grotten."
"Was wollt ihr von mir?" fragte das Mädchen voller Angst.
"Von dir wollen wir gar nichts! Nur die Erde wollen wir sehen. Die Menschenwelt, über die wir schon so viel gelesen haben." erklärte Swior geduldig und streckte Sarah die Hand entgegen.
"Ich bin Swior ein Elf aus dem Geschlecht von Midgard." dann deutete er auf den Drachen "...und dies ist mein Freund Raswid, ein Drache. Sicher hast du noch niemand wie uns getroffen."
Sarah machte große Augen bei diesen Enthüllungen und schüttelte mit dem Kopf. "O.k., dein Freund ist ein Drache, dass ist nicht zu übersehen. Bis heute glaubte ich nicht an Elfen, bis ich Fiona traf. Kommst du auch zu eurer Jahresversammlung? Da bist du ein bisschen spät dran. Sie sind bereits alle unten im Salon."
Nun war es an Swior, sich zu wundern: "Jahresversammlung, ich verstehe nicht. Willst du damit sagen, hier befinden sich noch andere Elfen?"
"Ich dachte du würdest zu ihnen gehören." sagte Sarah verwundert, doch schon etwas ruhiger. Denn sie begriff langsam, dass sie hier mit Hysterie nicht weiter kam.
Swior wurde sichtlich unruhig und begann mit Raswid zu flüstern:
"Hast du gehört? A n d e r e E l f e n hat sie gesagt. Ich habe noch nie von anderen Elfenvölkern gehört und vor allem nicht in der Menschenwelt. Wir sollten schnellstens heraus finden, ob sie Freund oder Feind sind."
Raswid war so leicht durch nichts zu erschüttern. "Ich fürchte mich nicht vor Elfen." brummte er.
Das hätte er besser nicht gesagt, denn auf einmal begann es draußen auf dem Gang zu rumoren. Man hörte das Getrappel vieler Füße die Treppe hinauf kommen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Swior, Raswid und Sarah sahen sich einer nicht gerade friedlich wirkenden Gruppe besagter Elfen gegenüber.
An ihrer Spitze stand Morrigan und kreischte: "Wir sind entdeckt worden! Fremde aus einer anderen Welt sind hier eingedrungen." Vor Wut schäumend wirbelte sie herum und packte, die vor Angst zitternde Fiona am Arm und zerrte sie nach vorn.
"Siehst du, was du angerichtet hast, unseliges Kind." keifte sie ihr ins Gesicht.
"Aber..., aber...ich kann doch nicht dafür." jammerte Fiona.
Die Clanmutter packte noch fester zu, schubste Fiona mit voller Wucht ins Zimmer, so das sie gegen Raswid prallte, der sie gerade noch auffangen konnte.
"Diesmal wirst du nicht mehr ungestraft davon kommen." drohte sie ihrer Urenkelin. Morrigan riss nun Fiona mit einer Kraft wieder nach vorn, die ihr in ihrem hohen Alter wohl keiner zugetraut hatte und brüllte:
"Ihr kommt alle mit hinunter und unser Clan wird entscheiden, was mit euch geschehen wird!"
Niemand wagte ihr, zu widersprechen und so mussten die vier vor dem gesamten Clan Rede und Antwort stehen. Danach wurden sie in einen Nebenraum gesteckt und mussten warten, bis die Versammlung zu ihrem Urteil gekommen war.
Die Zeit wurde fast endlos, aber dann ging die Tür auf und Morrigan verkündete, an Fiona gewandt:
"Ich wünsche dir viel Freude an deinen neuen Freunden, denn sie werden für eine lange Zeit deine einzige Gesellschaft sein."
"Großmutter, ich habe sie nicht hierher gebracht. So glaub mir doch," flehte Fiona, "wir haben dir vorhin ganz genau erklärt, wie es war. Mich trifft wirklich keine Schuld. Und erst recht nicht die anderen drei! "
Doch die alte Morrigan war unerbittlich. " D u hast das Ritual unterbrochen, also ist es d e i n e Schuld. Die anderen drei trifft auch Schuld, denn sie waren zu neugierig. Ihr stellt eine Gefahr dar, wenn wir euch frei herumlaufen lassen."
"Was meinst du damit?" fragte Fiona ängstlich.
Da trat ihr Vater zu ihr. "Wir werden dich und deine Gefährten nach Dalriada bringen. Ich nehme an, du hast schon vom Broch Dun in den Aereanisbergen gehört?"
Fiona schwand jegliche Farbe aus dem Gesicht und ihre Knie gaben nach. Raswid streckte schnell schützend den Arm aus, als sie zu fallen drohte.
"Wie viele Mädchen müssen wir heute wohl noch auffangen?" flüsterte er Swior zu.
"Ich glaube, dass ist wohl unser geringstes Problem mein Freund." antwortete dieser zerknirscht.
Auf einmal lachte Fiona auf. Offensichtlich war sie wieder zu sich gekommen und warf ein:
"Wie wollt ihr uns denn in den Broch Dun bringen? Das Portal nach Dalriada ist jedenfalls kaputt"
"Das Tor, das du kennst, Fiona," entgegnete Morrigan und erneut wich Fiona jegliche Farbe aus dem Gesicht, "es wäre fahrlässig von uns gewesen, wenn wir nur ein einziges Portal installiert hätten. Folgt uns in den Keller!"
Wohl oder übel ging es nun gemeinsam eine Treppe hinunter und durch einen langen Gang in eine Höhle. Diese war fast 50 Meter lang und man folgte mehreren Biegungen und Abzweigungen. Nun aber glitzerte etwas Ovales im Fackelschein. Morrigan aktivierte das Tor auf die selbe Weise, wie Raswid und Swior es getan hatten, nur mit einem anderen Code.
"Tretet hindurch," forderte die Clanmutter nun die vier Gefangenen auf, "es soll euch an nichts fehlen. Nur an Kontakt zu anderen Wesen. Wir werden euch regelmäßig versorgen."
Gesenkten Hauptes verschwanden die Gefangenen durch das Portal. Erst Fiona, dann Sarah und zum Schluss Raswid und Swior. Die andere Seite war wieder ein Spiegel, den aber diesmal keiner zerbrach. Jedoch nützte das nichts. Der Reisespiegel war abgeschaltet oder der Clan hatte ihn verschlossen. Sarahs und Fionas Versuche, ihn zu aktivieren, scheiterten allesamt. Währenddessen hatten Swior und Raswid das gesamte Gebäude unter die Lupe genommen. Der Turm in den die vier eingesperrt waren, schien ziemlich groß zu sein. Raswid war nach unten gegangen und hatte nicht weniger als sieben Stockwerke gezählt und Swior kam von oben zurück und berichtete von weiteren fünf Etagen. Aber trotz intensiven Suchens hatten sie nicht ein unvergittertes Fenster gefunden und die Gusseiserne Eingangstür war nicht zu öffnen gewesen. Nun waren sie alle wieder im Zimmer und jeder schaute traurig vor sich hin.
Fiona stand am Fenster und meinte: "Wie gerne würde ich euch meine Heimat zeigen. Von hier aus sieht man nur den geringsten Teil."
"Na ja," entkräftete Sarah, "aber was wir sehen, ist doch ziemlich beeindruckend. Solche hohe Berge gibt es bei uns nur im Himalaja. Und diese endlosen Wälder, ohne ein Haus oder gar eine kleine Stadt...!"
"Wie lange werden die uns denn hier festhalten?" unterbrach Raswid, der nicht zugehört hatte.
"Nun, ich glaube, eine ganze Weile," bekam er von Fiona als Antwort, "als sie uns in den Nebenraum sperrten und über uns Gericht hielten, war zwar kein Wort zu verstehen, aber für mich war die Erfahrung eines gemeinsamen Geistes so neu, dass ich Spaß daran fand. So konnte ich den Gedankenfluss unserer ehrwürdigen Mutter Morrigan etwas anzapfen. Sie hatte sich gegen unseren Tod ausgesprochen, den anscheinend einige Clanmitglieder vorgeschlagen hatten. Aber sie hat deutlich gemacht, dass wir auf längere Zeit keinen Kontakt "Moment mal," wandte sich nun Raswid an sie, "ihr habt die Möglichkeit, Gedanken anderer zu lesen?"
"Nein, wir führen zum Schließen der Weltentore nur so einen Ritus durch, bei dem ich das erste mal dabei war. Dabei verschmelzen unsere Psychen und entwickeln eine Kraft, welche die Tore schließen kann."
"Ach so!" dachte Raswid laut weiter, "Das bringt mich natürlich auf eine neue Idee. Wenn so eine Kraft die Tore schließen kann, müsste sie doch auch Tore öffnen können."
"Ja und?" Fiona zog die Stirn in Falten.
"Können wir nicht versuchen, auch unsere Geister zu verschmelzen?"
"Aber Raswid, wie stellst du dir das vor?" Fiona schüttelte den Kopf. "Die sind doch viel mehr, gegen den ganzen Clan kommen wir nicht an."
"Das Yggdrasil meinte ich auch gar nicht." Inzwischen hatten sich alle Gesichter dem Drachen zugewandt und warteten auf seinen Vorschlag. "Ich wollte mit euch hinuntergehen an die Eingangstür des Turms und versuchen, gemeinsam dort hinaus zu kommen."
Fiona sah trotzdem noch etwas hilflos in die Runde. "Ich war aber nur dieses eine mal dabei und weiß nicht, ob wir es hinbekommen."
"Ach was," meldete sich nun Sarah zu Wort, "wir haben doch keine andere Wahl, als es zu probieren. Oder wollt ihr hier in diesem Turm vermodern?" Das verneinten alle vier und so gingen sie hinunter.

Fiona brachte ihnen die Melodie bei. Nach zwei Stunden etwa hatten es alle soweit gelernt, dass sie einen Versuch wagten. Kaum 5 Minuten vergingen und tatsächlich bildete sich eine schwache Aura und Raswid forderte sie mit seinen Gedanken auf, sich auf das Türschloss zu konzentrieren. Und prompt fing es im Tor an, zu knarren und es sprang auf. Alle vier waren von ihrem Experiment noch benommen, sprangen jedoch sofort hinaus, breiteten ihre Arme aus und genossen jubelnd Dalriadas wärmende und helle Sonne. Kein Wölkchen trübte den Himmel. Unendlich große, grüne Wälder dehnten sich unterhalb des Hügels aus, auf dem der Turm stand. Unterbrochen wurden diese grünen Weiten nur von sehr hohen, schneebedeckten Bergen.
Swior war der erste, den die überschwänglichen Gefühle des Sieges verließen und der resümierte: "Raswid ist wirklich ein genialer Freund! Wenn wir den nicht hätten... Aber trotzdem, was machen wir denn jetzt mit unserer gewonnenen Freiheit?"
"Du hast recht," stellte Sarah fest, "aus dem Turm raus haben wir es geschafft, aber, was wir nun machen, darüber hat sich wohl keiner Gedanken gemacht?"
"Doch, ich schon." machte Fiona klar, "Schließlich ist Dalriada mein Heimatplanet. Und wenn man hier in Schwierigkeiten ist -und das sind wir ganz schön stark- dann geht man zu den Saprophyten in die Sümpfe und befragt sie."
"Und was sind bitteschön Saprophyten?" wollte Sarah wissen.
"Das sind sprechende Bäume, auch intelligente Wesen wie wir, aber Pflanzen. Sie denken ganz anders, als wir Wesen, die wir uns bewegen, und können deshalb so manches Problem lösen, an dem wir scheitern."
"Das nenn' ich praktisch." freute sich Swior, "solche Pflanzen könnten wir auf Midgard auch gebrauchen. Also lasst uns keine Zeit versäumen! Ich hoffe, Fiona, dass du uns dahinführen kannst."
"Aber natürlich, auf geht's!" bejahte Fiona die Frage des anderen Elfen und so machten sich die vier Freunde auf den Weg.

Olaf Tauchert & Romy Richter

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