Die Anderswelt

Kapitel 1
Das Haus der Elfen

Kapitel
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Tief stand die Sonne, als sie heimwärts strebte. Für diesen Augustabend war es angenehm lau, doch für die Schönheit des Sonnenunterganges und seiner Farben, die er in den Abendhimmel malte, hatte die junge Frau keinen Blick. Es war wieder einer dieser furchtbaren Tage gewesen. Alles was sie anfasste, ging schief. Die Bestellung eines Kunden wurde falsch ausgeliefert, dann brüllte sie ein älterer Mann an, weil sie ihn nicht schnell genug bedient hatte, obwohl sie noch mitten in einem Verkaufsgespräch war...
Sie hielt inne, Wut stieg in ihr hoch. Mit aller Kraft schlug sie gegen die nächstbeste Hauswand. Wieder und wieder, ihr Frust war übergroß. Die Haut an ihren Knöcheln platzte auf. Sie bemerkte es überhaupt nicht. Es begann zu bluten. Sie fühlte keinen Schmerz, außer dem in ihrem Herzen.
Wie von Sinnen malträtierte sie die Wand mit Fußtritten und Hieben. Doch die Wand war massiv, ihre Hand war es nicht. Außerdem machte das Haus auch keinerlei Anstalten einzufallen.
Sarah hielt sich weinend ihre blutende Hand. Es war zu viel. Es war nicht nur dieser Tag. Ihr wurde klar, dass sich nichts in ihrem Leben so entwickelt hatte, wie sie es sich einst als 15jährige in ihren Träumen vorgestellt hatte.
Was hatte sie für Illusionen gehabt. Als Teenager hatte sie sich für die Umwelt engagiert, eine kleine Gruppe an ihrer Schule gegründet, Briefe gegen den Walfang, die Abholzung des Regenwaldes geschrieben. Damals hatte sie wirklich fest daran geglaubt, all das hätte einen Nutzen. Wie naiv sie doch gewesen war. Als ob ein Brief, je einen Konzern daran gehindert hätte, die Erde auszubeuten. Nun gut, den Walfang hatte man offiziell verboten, doch man fand andere Mittel und Wege die Meeressäuger zu töten und Geschäfte mit ihnen zu machen... Sie hatte es aufgegeben.
Sie hatte davon geträumt Malerin zu werden. Doch ihre Freunde fanden ihre Bilder eher mittelmäßig, ohne Aussage, ihren Stil naiv. So versteckte sie ihre Fähigkeit, malte immer seltener. Nur zum Zeitvertreib zeichnete sie noch manchmal Linien aufs Papier. Meist warf sie ihre Machwerke gleich wieder weg. Sie waren nicht gut genug.

Einst hatte sie sich geschworen, nie ein alltägliches, normales Leben zu führen. Jedoch wurde ihr in diesem Augenblick klar, dass sie dies schon seit mehr als 10 Jahren tat. Weinend brach sie zusammen, während das Blut auf ihre Bluse tropfte. Sie war allein. Es gab keinen Mann, keine Kinder in ihrem Leben. Selbst mit der Liebe hatte sie kein Glück. Ihre wenigen Beziehungen waren meist nach wenigen Monaten wieder zerbrochen. Die Männer verstanden ihre Unzufriedenheit nicht. Warum gab sie sich nicht einfach mit dem zufrieden, was sie hatte und erreichen konnte, anstatt immer nach Höherem zu streben?
Da saß sie nun, zusammen gesunken mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt. Es wurde bereits dunkel, doch sie fühlte sich außerstande ihren Heimweg fortzusetzen. Auf sie wartete niemand. Nur eine leere Wohnung, Spiegel ihrer Resignation.
Einige Passanten gingen vorüber, sahen sie verwundert an. Zweimal blieb jemand stehen und erkundigte sich nach ihrem Befinden, doch sie schüttelte nur mit dem Kopf. Murmelte, es sei alles in Ordnung. Dabei war nichts in Ordnung. Die Leere füllte ihren Kopf. Langsam und mühsam richtete sich Sarah auf. Setzte einfach einen Fuß vor den anderen, wie eine mechanische Puppe. Wohin sie ging, wusste sie nicht. Einfach geradeaus, ohne Sinn, ohne Ziel. Als die Straße endete, bog sie in eine andere ein.

Sie war so tief in Gedanken über ihr Schicksal gewesen, dass sie auf einmal nicht mehr wusste, in welcher Gegend sie sich befand und wie lange sie auf diese Weise unterwegs war. Plötzlich fand sie sich vor einem riesigen Grundstück wieder, dass sie noch nie zuvor bemerkt hatte.
Das rostige Gartentor stand weit offen und so, wie es von unten her eingewachsen war, musste man vermuten, dass es sich seit Monaten nicht mehr bewegt hatte. Als sie im Garten plötzlich einen Baum mit saftigen grünen Früchten sah, merkte sie jedenfalls, dass sie etwas zu Essen brauchte. So gab sie ihrem Hungergefühl nach und betrat das Grundstück. Sie sah sich die seltsamen Früchte aus der Nähe an, da erinnerte sie sich auch, woher sie diese kannte.
Im Garten ihrer Urgroßmutter wuchs so etwas und Uroma hatte immer "Hameln" dazu gesagt. Sarah pflückte sich einige ab und biss kräftig hinein. Die Hameln waren süß, aber hatten wenig Fruchtfleisch. Vielleicht war das der Grund, weshalb heutzutage niemand mehr so etwas anbaute. Aber hier passte dieser uralte Baum hin. Der Garten, falls man diesen noch so nennen konnte, war zu einem schier undurchdringlichen Dickicht aus Rosen und Johannisbeersträuchern verwachsen. Eine seltsame Mischung aus beiden Düften erfüllte die Luft. Nun entdeckte sie auch das Gebäude. So groß, wie es war, wunderte sich Sarah, dass sie es nicht schon vorher gesehen hatte. Es hatte sicher schon bessere Tage erlebt. Seine Pracht war bereits dabei zu verfallen, lange schien sich keiner mehr um das Haus gekümmert zu haben. Jedoch sah man an den Erkern und prunkvollen Verzierungen, um die großen, geschwungenen Fenster herum, die aus farbigem Bleiglas waren und Jugendstilbilder zeigten, dass hier einmal wohlhabende Leute residiert hatten. Da alles einen verlassenen Eindruck machte, ging sie durch die Eingangstür in das Gebäude hinein. Von innen sah aber alles gar nicht mehr so verfallen aus.
Sarah bekam plötzlich ein mulmiges Gefühl. Laut rief sie: "Hallo! Ist da jemand?"
Die VillaAber alles blieb ruhig. So siegte die Neugier und sie ging die große Treppe hinauf. Das gusseiserne Geländer stellte in sich verwobene Blumen dar, welche wirklich jede Menge Möglichkeiten zur Staubablagerung boten. Sie waren aber pikobello sauber und so schlussfolgerte sie, dass hier doch jemand wohnen müsse. In der ersten Etage fand sie sogar einen funktionierenden Lichtschalter. Aber sie löschte das Licht sofort wieder, obwohl es nun schon ziemlich dunkel geworden war.
Hier musste es Bewohner geben! Aber warum der Widerspruch zu dem verwilderten Garten und dem schlechten äußeren Zustand?
"Egal, das geht mich nichts an!" dachte sie für sich und wollte sich schon wieder hinausschleichen, als sie im Erdgeschoss etwas poltern hörte. Vor Schreck flüchtete sie sich hinter die erstbeste Tür und atmete noch einmal tief durch, ehe sie den Atem anhaltend lauschte. Aber so angestrengt sie auch horchte, im Haus war kein einziger Laut mehr zu hören. Vielleicht hatten ihr die überanstrengten Sinne einen Streich gespielt? Da sie sich aber vorerst doch noch nicht auf den Flur hinaus traute, sah sie sich im Zimmer um. Die Zimmereinrichtung musste ein Vermögen gekostet haben. Sarah kam sich vor, wie zurückversetzt in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts. In der Mitte stand ein ovaler Tisch. Sein Fuß wurde aus 4 Hunden gebildet, deren Hinterleibe miteinander verwachsen waren. An den Wänden standen Schränke mit filigranen Verzierungen und eine Frisiertoilette mit Marmorplatte und einem Spiegel, der am Rand mit in sich verschlungenen Sonnenblumen verziert war, die teilweise durch Ätzung und teilweise durch Schliff angebracht wurden. Ein weiterer, mannshoher, ovaler Spiegel war noch zu sehen.Das Bett Und ein Bett, ein Traum von einem Bett! Schon von weitem hatte es etwas insektenhaftes, Sarah sah nur nicht so genau, warum. Die Form von Fuß- und Kopfbrett ähnelte einem Trapez mit der kurzen Seite oben. Aber sie war nicht kantig exakt, sondern geschwungene Aufleistungen, die ihren Abstand harmonisch änderten, umgaben die Intarsien im Inneren. Sarah ging näher. Erst hatte sie das Holz für Nussbaum gehalten, jedoch das geübte Möbelverkäuferauge entdeckte: das war echtes Palisander. Die Intarsien waren aus Kastanienwurzel und Ebenholz, aber auch aus Glas gemacht. So etwas hatte sie selbst noch nie gesehen. Nur aus ihrer Fachliteratur wusste sie, dass Emile Gallé Anfang des 20. Jahrhunderts ein ähnliches Möbelstück gefertigt hatte. Und nun erkannte sie auch, was sie an Insekten erinnerte: Ein etwa handtellergroßes Stück Perlmutt stellte den Körper und Glas- und Holzstreifen die Flügel eines überdimensionalen Schmetterlings dar. Sarah fand auch eine in das Bild eingebundene Inschrift, konnte sie aber nicht entziffern, weil sie nicht in lateinischen Buchstaben, sondern in Runen geschrieben war.
Nun wandte sie ihren Blick nach oben. Die Zimmerdecke war auch ein Kunstwerk für sich. Über ihr gab sich ein Sammelsurium aus Sagengestalten ein Stelldichein. Klitzekleine Elfen ritten auf Einhörnern. Zentauren, lieferten sich eine wilde Jagdszene indem sie einen Hirsch verfolgten, engelsgleiche Lichtgestalten beobachteten die Szenerie aus einiger Distanz.
Erschrocken hielt sie in ihrer Betrachtung inne. Eine Glocke hatte draußen auf dem Flur hell geläutet. So wie sie es von alten Filmen her kannte, wenn der Hausherr zu Tisch rief. Und im ganzen Hause begann ein Rumoren. Sie hielt das Ohr an die Tür, konnte aber keine Worte verstehen. Plötzlich spürte sie eine ganz sanfte Berührung an der Schulter. Als Sarah sich umdrehte, bemerkte sie zwischen den Schränken in der Wand eine weitere Tür, die jetzt offen stand, und ein Mädchen welches die Hand auf Sarahs Schulter gelegt hatte. Doch obwohl Sarah sich als Eindringling fühlte, schien das Mädchen nicht böse zu sein. Sie war sehr schlank, hatte lange, rotblonde Haare und war einen Kopf größer als Sarah.
Ihre Haut war von einem fast überirdisch zu nennendem Weiß. Und ihre Augen, waren von einem durchdringendem Blau.
"Du wurdest nicht eingeladen." stellte sie fest, Sarah versagte einmal mehr die Stimme.
Das Mädchen berührte Sarahs verletzte Hand.
"Du hast dir wehgetan." sagte sie mitleidsvoll. Reflexartig zog Sarah die Hand zurück und verzog dabei das Gesicht. Die ganze Zeit über hatte sie nichts gefühlt, doch jetzt setzte der pochende Schmerz wieder ein.
"Du hast dir selbst wehgetan!" redete das seltsame Mädchen weiter.
Erschrocken riss Sarah die Augen weit auf und wich zurück. "Wo...Woher willst du das wissen?" stotterte sie.
Die Rothaarige trat näher an sie heran und ihre blauen Augen sahen fast ebenso traurig aus, wie Sarah sich fühlte.
"Menschenkind, du solltest das nicht tun. Davon wird der Schmerz nicht verschwinden."
Sarah fröstelte bei ihren Worten. Wie war das möglich? Es war, als könnte sie in ihr Innersten blicken. All das Leid sehen, dass sie so krampfhaft zu verbergen versuchte.
Das Mädchen holte ein kleines Gebilde aus dem Schrank und drückte ihn auf Sarahs Handrücken. Ein ganz kurzer Schmerz und dann breitete sich wohlige Wärme in ihrer Hand aus. Sie sah, wie ihre Wunde langsam kleiner wurde und schließlich verschwand, ohne eine Narbe zu hinterlassen.
"Wie hast du das gemacht und was bist du?" flüsterte Sarah.
"Ich bin vom Alten Volk." erwiderte ihr Gegenüber.
"Das alte Volk? Ich verstehe nicht? Was um Himmels Willen geht hier vor?"
"Bleib bitte ruhig und werd nicht gleich hysterisch! Was hier vorgeht, sind ganz natürliche Dinge, du wurdest nur noch nie damit konfrontiert. Versuch einfach zu akzeptieren, was du siehst, denn du musst diese Realität zur Kenntnis nehmen. Es bleibt dir nichts anderes übrig, nachdem du hier aufgetaucht bist." Bei diesen Worten kam Leben in die geheimnisvolle, junge Frau. Sie fuhr sich mit einer fahrigen Handbewegung durch das wundervolle lange Haar. Sie ging zur Frisierkommode und trommelte ratlos, mit den Fingern auf der Marmorplatte herum, während sie ihr Gesicht im Spiegel anstarrte.
"Du kannst nicht hinunter gehen, soviel ist sicher. Mein Vater würde dich umbringen, oder wohl eher mich..." plapperte sie vor sich hin. "Andererseits, was mache ich jetzt bloß mit dir?"
Sarah sank auf dem Bett in sich zusammen und begann hysterisch zu lachen. "Ich glaube ich bin jetzt vollständig verrückt geworden. Jetzt beginne ich schon zu halluzinieren und Gespenster zu sehen." japste sie atemlos, während sie sich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte.
Die Rothaarige fuhr herum: "Gespenster?" fauchte sie. "Ich bin eine lebendige Elfe und keine Halluzination!"
Mitten in ihrem Gelächter, hielt Sarah inne: "Du bist...., eine was?"
Das Mädchen zuckte mit den Achseln und setzte sich neben sie auf das Bett. Dann strich sie sich das Haar über ihren Ohren zurück so das ihre Ohren frei lagen.
"Na, hast du so was schon gesehen?" fragte die angebliche Elfe herausfordernd.
Sarah musterte die spitz zulaufenden Ohren mit offenem Mund. "Nein, nur bei Mr. Spock." kicherte sie.
"Dann fass sie doch mal, ich hab sie mir ganz sicher nicht angeklebt." die blauen Augen des Mädchens sprühten förmlich Funken, dann wurde sie plötzlich ruhig.
"Man sollte meinen mit 1273 Jahren, hätte man seine Wutausbrüche unter Kontrolle..." seufzte sie
"Ich bin eine Elfe. Und dank dir stecke ich gewaltig in der Klemme. "

FionaEs war die Jahrhundertkonferenz der Elfenvereinigung, wie ihr Fiona ihre unfreiwillige Zimmergenossin mitteilte. Die Elfen kamen dafür extra in die Menschenwelt. Nur in dieser Nacht war die Villa bewohnt. Sonst war es ein halbverfallenes Gebäude, in dem schon seit 200 Jahren niemand mehr lebte.
Elfen war es eigentlich verboten sich den Menschen zu zeigen und normalerweise sorgte der fe-fiada dafür, dass das nicht passierte.

Wohl auch aus diesem Grund glaubten die meisten Menschen schon seit vielen Generationen nicht mehr an das "Alte Volk". Nur in Nordengland, Island und abgelegenen Regionen Schottlands bewahren noch einige dieses Wissen wie einen Schatz. Bekam doch einmal ein Unwissender einen Elf zu Gesicht, so hielt er ihn oft nur für ein verschrobenes Mitglied des Menschengeschlechts.
Nun war Fiona die Tochter des Oberhauptes des Clans der Morrigan. Sie waren die letzten Vertreter der alten keltischen Sippe. Fiona war in einer Zeit geboren worden, als in Europa bereits das Christentum vorherrschte, sie war die Jüngste ihres langlebigen Clans und obwohl 1273 in Menschenjahren unendlich viel erscheint, war sie noch in einem sehr jugendlichen Stadium ihrer Existenz. Ihre älteren Geschwister und ihr Vater Sheaumais nahmen sie nicht sonderlich ernst, besonders weil sie für eine Elfe ziemlich revolutionäre Gedanken vertrat. Ihre Neugier auf die Menschen galt in ihren Kreisen, als sehr unschicklich und es war bereits mehr als einmal vorgekommen, dass sie sich heimlich von zu Hause abgesetzt hatte, um sich in Städten und Dörfern herum zu treiben. Natürlich hatte sie für diese Vergehen, mehr als einmal den Ärger ihres Vaters zu spüren bekommen und war jedes mal mit 50 Jahren Ausgehverbot bestraft worden. Nun bedeutete dieser Zeitraum in Elfenjahren recht wenig, doch es war ärgerlich, doch für ihren neuesten Menschenkontakt konnte Fiona nun wirklich nichts.
Leider war sie sich nicht sicher, ob das ihr Vater auch so sah. Deshalb wollte sie Sarah für die Dauer der Versammlung in ihrem Zimmer einsperren.
Leider war Sarah nicht gerade begeistert von dieser Aussicht.
"Ich weiß nicht, warum das fe-fiada bei dir versagt hat?" überlegte Fiona. "Es scannt das Biofeld von Wesen, die in unser Gebäude hinein wollen. Und unser Biofeld ist ganz anders, als eures. Normalerweise hätte es dein Eindringen zu uns verhindern müssen."
Sarah zuckte mit den Achseln: "Vielleicht hat der Zauber nicht funktioniert?" mutmaßte sie.
"Das ist eigentlich unmöglich. Die Clanmutter selbst und mein Vater haben ihn aktiviert."
Es gibt nur eine Möglichkeit..." Die Elfe musterte das Menschenmädchen mit einem eingehenden Blick und ging mit einem zweifelnden Kopfschütteln um sie herum.
"Was? Was für eine Möglichkeit?" fragte Sarah ängstlich.
Fiona wiegte den Kopf hin und her. "Nun ja, vielleicht hast du Elfenblut in dir." sagte sie leise.
"Das ist doch ein Witz, oder?" lachte Sarah. "Ich meine bis heute hielt ich deinesgleichen für Märchenfiguren und nun behauptest du, ich sei eine von euch?"
"Nicht ganz." entgegnete Fiona ernst. "Du bist zweifellos ein Mensch. Doch es gab in der Vergangenheit einige Abtrünnige unseres Volkes, die sich mit Menschen einließen. Die Frucht dieser Begegnungen nennt man übrigens Wechselbälger."
"Ich bin kein Wechselbalg." sagte Sarah entrüstet.
Fiona lächelte: "Das mag vielleicht für dich altertümlich klingen. Aber die Menschen selbst haben diesen Begriff geschaffen. Ich will auch nicht behaupten, dass einer deiner Eltern eine Elfe war, aber einer deiner Vorfahren war es ganz bestimmt."
Sie deutete auf das Bett. "Es ist besser du schläfst jetzt ein bisschen." schlug sie vor. "Ich muss jetzt hinunter zu den anderen gehen. Zu deiner eigenen Sicherheit solltest du diesen Raum nicht verlassen. Einige von uns haben Menschen gegenüber Vorurteile. Ich weiß nicht, wie sie reagieren würden, wenn du mitten in ihre geheime Versammlung spazierst."
"Na, das sind ja schöne Aussichten." seufzte Sarah. "Und wann kann ich wieder nach Hause gehen?"
"Morgen früh ist der ganze Spuk vorbei." sagte Fiona. "Und für den Fall, dass du kein braves Mädchen bist, werde ich die Tür lieber verschließen."
Noch ehe Sarah etwas einwenden konnte, war die Elfe aus dem Raum verschwunden. Sogleich rannte sie zur Tür, doch Fiona hatte Wort gehalten, sie war so fest verschlossen, dass sich nicht einmal die Klinke herunterdrücken ließ.
"Hoffentlich gibt es hier eine Toilette...", murmelte Sarah "Sonst kann ich für nichts garantieren."

Olaf Tauchert & Romy Richter

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